Inklusive Redaktion: „Das ist ein Leuchtturmprojekt“

Die Special Olympics sind gelebte Inklusion. Seit vielen Jahren gibt es sogenannte Unified Teams, bei denen Athletinnen und Athleten mit und ohne geistige Behinderung gemeinsam für die Wettbewerbe trainieren und in den jeweiligen Sportarten starten. Bei den Spielen in Hannover gibt es ein besonderes Projekt: die inklusive Redaktion. Zahlreiche  Reporterinnen und Reporter von den Hannoverschen Werkstätten, vom Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (EKN), dem NDR, der Lebenshilfe Remscheid und vom Sozialverband Deutschland füllen tägliche die Internetseite mit Interviews, Reportagen und wissenswerten Infos. Bei einem ersten Erfahrungsaustausch wurde klar: Die Zusammenarbeit der Tandem-Teams klappt hervorragend; beide Seiten können voneinander lernen.

Der Erfahrungsaustausch zeigt: Bei der inklusiven Redaktion profitieren beide Seiten voneinander. Foto: Julia Krüger
Der Erfahrungsaustausch zeigt: Bei der inklusiven Redaktion profitieren beide Seiten voneinander. Foto: Julia Krüger

Thomas Hans aus der Online-Redaktion vom NDR und Stefan Fastenau, Mitglied der inklusiven Redaktion, waren am ersten Tag zusammen in den Sportstätten unterwegs. Sie haben sich unter anderem den Kraftdreikampf angesehen und gemeinsam darüber berichtet. Bevor es losging, haben sie sich gemeinsam die Fragen überlegt, dann stand Fastenau mit seinen Interviewpartnern vor der Kamera. „Das war für mich schon ein bisschen ungewohnt“, erzählt Fastenau, der ansonsten in den Hannoverschen Werkstätten in der Radio-Redaktion mitmacht. Hans zieht ein durchweg positives Resümee: „Natürlich ist die Art zu arbeiten für uns eine neue Herausforderung. Ich bin aber insgesamt sehr zufrieden. Für meine tägliche Arbeit nehme ich vor allem mit, dass mehr Ruhe und Gelassenheit sehr gut tun. Oft herrscht im Journalismus ja ein unfassbarer Zeitdruck.“

Das bestätigt auch Wolfgang Stelljes vom EKN. Er hat einen Tag lang mit Sven Schatta von den Werkstätten Radiobeiträge produziert – zum Beispiel über die Helfertandems, bei denen Menschen mit und ohne geistige Behinderung gemeinsam arbeiten. „Mir ist aufgefallen, dass bei den Interviewpartnern eine viel größere Offenheit besteht, Fragen zu beantworten“, sagt Stelljes.

Mit zum inklusiven Redaktionsteam gehören auch die Fußballer Marco Annas und Wolfgang Schalk von der Lebenshilfe Remscheid. Bei ihnen sind die Aufgaben ganz klar aufgeteilt: Schalk führt die Interviews, Annas macht die Fotos. Unterstützt werden sie dabei von ihrem Delegationsleiter Martin Göttel. „Am Anfang wollten die anderem im Team keine Interviews geben. Nachdem sie die Ergebnisse gesehen haben, fragen sie mich jetzt immer: Wann kommt denn das nächste Interview?“, berichtet Göttel.

Diese Beispiele zeigen, dass nicht nur die Redakteure mit geistiger Behinderung etwas von den Profis lernen können, sondern auch die, die schon lange im Geschäft dabei sind, wertvolle Erfahrungen mit nach Hause nehmen.

Holger Stolz, Geschäftsführer der Lebenshilfe Niedersachsen, ist von dem Projekt begeistert: „Die inklusive Redaktion ist ein Leuchtturmprojekt. Menschen mit einer geistigen Behinderung stehen auf der Seite der Reporter und nehmen dadurch einen Rollenwechsel vor.“ Das Projekt sei ein beispielgebendes Novum; bisher gäbe es wenig Vergleichbares. „Ich hoffe, dass es von anderen Medien, Einrichtungen und Werkstätten aufgegriffen wird. Mit diesem Projekt gehen wir genau den richtigen Schritt in Richtung Inklusion.“

Die Berichterstattung der inklusiven Redaktion können Sie zum Einen auf unserer Seite und auf dem speziell angelegten NDR-Blog verfolgen.



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