18.09.2014 22:56 Uhr

Badminton: Mit Wir-Gefühl durch Antwerpen

Das Team Badminton als Teil der Deutschen Delegation bei den Europäischen Sommerspielen von Special Olympics umfasst vier Sportlerinnen und Sportler, einen Headcoach und einen weitereren Trainer. Sie bestreiten ihre Finalwettbewerbe auf dem Sportgelände der AntwerpExpo. Heute hatten sie frei und erkundeten die schöne Stadt Antwerpen, begleitet von zwei Volunteers, Christine und Hannah.

Beim Stadtbummel: Team Badminton David Fellmann, Andrea Mönch, Michaela Süß und Ronald Böhme. Foto: Luca Siermann

Beim Stadtbummel: Team Badminton David Fellmann, Andrea Mönch, Michaela Süß und Ronald Böhme. Foto: Luca Siermann

Team Badminton mit den SOD-Berichterstatter Samuel Asiedu Poku vor Olympic Town. Foto: Luca Siermann

Team Badminton mit SOD-Berichterstatter Samuel Asiedu Poku vor Olympic Town. Foto: Luca Siermann

Das Badminton-Team gut gelaunt beim Bummel durch die Innenstadt. Foto: Luca Siermann

Das Badminton-Team gut gelaunt beim Bummel durch die Innenstadt. Foto: Luca Siermann

Mit dem Bus geht es nach Steeplein, das liegt im Zentrum von Antwerpen. Dort ist Olympic Town, da findet unter anderem das Rahmenprogramm der Europäischen Sommerspiele 2014 statt. Nahe gelegen an der Schelde, dem Fluss, der in die Nordsee mündet. Nach einem schönen Gruppenfoto vor dem Olympischen Flamme der Hoffnung, geht es in Richtung Marktplatz.

„Silvio Bravo hat gewonnen“

Dort steht eine Statue. „Das ist Silvio Bravo. Über ihn gibt es eine Legende“, erzählt Hannah (21). Silvo Bravo hat einst gegen Antigon gekämpft, der Antwerpen terrorisiert hat. Er wollte Zölle erheben gegen die Händler. „Silvio Bravo hat gewonnen, hat Antigon die Hand abgehackt und in die Schelde geworfen“, erzählt sie weiter und alle lauschen gespannt. Der Link zum Namen der Stadt: Antwerpen setzt sich zusammen aus dem Wörtern Hand und werfen.

Weiter geht durch die wunderschöne Stadt, vorbei an der Liebfrauenkirche, eine mächtige Kathedrale, die aus der Zeit der Renaissance stammt. Alle bleiben stehen vor einem Schokoladenladen. Schokolade und Belgien gehören zusammen. Neben Pralinen gibt es überall „Handjes“, Hände aus Schokolade, zu kaufen und viele nutzen die Chance. „Die bringe ich meinen Eltern mit“, meint Athlet David Bussmann. Danach ist Pause und alle trinken ein kühles Getränk in einem Restaurant, das gleichzeitig auch ein Museum ist.

Da kommt man wieder auf Badminton zu sprechen. „Menschen mit geistiger Behinderung können die Sportart Badminton bei regelmäßigem Training innerhalb von zwei Jahren so erlernen, dass sie an einem Wettbewerb erfolgreich teilnehmen können“, erzählt Ronald Böhme, Coach der Badmintongruppe und Trainer von Athlet David Bussmann. Die Sportart Badminton ist ziemlich komplex. Man braucht viel Ausdauer, Koordination und vor allem Beweglichkeit.

„Ich spiele Badminton seit 35 Jahren“

David Fellmann, der zweite David in der Gruppe, hat schon viel Wettbewerbserfahrung: „Ich spiele Badminton seit 35 Jahren. Früher habe ich auch Fußball gespielt, aber Badminton gefällt mir besser“, sagt er und nimmt einen Schluck Cola. Er arbeitet in einem Weinberg an der Mosel. Urlaub mag er nicht, nur Reisen mit Special Olympics. Gestern hat der 57-Jährige die Bronzemedaille im Einzel gewonnen. „Ein tolles Spiel,“ sagt er fasziniert.

