Gegenwart und Zukunft des Verbandes - Mark Solomeyer

Wann haben Sie zum ersten Mal von Special Olympics erfahren und wann und wie sind Sie dann aktiv geworden?

Ich habe im Jahr 2000 davon erfahren und in Ludwigshafen dann an einem Badminton-Turnier teilgenommen. Das war ein regionales Turnier und mein erster Kontakt zu SOD. Ich hatte vorher schon regelmäßig Badminton gespielt, aber eher privat ohne Verein.

Wenn Sie zurückblicken als Athlet und Athletensprecher in Rheinland-Pfalz – wie wurden damals um das Jahr 2000 in Ihrem Umfeld Menschen mit geistiger Behinderung wahrgenommen?

In der Wahrnehmung im Landesverband Rheinland-Pfalz und speziell im Bereich Badminton war damals schon so, dass Inklusion eine Rolle gespielt hat. Man hat erkannt, wie wichtig das ist und es wurde auch schon ein Stück gelebt, zum Beispiel waren auch zwei Paralympics Sportler dabei. Der Landesverband Rheinland-Pfalz steht ja schon sehr lange für Inklusion.

Was bedeutet die Arbeit für SOD für Sie, was motiviert Sie für das außerordentlich starke ehrenamtliche Engagement?

Unsere Sportler! Und die Leidenschaft, mich für andere einzusetzen - das ist meine Motivation. Natürlich ist das viel Arbeit, aber der Gedanke, Menschen mit Behinderung zu helfen, ist stärker. Daraus ziehe ich meine Kraft

Eine wesentliche Aufgabe war und ist die nachhaltige Förderung und Unterstützung der Landesverbände – inwieweit ist SOD da in Ihrem Bereich weiter vorangekommen?

Wir haben jetzt in fast jedem Landesverband aktive Athletensprecher in den Vorständen. Wir haben auch an einer besseren Kommunikation gearbeitet. Im Fachausschuss Athletensprecher tauschen wir uns regelmäßig aus und besprechen Fragen aus den Ländern.  Und bei den Landesspielen sind die Athletensprecher bei allen wichtigen Terminen dabei. Sie machen auch alle eine aktive Öffentlichkeitsarbeit.  

Ein strategischer Schwerpunkt ist die Schärfung des Profils von SOD als Alltagsbewegung. Was wurde diesbezüglich in den letzten Jahren erreicht?

Ich nenne als Beispiel das Projekt „Selbstbestimmt gesünder“. Dadurch ist es möglich, dass das Gesundheitsprogramm jetzt auch in Werkstätten angeboten wird. Das finde ich sehr gut! Man sollte es weiter ausbauen. Die Teilnahme sollte für einen Athleten und für Werkstätten ein Muss werden!
Hierbei können uns  die Sportbeauftragten in den Werkstätten als Ansprechpartner für das Thema Gesundheit-Bewegung und Sport sehr gut unterstützen. Sehr hilfreich sind für uns die Infos und Materialien in Leichter Sprache.  
Zum Programm „Selbstbestimmt gesünder“ gehören auch Infos in Leichter Sprache, zum Beispiel für „Gesund im Mund“ oder „Fitte Füße“. Mir gefallen die Info-Seiten der Gesundheitsprogramme gut. Athleten und Athletensprecher können sie gut verstehen.

Wie schätzten Sie die Zusammenarbeit mit dem organisierten Sport ein? Wie ist die Bereitschaft der Vereine, Menschen mit geistiger Behinderung einzubeziehen?

Das wird teilweise umgesetzt, aber es gibt immer noch Vereine, die keine Ahnung davon haben und nichts von Special Olympics gehört haben. Man muss einfach mehr Aufmerksamkeit schaffen. Es ist schon besser geworden, weil Landesverbände wie Rheinland-Pfalz, andere Landesverbände und auch SOD sich stark dafür machen. Aber es gibt immer noch viele Stellschrauben, an denen wir drehen müssen, damit unsere beeinträchtigten Menschen in die Vereine gehen können.
Viele Vereine wissen nicht, wie sie das Trainingspensum mit all den Menschen schaffen sollen und wo sie zum Beispiel Fortbildungen herbekommen, damit sie auf das Level kommen, was die anderen auch haben. Das ist langfristig eine Aufgabe, die in den Fokus muss.
Ich wünsche mir, dass wir uns bei SOD, aber auch die Vereine sich aufmerksam diesem Thema widmen. Es ist für viele Vereine noch ein unberührtes Thema. Es ist mein Wunsch, dass die Vereine, die positive Erfahrungen machen, es dann anderen weitergeben und andere Vereine fragen - wie steht ihr zu diesem Thema?

