20.05.2014 17:38 Uhr

„Wir sollten nicht immer zuerst nach dem Geld fragen“

Interview mit Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), im Rahmen der Eröffnung der Klassifikationsspiele im Handball.

DHB-Präsident Bernhard Bauer besuchte die Klassifizierungswettbewerbe beim Handball. (Foto: SOD/Tom Gonsior)

DHB-Präsident Bernhard Bauer besuchte die Klassifizierungswettbewerbe beim Handball. (Foto: SOD/Tom Gonsior)

Herr Bauer, Sie sind seit kurzem Präsident des Deutschen Handballbundes und Sie machen sich stark für eine Zusammenarbeit mit Special Olympics Deutschland. Mit welcher Motivation?
Ich denke es ist für den Handballverband als zweitgrößtem Ballsportverband in Deutschland eine gesellschaftliche Pflicht, gesellschaftliche Veränderungen nicht nur anzunehmen, sondern mitzugestalten. Das gilt insbesondere für die Einbeziehung von Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Deshalb war es für uns keine Frage, dass wir bei den Special Olympics Düsseldorf 2014 dabei sind; dass wir uns  aber auch generell in unserer Sportart viel stärker um Menschen mit Behinderungen kümmern wollen.

Wie kam es zum Kontakt zwischen Ihnen und der Disziplin Handball hier in Düsseldorf?
Die Einladung dazu kam von Special Olympics Deutschland. In Koordination mit unserem Vizepräsidenten für Jugend, Bildung und Schule wollten wir zunächst einmal sehen, wie Handball bei SOD gespielt wird. Es geschieht einiges an Zusammenarbeit in den Vereinen vor Ort, und das wollen wir als Verband auf eine breitere Grundlage stellen. Deshalb sind wir auch heute hier, um mit den Leuten zu sprechen, die Special Olympics gestalten und um den Handball hier noch stärker kennenzulernen. Auch im Hinblick darauf, dass wir ja selbst einzelne Leuchtturmprojekte, beispielsweise in Hamburg und Essen, haben.

In der Eröffnungsrede für die Klassifizierungsspiele Handball haben Sie angekündigt, dass Sie Projekte in Zusammenarbeit mit Special Olympics Deutschland in Gang bringen möchten. Gibt es dafür bereits konkrete Ansätze?
Wir überlegen, bei unserer nächsten Bundesratssitzung im November eine Kooperation mit SOD einzugehen. Eine, die wirklich tragfähig ist.  Dazu  möchten wir unsere Landesverbände, Ligaverbände und Vereine anspornen, sich speziell um Sportler mit Behinderung zu kümmern. Die Sportart Handball bietet da, denke ich, hervorragende Voraussetzungen.  

Welche inklusive Kraft liegt spezifisch im Handball?
Handball ist ein Mannschaftsspiel. Da kann man von vornherein niemanden ausschließen, egal wo er steht,  egal wo er herkommt und was er ist. Ich finde es gibt nichts Besseres, um Inklusion zu leben, als zu sagen: Wir sind ein Team, wir arbeiten zusammen, egal ob mit körperlicher oder geistiger Behinderung, wir versuchen jeden einzubeziehen. Besser als im Handball geht das kaum.

Wie viel Geld ist da für dieses Vorhaben?
Man muss immer erst die Möglichkeiten ausschöpfen, die man hat. Es gilt es zunächst einmal, Ängste und Barrieren abzubauen und zu sagen, „geht aufeinander zu, mit den Möglichkeiten, die ihr habt.“ Das ist der erste Schritt. Und dann, glaube ich, wird man überrascht sein, was auf ehrenamtlicher Basis möglich ist. Natürlich braucht man am Ende Geld wenn man z.B. Turniere veranstaltet. Aber ich bin überzeugt, dass gerade in diesem gesellschaftlichen Kontext einiges möglich sein wird, mit Sponsoren, aber auch mit engagierten Leuten, die sagen, „wir sind bereit, für dieses Projekt, für diese Gelegenheit etwas zu geben.“ Wir sollten nicht immer zuerst nach dem Geld fragen.

Sie haben bereits einige Klassifikationsspiele im Handball angesehen: Wie ist Ihr erster Eindruck?
Mir gefällt es, mit welcher Begeisterung, mit welcher Energie, mit welcher Freude hier Handball gespielt wird. Das Niveau ist sicherlich unterschiedlich, weil auch die Mannschaften vom Alter, vom Training und von der Qualität insgesamt sehr unterschiedlich sind. Aber alle verbindet, dass sie unheimlichen Spaß dabei haben, miteinander zu spielen. Das macht auch mir Freude.


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