20.09.2014 13:55 Uhr

Judo: Gemeinsam miteinander kämpfen

Das Judoteam ist bei der deutschen Delegation der Europäischen Sommerspiele in Antwerpen 2014 mit drei Athletinnen vertreten. Headcoach Wolfgang Janko und seine Frau Karin Hövelmann bilden das Trainerteam. Gestern hat das Team einen kompletten Medaillensatz im Judo gewonnen.

Judoka Anke Peters, Silbermedaillengewinnerin aus dem deutschen Team. Foto: Luca Siermann

Judoka Anke Peters, Silbermedaillengewinnerin aus dem deutschen Team. Foto: Luca Siermann

„Judo heißt ‚Ching, Chang, Chong‘ auf Japanisch“, meint Silbermedaillengewinnerin Julia Zimmermann (24) und löst die Stimmung im Bungalow mit der Nummer 724. „Nicht ganz“, sagt Wolfgang Janko, schmunzelt und ergänzt: „Judo kommt aus dem japanischen und es gibt japanische Begriffe“, erläutert er den Erklärungsversuch der Judoathletin.

Wolfgang Janko (61) ist Schulleiter einer Förderschule in Münster und Nationaler Koordinator der Sportart Judo bei Special Olympics Deutschland. Im Judo gibt es verschiedene Gürtel in folgender Reihenfolge: weiß, gelb-weiß, gelb, gelb-orange, orange, orange-grün, grün, blau, braun und schwarz.

Julia Zimmermann hat den in orange. „Ich mache Judo schon seit 11 Jahren“, erzählt die 24-jährige, die aus Essensteede kommt. Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof, doch sie wollte etwas anderes machen und hat ein Praktikum in einer Gärtnerei absolviert. Dort stellt sie unter anderem Kresse in einem Gewächshaus her: „Das ist ein langfristiger Prozess“, erklärt sie ihre Aufgabe. Judo ist ihre Lieblingssportart.

Genauso wie die von Judoka Anke Peters (41) aus Bottrop. Anke und Julia kämpfen ab und zu gegeneinander. Immer dienstags machen sie zusammen Training. „Mal gewinnt Julia, und mal gewinne ich“, meint sie. Beide verstehen sich gut, genau wie das ganze Team miteinander. Eine herzliche Atmosphäre, es wird viel gelacht.

Anke Peters arbeitet als Elektromeisterin in einer Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung. Wolfgang Janko erklärt: „Nach zwanzig Jahren Arbeit in einer Werkstatt können Mitarbeiter in Rente gehen.“ Das möchte Anke Peters aber noch nicht. In ihrer Werkstatt werden Kabelkanäle und Steckdosen hergestellt. Judo betreibt sie seit 25 Jahren.

Anke Peters ist nur noch eine Farbe vom schwarzen Gürtel entfernt, trägt stolz den braunen Gurt. „Ich war schon bei den Special Olympics Weltspielen in Athen und wurde danach vom Bürgermeister eingeladen“, berichtet sie voller Stolz.

„Viel wichtiger ist das Miteinander“

„Die Athletinnen und Athleten bekommen Anerkennung durch die Teilnahme, es werden Zeitungsartikel über sie geschrieben und die Behinderung tritt in den Hintergrund“, so Janko.

Bei Special Olympics Deutschland gibt es ca. 1.000 Judoka. An den Nationalen Spielen in Düsseldorf haben 300 Athletinnen und Athleten teilgenommen. „Natürlich ist das Ziel von Judoka die Teilnahme an einem Wettbewerb, aber bis dahin ist es ein weiter Weg“, sagt der Headcoach. Viel wichtiger ist das Miteinander, nicht das Gegeneinander. Somit bestreitet ein großer Teil der Judoka keine Wettkämpfe in einem Verein, sondern bereitet sich auf die Prüfungen vor.

„Es gibt auch Unified-Kata“

Die Gürtelprüfungen sind vom Schwierigkeitsgrad her dem Leistungsniveau der Athletinnen und Athleten angepasst. „Bei uns gibt es keine Hebe- und Würgegriffe“, erläutert Wolfgang Janko. Eine Disziplin im Judo ist das „Kata“, übersetzt „Form“. Dabei gibt es vorgegebene Bewegungsabläufe, die eingehalten werden müssen. Das ist gleichzeitig auch die Herausforderung. „Es gibt auch Unified-Kata“, erzählt er weiter. Dabei macht die Würfe der Sportler mit Handicap und der, der geworfen wird, ist der Unified Partner.

Bei den Europäischen Sommerspielen in Belgien ist die Judogruppe um Wolfgang Janko und seine Frau Karin Hövelmann sehr erfolgreich. Gleich einen ganzen Medaillensatz, Gold, Silber und Bronze haben die Athletinnen erkämpft. Anke Peters holte Gold und Julia Zimmermann die Silbermedaille. Beide haben im Finale gegeneinander gekämpft.

Die dritte Athletin im Team ist Michaela Stutz (28), die auch den braunen Gürtel hat. Sie arbeitet in ein einer Druckerei, stellt u.a. beliebte Gesellschaftsspiele wie „Mensch ärgere Dich nicht“ her. Sie macht viel Sport, montags Judo, mittwochs geht sie joggen und freitags spielt sie Fußball. Sie hatte es in ihrer Leistungsgruppe sehr schwer. „In der Leistungsstufe eins hatte Michaela keine Chance zu gewinnen. Die Gegnerin hatte kein Handicap. Michaelas Leistung war klasse, sie hat sich zur Wehr gesetzt“, lobt der Headcoach die Bronzemedaillengewinnerin.

Seine Frau Karin erklärt, dass der Sport den Athletinnen und Athleten viel bringt für ihre persönliche Entwicklung: „Durch Judo werden unsere Athletinnen und Athleten selbständiger, es bauen sich Barrieren ab.“ Dadurch, dass der Kern des Sports ein Miteinander ist, lernen die Athletinnen und Athleten vor allem Rücksichtnahme, lernen aufeinander zu achten.

"... man muss japanisch können“

Und das strahlt das Team auch aus. Es herrscht eine klasse Stimmung und immer wieder wird die Stimmung gelockert, es wird immer wieder lustig: „Wenn man den schwarzen Gürtel haben möchte, muss man japanisch können“, meint Anke Peters. „Nicht so ganz“, erwidert Wolfgang und antwortet grinsend: „Es ist so ähnlich wie mit dem Ching, Chang und Chong“. Alle lachen gemeinsam.

© Special Olympics Deutschland e.V.   |   Website von Kombinat Berlin