01.11.2016 13:33 Uhr

Die Special Olympics Berlin - eine Tradition geht zu Ende

Am 30.10.2016 fanden in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark die 22. Special Olympics Berlin als Landesschwimmfest und Anerkennungswettbewerb statt. Seit dem Start dieser Veranstaltungsreihe im September 1990 im FEZ Wuhlheide begleitet Gernot Buhrt, Gründungsmitglied von SOD und 1. Vorsitzender der SG Rehabilitation Berlin-Lichtenberg e.V., diese Veranstaltung als Veranstaltungsleiter und blickt nun auf die 26-jährige Geschichte zurück.

Der langjährige Veranstaltungsleiter der Special Olympics Berlin, Gernot Buhrt. (Foto: SO Berlin/Brandenburg)

Der langjährige Veranstaltungsleiter der Special Olympics Berlin, Gernot Buhrt. (Foto: SO Berlin/Brandenburg)

Das 22. Special Olympics Berlin Landesschwimmfest fand mit 100 Teilnehmern im Europasportpark in Berlin statt. (Foto: SO Berlin/Brandenburg)

Das 22. Special Olympics Berlin Landesschwimmfest fand mit 100 Teilnehmern im Europasportpark in Berlin statt. (Foto: SO Berlin/Brandenburg)

"Meinem Wissen nach sind die Special Olympics Berlin die Special Olympics Veranstaltung in Deutschland mit der längsten Tradition. Initiator und Veranstalter war damals das Rehabilitationszentrum Berlin Ost (heute Stiftung).

Die erst im Sommer 1990 gegründete SG Rehabilitation Berlin-Lichtenberg e.V. unterstützte als sportlicher Partner diese erste Sportveranstaltung nach dem Special Olympics Konzept im damaligen Ostberlin und der DDR. Über 500 Sportler kämpften in den Sportarten Schwimmen, Leichtathletik, Radfahren, Fußball und einem wettbewerbsfreien Angebot um Medaillen und persönliche Bestleistungen. Eine hochrangig besetzte Beobachterdelegation von Special Olympics International und SOEE war angereist und bestätigte nach Beendigung des Sportfestes den Organisatoren das Recht, ihre Veranstaltung ab jetzt offiziell „Special Olympics Berlin“ nennen zu dürfen. Mit der Vorbereitung der 3. SO Berlin 1993 übernahm die SG Rehabilitation Berlin-Lichtenberg die Funktion des Veranstalters und hat diese bis zum letzten Wochenende ausgeführt.

Nun hat unser kleiner Sportverein beschlossen, die Veranstalter- und Ausrichterfunktion abzugeben. Wir werden aber zukünftig gerne bei der Organisation und Durchführung von  Wettbewerben im Schwimmen, Bowling und Kraftdreikampf im Rahmen zukünftiger Landesspiele des Landesverbandes Berlin/Brandenburg helfen.

Die Veranstaltungsreihe „Special Olympics Berlin“ ist damit ein Stück Geschichte geworden.
Eine Geschichte wie eine Sinuskurve aber auf jeden Fall mit vielen unvergesslichen Erlebnissen und Erfahrungen für sehr viele Special Olympics Athleten aus der gesamten Bundesrepublik.
Das Rehabilitationszentrum Berlin Ost und die SG Rehabilitation Berlin-Lichtenberg e.V. gehörten 1991 zu den Gründungsmitgliedern von Special Olympics Deutschland. Bis 1995 fanden die Special Olympics Berlin zunächst weiter als regionale Spiele mit 3 - 5 Sportarten an wechselnden Veranstaltungsstätten in Berlin statt. 1993 hatten wir mit knapp über 1.000 Teilnehmern an drei Wettkampftagen die zahlenmäßig größte Veranstaltung. Als sehr kleines und vor allem ehrenamtlich agierendes Organisationsteam kamen wir in den nächsten zwei Jahren dann absolut an unsere Machbarkeitsgrenze. So haben wir 1995 beschlossen, uns ab 1996 auf die Sportarten Schwimmen und Tischtennis sowie mehr Qualität statt Quantität zu konzentrieren.
Von 1996 – 2002 haben wir dafür das Sportzentrum Berlin Adlerhof als Austragungsstätte nutzen können und mit dem Team OTIS einen Partner gefunden, mit dem unsere Veranstaltung sehr schnell und dauerhaft internationale SOI Standards erfüllte. In Absprache mit SOD wurden die „Special Olympics Berlin“ zur ersten bundesweit ausgeschrieben regionalen Veranstaltung. Die Teilnahme bei den „Special Olympics Berlin“ war für viele Athleten in der Folgezeit oftmals der erste Kontakt mit Special Olympics, denn in vielen Regionen der Bundesrepublik gab es zu dieser Zeit noch gar keine Veranstaltungen von Special Olympics. Die „großen Jahre“ begannen dann ab 2003, als wir mit unserer Veranstaltung in den Europasportpark umzogen, einem der größten und modernsten Sportareale in Deutschland. Als Initiatoren und Mitausrichter der 2. Nationalen Sommerspiele von SOD im Jahre 2000 in Berlin hatten die SG Reha und das Rehabilitationszentrum Berlin Ost dieses Areal bereits für die Nationalen Spiele 2000 ausgesucht und bespielt.
Nun kamen nicht nur deutlich mehr Teilnehmer aus allen Teilen der Republik, auch die Medien und Prominenz aus Landes- und Bundespolitik sowie dem Sport- und Showbereich waren bei uns zu Besuch und haben so Special Olympics hautnah kennengelernt. Unter anderem besuchten Wolfgang Thierse (ehemaliger Bundestagspräsident), Antje Vollmer (Bundestagsvizepräsidentin), Brigitte Zypries (ehemalige Bundesjustizministerin), Klaus Wowereit (ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin), Ralf Möller (Hollywood-Schauspieler), Sandra Völker und Cathleen Rund (Europa- und Weltmeister im Schwimmen) die Special Olympics Berlin.

