20.12.2017 09:42 Uhr

Azubi trifft Sportler – Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als gedacht

Mit „Azubi trifft Sportler“ verbanden der Bayerische Bauindustrieverband (BBIV) und Special Olympics Bayern (SOBY) bereits zum zweiten Mal Arbeitswelten miteinander. Mit dem Ziel des gegenseitigen Kennenlernens, der Schaffung des Bewusstseins für den Arbeitsalltag und die Herausforderungen des Anderen sowie des Abbaus von Barrieren und Vorurteilen trafen sich am 20. November 2017 Beschäftigte einer Mitgliedseinrichtung von SOBY und Auszubildende eines Mitgliedsunternehmens des BBIV. In der Ausrichterstadt der Special Olympics Landesspiele Bayern 2017, Hof erlebten Dieter Broll und Tino Glaser von den Hochfränkischen Werkstätten und Alessio Fatone von der AS-Bau GmbH einen interessanten und lehrreichen Tag gemeinsam.

In den Hochfränkischen Werkstätten herrscht an diesem Montag Hochbetrieb. Die über 500 Beschäftigten der Werkstatt der Lebenshilfe Hof arbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen. Dieter Broll ist einer von Ihnen. Er ist 47 Jahre alt und in der Mechanischen Fertigung der Werkstatt tätig. Bei den SOBY Landesspielen im Juli 2017 war er Teil des Teams der Hochfränkischen Werkstätten und trat für seine Einrichtung im Tischtennis in der Freiheitshalle an. Neben Silber im Unified-Doppel konnte Dieter Broll im Einzelwettbewerb die Goldmedaille erspielen. Doch nicht nur auf seine sportlichen Leistungen kann Dieter Broll stolz zurück blicken. Auch seine Arbeit ist für ihn ein sehr wichtiger Teil des Lebens. Entsprechend groß war bei ihm auch die Vorfreude auf „Azubi trifft Sportler“: „Ich finde es sehr gut, dass mal andere Leute an meinem Arbeitsplatz sind. Und dass ich meine Arbeit zeigen darf.“

Sein Besucher an diesem Tag war Alessio Fatone, 18jähriger Auszubildender im Bereich Straßenbau der AS-Bau GmbH in Hof. Die AS-Bau GmbH unterstützte SOBY bereits mehrfach bei Veranstaltungen mit „Man-Power“ – zuletzt beim Aufbau der Radstrecke bei den Landesspielen in Hof. Für Alessio Fatone ist der Tag mit den SOBY-Sportlern eine gänzlich neue Erfahrung. Eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung hatte er bislang noch nicht besucht, geschweige denn dort mitgearbeitet. Sichtlich beeindruckt nahm er den Arbeitsplatz von Dieter Broll in Augenschein. In der Mechanischen Fertigung sind die Arbeitsabläufe eingespielt und eng aufeinander abgestimmt. Das ist kein Wunder, fertigen die Hochfränkischen Werkstätten doch Bauteile für große Industrie- und Wirtschaftsunternehmen. Als Alessio Fatone den Arbeitsplatz von Dieter Broll übernimmt, wird ihm schnell bewusst, dass bei den Arbeiten Präzision und Konzentration gefordert sind – und das den ganzen Tag.

Auch Tino Glaser ist Beschäftigter der Hochfränkischen Werkstätten. Er arbeitet an einem der sogenannten ausgelagerten Arbeitsplätze der Einrichtung. Diese Arbeitsplätze sind in Unternehmen oder kommunalen Betrieben der Region. Tino Glaser beispielsweise arbeitet in den Herbst- und Wintermonaten in der Brauerei Scherdel in Hof. Als Alessio Fatone nach seiner ersten Aufgabe in der Mechanischen Fertigung in der Hauptverwaltung der Brauerei eintrifft, erwartet ihn Tino Glaser, zweifacher Goldmedaillengewinner im Schwimmen bei den Landesspielen, bereits. Er sprach auch den Eid von Special Olympics bei der Eröffnungsfeier in der Freiheitshalle. Tino Glaser arbeitet in der Flaschensortierung der Brauerei. Dabei ist das System der Sortierung sehr wichtig, denn die Mehrwegflaschen werden im weiteren Produktionsverlauf gereinigt, befüllt und neu etikettiert. Der Arbeitsbereich von Tino Glaser – der mit einem zweiten Beschäftigten der Hochfränkischen Werkstätten bei Scherdel arbeitet – ist natürlicher und wichtiger Bestandteil und in den Produktionsablauf der Brauerei eingebettet. Auch Alessio Fatone erkennt schnell, dass die Arbeit in einer Brauerei Konzentration und Ausdauer verlangt, bis das fertige Produkt „im Kasten“ ist.

Beim gemeinsamen Mittagessen trafen dann Broll, Glaser und Fatone gemeinsam in den Hochfränkischen Werkstätten zusammen. Jetzt waren Dieter Broll und Tino Glaser auch schon sehr neugierig, was sie auf der Baustelle von AS-Bau erwarten würde. Die besuchte Baustelle war dann auch eine, die in Hof von großem Interesse ist. Am Theresienstein entsteht nämlich die neue Kunsteisbahn am Eisteich, eine überdachte Eisfläche für den Vereins- und Freizeitsport. AS-Bau arbeitet momentan am Fundament und von der fertigen Anlage ist freilich noch nicht viel zu sehen. „Das soll der Eisteich werden? Krass, dass die alle wissen, was sie machen sollen. Ob die da einen Plan haben?“ fragt sich Tino Glaser beim Betreten der Baustelle. Alessio Fatone kann schnell beruhigen und erklärt, dass alle Arbeitsabläufe nach einem Bauplan geplant sind und durchgeführt werden. Alles ist genau festgelegt und aufeinander abgestimmt – genauso wie in der Mechanischen Fertigung bei Dieter Broll. Highlight des Besuchs auf der Baustelle war dann das Bedienen des Baggers und des Krans. Unter Anleitung der Mitarbeiter von AS-Bau vor Ort konnten Dieter Broll und Tino Glaser mit dem schweren Gerät auf der Baustelle unterstützen. Eine große Herausforderung. „Es war sehr interessant ein anderes Berufsfeld kennenlernen zu können. Ich war noch nie auf einer solchen, riesigen Baustelle. Klasse war, dass wir alles auch einmal ausprobieren durften“, zeigt sich Dieter Broll begeistert. Konzentration, Präzision und Ausdauer sind auf der Baustelle ebenso gefragt wie in der Werkstatt – eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Arbeitswelten.

Am Ende des Tages waren sich alle Beteiligten einig, dass „Azubi trifft Sportler“ eine interessante Erfahrung war und in allen besuchten Bereichen hohe Anforderungen und Ansprüche gelten. Tino Glaser fasste den Tag abschließend zusammen: „Schade, dass es so schnell vorbei war. Alessio war total nett und kann gerne mal wieder kommen“, ehe er mit einem Augenzwinkern hinzufügte, dass er „im Baggerfahren besser als Dieter“ war.

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