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Fortschritte, die besten Ergebnisse aus der SOD-Entwicklung, die den Athleten unmittelbar zu Gute kommen?

Dass wir ein Mitspracherecht haben und die Athleten einbeziehen. Das ist für sie unheimlich wichtig.
Dass Sie uns sagen, was wir besser machen können als Athletensprecher. Zum Beispiel haben wir zwei Fachtagungen im Jahr, wo wir uns austauschen können und Dinge besprechen, die ich dann in das Präsidium tragen kann.
Dass man das Selbstvertrauen der Athleten immer weiter stärkt und auch auf die Schwachen schaut, denn die werden sonst immer wenig einbezogen. Das läuft ziemlich gut bei SOD. Weil wir nachfragen bei allen - egal welchen Behinderungsgrad sie haben, egal woher sie kommen - jeder kann sich äußern, jeder kann sich mit einbringen.

Wie anerkannt ist SOD international? Wie war das in Los Angeles, hat die deutsche Delegation große Aufmerksamkeit bekommen?

Ich denke, dass wir in Europa, aber auch in der Welt, ein recht hohes Ansehen haben. Wir haben einen Athletensprecher und das Präsidium bei den Weltspielen vor Ort, es waren Politiker und prominente Leute dabei. Das zeigt, wie hoch SOD angesehen ist.
Auch dass uns unsere Schirmherrin Daniela Schadt hilft, unser Ansehen dahingehend zu verbessern und Botschafter wie Britta Steffen oder in Rheinland-Pfalz Guildo Horn sich für Inklusion einsetzen, hilft dem Ansehen. Viele Verbände und Organisationen wie die Lebenshilfe setzen sich für uns ein.
Auch, dass der Bundestag und die Politik überhaupt aufmerksam ist, hilft uns und trägt zum großen internationalen Ansehen bei. „Gemeinsam stark“ - das trifft es auf den Punkt! Das Motto liegt mir sehr am Herzen, an dem merkt man, dass wir eine starke Gemeinschaft sind!

Wer waren bzw. sind Ihre Mitstreiter, denen Sie anlässlich der 25 Jahre danken möchten?

Da möchte ich keine einzelnen Personen nennen, aber unbedingt den Landesverband Rheinland-Pfalz, der mich unterstützt hat, dass ich überhaupt Special Olympics kennengelernt habe. Dazu gehört auch SOD. Ein Danke dem Büro in Berlin, weil sie tagtäglich für uns arbeiten. Das möchte ich denen allen wiedergeben.
Dann möchte ich den Athletensprechern in den Landesverbänden Danke sagen, sie unterstützen mich unheimlich, dass ich das alles erleben darf. Die Gänsehaut wünsche ich jedem, dass er Special Olympics mal erleben darf - egal woher er kommt und welche Behinderung er hat. Ich möchte für jeden da sein und mein Herz für jeden offen halten, der es braucht.
Und dann danke ich meiner Familie. Ohne meine Frau, ohne meine Familie, wäre ich nicht das, was ich jetzt bin.

Wenn Sie heute zurückblicken auf die Zeit bei SOD – was ist für Sie der größte Erfolg in der Entwicklung von SOD, was macht Sie vielleicht persönlich stolz, weil Sie wesentlich daran beteiligt waren/sind?

Dass wir eine Strategie aufgestellt haben bis 2018 für die einheitliche Nominierung für die Wettbewerbe, das macht mich stolz, daran war ich beteiligt.
Ich fühle mich bei SOD total angenommen und bin dankbar, dass ich mitgestalten kann. SOD ist für mich eine Organisation, die den richtigen Weg geht, die Inklusion immer mehr stärkt und die in Europa Vorbildfunktion hat. Einige Länder tragen das mit, andere sind noch in Warteposition.

Wie lautet Ihre kürzeste Formel für Inklusion?

Zusammen Sport treiben, zusammen leben, zusammen arbeiten. Ich möchte, dass wir einfach hier in Deutschland glücklich und zufrieden miteinander leben.

Was wünschen Sie SOD, dem SOD-Team und den Athleten für die Zukunft?

Dass wir am Thema Inklusion dranbleiben und das noch viel mehr stärken in den Einrichtungen und in den anderen Verbänden.
Wir sind eine große Familie, nur so kann es funktionieren und so soll es auch bleiben! Es geht nicht, wenn Sachen, die man aufgebaut hat, wieder zerstört werden.
Dass wir uns weiter stärken als Verband. Es ist auch wichtig, dass man Geld dafür hat und dass wir von der Politik, von Finanzkräften und von den Trägern weiter wertgeschätzt und unterstützt werden. Es ist sicher eine schwierige Situation, Deutschland hat ja auch Schulden, aber man sollte sich für das Gute interessieren und das Positive noch mehr wertschätzen.


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