21.05.2014 14:39 Uhr

Begegnungsstätte in Wassernähe

Auf den voll besetzten Tribünen des Wuppertalers Heinz-Hoffmann-Bades wechseln sich am Mittwoch grüne, blaue und gelbe Shirts deutschlandweiter Behindertensportvereine ab. Dazwischen wehen bunt gemusterte Fanfahnen, mit Aufschriften wie „Jeder schwimmt anders“ und es ertönen laute Anfeuerungsrufen in Richtung Wasserbecken: Die Schwimmer der Special Olympics Düsseldorf 2014 sind für die ersten

Klassifizierungswettbewerbe über 25, 50 und 100 Meter an den Start gegangen.

  Auf allen Bahnen geben die Athleten ihr Bestes und schwimmen um Medaillen und Siegerschleifen. (Foto: SOD/Stefan Holtzem)

Auf allen Bahnen geben die Athleten ihr Bestes und schwimmen um Medaillen und Siegerschleifen. (Foto: SOD/Stefan Holtzem)

Rund 540 Schwimmer aus 15 verschiedenen Bundesländern werden in dieser Woche im Becken ihr Bestes geben, darunter auch Unified-Staffeln, die sich aus zwei Menschen mit geistiger Behinderung und zwei Teilnehmern ohne Behinderung zusammensetzen. Patrick Junge, Athlet von den Gemeinnützigen Werkstätten Köln, klettert nach  seinem Staffelwettbewerb aus dem Wasser. „Alles richtig gemacht, ich bin sehr zufrieden“, resümiert der 30-Jährige. Rücken, Brust, Kraul, Lagen - den Menschen mit Behinderung soll hier ein Wettbewerb nach offiziellem Regelwerk ermöglicht werden, dazu gehört bei klaren Schwimmstildefinitionen auch eine eventuelle Disqualifikation aufgrund fehlerhafter Technik. Die Freistildistanzen bieten den Schwimmern hingegen mehr Freiraum, hier kann jeder den Wettkampf mit seiner eigenen Schwimmtechnik absolvieren. Wasserstarts sollen zudem gerade körperlich eingeschränkten Sportlern den Start erleichtern. Dabei ist jeder Starter ein Gewinner: Alle Athleten schwimmen sowohl die Klassifizierungen, als auch die Finals, in die sie je nach Vorlaufzeit in homogene Gruppen eingeordnet werden.

Patrick Junge ist mit einer 38-köpfigen Truppe aus der nahegelegenen Domstadt angereist. Das Tageshighlight der Rheinländer: Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen, die den Sportlern am Beckenrand einen Besuch abstattet und sie motiviert, ihr Können zu zeigen und Spaß zu haben. „Aufgeschlossen, ehrlich, aufgekratzt“, so betitelt die mehrfache Welt- und Europameisterin die motivierten Athleten. „Die Stimmung hier reißt mich mit und berührt mich.“  Als Botschafterin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ist die Leistungsschwimmerin bereits seit einigen Jahren mit ehrenamtlichem Engagement vertraut und setzt sich in diesem Rahmen für selbstbestimmtes und unabhängiges Leben ein, in dem jeder seine Stärken zeigen kann und soll. Auch der Unified-Lauf im Rahmen von SOD ist für sie kein Neuland: Zweimal hat Steffen bereits an dem Spendenevent teilgenommen.

Im Heinz-Hoffman-Bad reichen sich Helfer und Athleten aus dem Wasser gegenseitig die Hände – die Schwimmhalle ist eine Veranstaltungsstätte, aber auch ein Ort der Begegnung.  Das Kölner Team hat schon bei vorherigen Special Olympics Wettbewerben feste Freundschaften geschlossen. Besonders die Nationalen Spiele  2012 in München haben feste Bande entstehen lassen, die heute in Düsseldorf ein noch intensiveres Miteinander ermöglichen. „Da mussten wir dann auch mal zum Schiedsgericht, Bahnen tauschen“, lacht Trainerin Ria Nieberg. „Zwei Mädels aus Köln und Leverkusen auf Bahn vier und fünf haben während des Schwimmens einfach zu viel gequatscht.“


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