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20.10.2015 09:30 Uhr

Instabile Halswirbelsäule bei Menschen mit Down Syndrom - Atlanto-Axiale Instabilität

Es gibt immer einmal wieder Anfragen zur Sporttauglichkeit bei Vorliegen einer Instabilität der Halswirbelsäule, die häufiger bei Menschen mit Down Syndrom auftritt. Deshalb soll im Folgenden kurz dazu informieret werden.

Bei Menschen mit Down Syndrom werden häufig Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule beobachtet, die eine Instabilität verursachen können. In Folge einer Bänderschwäche im Nackenbereich liegt bei ihnen in etwa 10 bis 15 % eine sogenannte atlanto-axiale Instabilität vor. Diese Instabilität ist durch eine mangelnde Verbindung zwischen dem ersten (Atlas) und dem zweiten Halswirbel (Axis) bedingt. Durch die Instabilität können Nerven und Rückenmark durch den Druck der Knochen geschädigt werden.

Wegen des gehäuften Auftretens der Instabilität der Halswirbelsäule sollten bei Menschen mit Down Syndrom fachärztliche Untersuchungen bereits im frühen Kindesalter erfolgen. Eine verzögerte Diagnose kann eine irreparable Schädigung des Rückenmarks zur Folge haben.

Anzeichen für eine Instabilität der Halswirbelsäule können Schwierigkeiten beim Laufen, Nackenschmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit im Halsbereich oder neurologische Symptome wie verstärkte Eigenreflexe, Schwindel, Empfindungsstörungen, Lähmungen oder Muskelschwäche sein.  
Auf Röntgenaufnahmen ist ein relativ großer Abstand zwischen den beiden Halswirbeln zu erkennen. Allerdings kann auch das Röntgen nicht das spätere Auftreten einer Verrenkung bzw. Ausrenkung voraussagen, weil genauere Risikofaktoren unbekannt sind.

Menschen mit atlanto-axialer Instabilität sollen bestimmte Sportarten meiden, die zur Verletzung des Nackens führen können. Es sollten alle Sportarten gemieden werden, die potenziell zu extremer Beugung (Flexion) oder Streckung (Extension) im Bereich der Halswirbelsäule führen können:
Purzelbaum, Trampolinspringen, Schwimmen im Schmetterlingsstil, Startsprung beim Springen, Tauchen, Ringen, Gymnastik, Hochsprung, Fußball und andere Kontaktsportarten.

Menschen mit Down Syndrom, die an Sportveranstaltungen teilnehmen möchten, sollten sich deshalb vorher sportärztlich und neurologisch untersuchen lassen, um festzustellen, ob es bei ihnen entsprechende Veränderungen gibt und ob sie ohne Bedenken sportlich aktiv sein können.

Dr. Imke Kaschke

Quellen:
Pueschel, Siegfried M.: Down-Syndrom - für eine bessere Zukunft.
Storm (1995). Das Down-Syndrom. Medizinische Betreuung vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, S. 125ff.
Dr. Len Leshin, Orthopädische Probleme bei Down-Syndrom, Leben mit Down-Syndrom, Nr. 44, Sept. 2003, S. 18ff; http://www.trisomie21.de/atlantoaxial.html


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