In einer Fünfergruppe hat er zwei Spiele für sich entschieden und zwei gingen verloren. Morgen spielt er ein Mix-Doppel mit Heidi Rödeler (55), die im Einzel gestern Bronze geholt hat und auf dem Podium ganz fasziniert von einem anwesenden Steward war. „Es ist so schön, das ich beim Badminton dabei bin“, sagt die Athletin, die vor kurzem auch mit dem Nordic Walking angefangen hat.

„Hier ist ein Wir-Gefühl entstanden“

„Wir haben ständig steigende Teilnehmerzahlen in den 12 Bundesländern, in denen wir vertreten sind“, sagt Andrea Mönch, Headcoach der Disziplin bei den Spielen. Ungefähr 200 Athletinnen und Athleten sind in Deutschland aktiv. Es sind so viele, dass es Qualifizierungswettbewerbe gibt, weil nicht alle an Nationalen oder Internationalen Spielen teilnehmen können.

Andrea Mönch ist zudem Nationale Koordinatorin und freut sich, dass sie neben ihren organisatorischen Aufgaben jetzt auch viel Kontakt zu den Athletinnen und Athleten hat. „Ich freue mich die Entwicklung mitverfolgen zu können. Hier ist ein Wir-Gefühl entstanden“, schwärmt sie von dem Team.

Im Team machen sie viele Scherze, auch auf dem heutigen Ausflug. Besonders Coach Ronald, der gerne lustige Sprüche klopft. „Das kann er gut,“ bestätigt Heidi Rödeler und lacht. Headcoach Andrea ist zu 100 Prozent von Ihrem Team überzeugt, auch von Michaela Süß, der Vierten im Team. „Wie sie sich zurückgekämpft hat gestern und die Niederlagen weggesteckt hat“, meint sie sichtlich beeindruckt.

„Wenn wir in Topform sind, können wir gewinnen“

Michaela Süß (41) musste in der stärksten Leistungsgruppe gegen zwei Russen, eine Ukrainerin und eine Britin ran. Nach drei Niederlagen spielte sie gegen die Gruppenstärkste. In dem Spiel hatte sie kurz vor Schluss geführt, aber leider doch noch 18:20 verloren und wurde Gruppenfünfte. „Sie hat sich nicht hängen lassen. Das war ganz stark“, berichtet Headcoach Andrea.

Michaela Süß spielt morgen zusammen mit Athlet David Bußmann (24) ebenfalls ein Mix-Doppel. „Wenn wir in Topform sind, dann können wir gewinnen“, sagt der jüngste im Team selbstbewusst. Headcoach Andrea und Coach Ronald können sich auf das Team verlassen. „Sie sind total selbständig geworden. Sie sind echt toll.“

Durch den Hauptbahnhof von Antwerpen, der zu den schönsten in Europa zählt, spazieren sie weiter, teilen sich auf dem Weg eine Portion Belgische Fritten.

„Die Belgier sind total tolle Menschen“

Die letzte Station ist ein kleines, uriges Café, bei dem sie sich einen Cappuccino gönnen. Fotograf Luca Siermann lädt alle ein. Dafür gibt es eine Laola. Gleiches gilt für die beiden Volunteers Hannah und Christine, die dem Team Badminton einen tollen Nachmittag bereitet haben.

„Ich war noch nie hier“, sagt Badmintonathlet David Fellmann. Ihm geht es wie allen anderen, auch Headcoach Andrea Mönch: „Das ist sicher nicht zum letzten Mal, dass ich hierher komme" und fügt hinzu: „Ein Hoch auf die Belgier, die sind total tolle Menschen.“ Genau wie das Team Badminton. Dann geht es glücklich zürück ins Olympische Dorf, wieder mit dem Bus.

Wir berichten täglich mit Tageszusammenfassungen der Deutschen Delegation von den Special Olympics European Summer Games Antwerp 2014, auch mit Hintergrundberichten und über eine tägliche Fokussportart.

Bitte schauen Sie auch in die Fotogalerien. Diese werden täglich mit neuen Fotos rund um die Spiele ergänzt.

Die aktuelle Ergebnisliste der Deutschen Delegation finden Sie hier.

Zudem gibt es auf dem Online-Treffpunkt einen Blog zu den Special Olympics European Summer Games Antwerp 2014, in dem täglich Athletinnen und Athleten sowie Delegationsmitglieder über Ihre Erlebnisse berichten.

Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Facebook-Seite von Special Olympics Deutschland sowie auf den SOD-YouTube-Kanal.

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