Außerdem haben wir unsere Veranstaltung genutzt, um die Sportarten Bowling und Kraftdreikampf in das nationale Wettkampfprogramm zu überführen. Unser Vorstandsmitglied und Übungsleiter Jürgen Günsel hat als SOD Headcoach diese beiden Sportarten lange Jahre betreut.
Unser Engagement für Special Olympics im Land Berlin hat auch wesentlich dazu beigetragen, dass SOD im Oktober 2005 vom Berliner Senat wieder die Zusage bekam, die eigentlich in Leipzig geplanten Nationalen Sommerspielen 2006 wiederum in Berlin veranstalten zu können.
Ab 2007 wurde es dann schwierig für uns, unsere Veranstaltungsreihe „Special Olympics Berlin“ auf dem bisherigen Niveau weiter organisieren zu können, denn die Unterstützung der Firma OTIS endete in diesem Jahr nach 12 Jahren toller Zusammenarbeit. Darum an dieser Stelle auch vielen Dank, ganz besonders an unsere Freunde vom Team OTIS – stellvertretend für alle bei Nina Jähn und Klaus Hawacker.

Bis 2011 gelang es uns mit Unterstützung verschiedener Berliner Mitgliedsorganisationen des Landesverbandes die „Special Olympics Berlin“ weiter als regionale Spiele organisieren zu können. Im Jahr 2011 fanden immerhin Wettkämpfe in 6 Sportarten statt und von den gut 500 Teilnehmern kamen über 150 aus anderen Bundesländern.
Aber dauerhaft wollte keiner unserer Partner diesen immensen Arbeitsaufwand betreiben. Also haben wir uns ab 2012 auf das konzentriert, was wir am besten können, nämlich die Organisation von Schwimmveranstaltungen. Seit den Nationalen Spielen 1998 in Stuttgart stellt unser Verein nämlich einen großen Teil des SOD Orgateams Schwimmen bei Nationalen Spielen und unser Peter Wilke (stellv. Vorsitzender) war bis 2015 Headcoach Schwimmen.

Unsere letzte Veranstaltung am 30.10.2016 war mit ca. 100 Teilnehmern kuschlig und darum auch für uns Organisatoren zum Genießen.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um allen Mitstreitern, Partnern und Helfern unserer Veranstaltungsreihe aber auch allen Teams, die uns in all den Jahren besucht haben, vielmals Danke sagen.
Besonderer Dank gebührt dem Organisationteam der SG Rehabilitation Berlin-Lichtenberg e.V.:
Peter Wilke, Sabine Wilke, Reinhard Recknagel, Jürgen Günsel, Irene Wallis, Rita und Joachim Rahn, Jörg Breske, Jo Trettin u.a.m.!"

Gernot Buhrt, der 1991 zu den Gründungsmitgliedern von Special Olympics Deutschland gehörte, spricht anlässlich des 25-jährigen Bestehens in einer Interviewreihe über die Anfangsjahre der Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland. » zur Sonderseite "25 Jahre SOD"


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