20.05.2014 20:17 Uhr

Eröffnung des Gesundheitsprogramms - Es besteht Handlungsbedarf

Wenige Minuten nachdem auf der Bühne im Olympic Town die Grußworte gesprochen sind, zertrennt die Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Ingrid Fischbach das zeremonielle Band, das den Eingang des Healthy Athletes®-Zeltes versperrt. Nun ist der Weg frei zu kostenlosen Gesundheitschecks, die SOD seinen Athletinnen und Athleten anbietet.

Dr. Ulrike Flach, Gesundheitsdezernent Prof. Dr. Andreas Meyer Falke,, SOD-Präsident Gernot Mittler, SOD-Vizepräsident Detlef Parr und die parlamentarische Staatssekretärin Ingrid Fischbach eröffneten das Gesundheitsprogramm. (Foto: SOD/Jo Henker)

Dr. Ulrike Flach, Gesundheitsdezernent Prof. Dr. Andreas Meyer Falke,, SOD-Präsident Gernot Mittler, SOD-Vizepräsident Detlef Parr und die parlamentarische Staatssekretärin Ingrid Fischbach eröffneten das Gesundheitsprogramm. (Foto: SOD/Jo Henker)

Sportliche und gesellschaftliche Teilhabe fördern, lautet das Ziel von SOD und somit auch von Healthy Athletes®. Seit nunmehr zehn Jahren bestehen die Initiativen um das Programm, in dem in sechs Disziplinen Screenings von Sportlern mit geistigen Behinderungen durchgeführt werden. 20.000 Screenings hat es bei Healthy Athletes® seit seiner Einführung gegeben. Das Ergebnis ist eindeutig: Es besteht Handlungsbedarf bezüglich des gesundheitlichen Zustandes von Menschen mit geistiger Behinderung.  Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass es sich bei den Sportlern bereits um diejenige Gruppe von Menschen mit geistiger Behinderung handelt, die am besten versorgt wird. Meist sind die Sportler Menschen, die durch ihre Familie oder in ihren Einrichtungen große Unterstützung erfahren und auch sonst stark gefördert werden. „Bei Nicht-Sportlern sehen das medizinische Bewusstsein und der Gesundheitszustand, so ist sich Dr. Christoph Hils (Clinical Director Zahnmedizin bei Healthy Athletes®) sicher, noch einmal viel schlechter aus.

Beim Gesundheitsprogramm geht es nicht darum, vor Ort Therapien zu beginnen oder gar Medikationen zu verschreiben. Es werden, bis auf Notfälle, lediglich ärztliche Empfehlungen ausgesprochen und das Interesse an medizinischer Behandlung und gesunder Lebensweise angeregt. Die Wirkung des Programms soll sich über die sportliche Elite auf die breite Masse ausdehnen. Der Trend zur besseren Versorgung soll sich bemerkbar machen. „Dabei steht jederzeit der Athlet im Mittelpunkt“, erklärt Gabriele Kapella (Clinical Director Fun/Fitness bei Healthy Athletes®).

Meist in kleinen Gruppen, begleitet von einem Betreuer, kommen die Athleten zu ihrer gewünschten Untersuchung. Bei der Anmeldung wird ihnen in aller Ruhe erklärt, wie die Untersuchung abläuft und welche Stationen es genau  gibt. Im Opening-Eyes-Bereich erfolgt beispielsweise zuerst eine Eingangsuntersuchung, die den Ist-Zustand feststellt: Welche Sehstärke hat der Patient, hat er eine Brille und wenn ja, welche Stärke hat diese? In der Folge absolviert der Athlet in Begleitung der Helferinnen und Helfer eine Reihe von Stationen, die der Bestimmung einer eventuellen Fehlsichtigkeit dient. Dem Athleten wird versucht die Untersuchung zu erleichtern. So müssen z.B. bei der Bestimmung der Sehstärke lediglich einfache Symbole erkannt, statt Buchstaben gelesen werden.

Die Behandlung von Menschen mit geistiger Behinderung erfordert einerseits die Bereitschaft des Athleten zum Arzt zu gehen, andererseits müssen die Mediziner fähig sein, auf die speziellen Bedürfnisse des Patienten mit Behinderung einzugehen. Weil in diesem Bereich beiderseitig noch viel Potenzial ist, betitelte im Jahr 2013 ein Colloquium der Ärzteschaft Nordrhein  - Kooperationspartner von SOD  in der Gesundheitsvorsorge - Menschen mit geistiger Behinderung als „vergessene Patienten.“

Im „Special Smiles-Bereich“ wird das richtige Zähneputzen veranschaulicht. Nach dem eigenständigen Zähneputzen wird ein besonderer Lack aufgetragen, so dass die Sportler im so genannten „Kariestunnel“ mit Hilfe von UV-Licht erkennen können, wo nicht so gut geputzt wurde. Eine Methode, die sicherlich auch bei Menschen ohne Behinderung noch Potenzial hat.

Healthy Athletes® versucht Menschen mit geistiger Behinderung durch die einzigartigen und praxisnahen Gesundheits- und Präventionsprogramme dahingehend zu bewegen, auf ihre Gesundheit und den eigenen Körper zu achten, um auch in Zukunft so viel Freude an Bewegung und Sport, wie bei den Special Olympics haben zu können. Gleichzeitig macht die Vielzahl an Sponsoren, Ärzten und Helfern die mit ihrem Engagement das Programm ermöglichen deutlich, dass eine derartige Behandlung möglich ist und dazu beiträgt, dass Menschen mit Behinderung auch aus medizinischer Sicht noch mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken können.


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