Erst Kontinuität erzeugt Nachhaltigkeit

Prof. Dr. Manfred Wegner ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Special Olympcis Deutschland (SOD).

Er studierte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), absolvierte ein Auslandsstudium an der University of Utah und ist seit 2003 Professor für Sportwissenschaft an der Universität Kassel sowie seit 2008 Professor für Sportpsychologie und Bewegungswissenschaft an der CAU Kiel.

Seine wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte sind der Präventions-, Rehabilitations- und Behindertensport, Familiensport, Psychologisches Training, Stressforschung und Forschung im Sportspiel. Außerdem ist er als Sportpsychologe beratend tätig.

Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie und in verschiedenen Gremien, wie z.B. im Deutschen Olympischen Sportbund (Sportentwicklung: Familie und Sport), Special Olympics Deutschland (Wissenschaftlicher Beirat) und im Rehabilitations- und Behindertensportverband Schleswig-Holstein, tätig. Zu seinen Hobbies zählt neben dem Sport die Fotografie.

SOD: Prof. Wegner, wie sind Sie zu SOD gekommen? 


Prof. Dr. Manfred Wegener: Im Jahr 2006 habe ich mich mit Prof. Dr. Hans-Jürgen Schulke und Sven Albrecht - den ich bereits sehr gut aus seinem Studium in Kiel kannte - getroffen, um Möglichkeiten einer wissenschaftlichen Begleitung von Special Olympics Deutschland zu besprechen. Damit war die Idee geboren, nicht nur über erfolgreiche Aktionen und Veranstaltungen zu berichten, sondern auch stärker das "warum" und "wie" zu hinterfragen, um damit auch an eine breite Öffentlichkeit zu treten.

2007 wurde ich dann als wissenschaftlicher Vertreter in den Beirat von Special Olympics Deutschland gewählt. Gleichzeitig entstanden bereits erste Vorüberlegungen zur Gründung einer Akademie, was Prof. Dr. Schulke dann mit viel Elan weiter vorbereitete. Ein erstes großes Projekt war die Planung und Organisation des ersten wissenschaftlichen Symposiums in Bremen (2007). Diese Veranstaltung war sehr erfolgreich und wirkte auch nachhaltig, da wir es schaffen konnten, viele "Gleichgesinnte" aus der Wissenschaft, gleichzeitig aber auch viele Praktiker, zusammen zu bringen.

Die erste Publikation entstand aus den Beiträgen des Symposiums, weitere folgten zu den ebenfalls sehr erfolgreich durchgeführten wissenschaftlichen Symposien in Karlsruhe (2008) bzw. Berlin (2009) und den folgenden Kongressen in Bremen (2010) und München (2012). Derzeit wird der fünfte Band zu den Symposien vorbereitet.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit war es für mich wichtig, den "ureigenen" Ansatz von Special Olympics kennen zu lernen. Behindertenarbeit kannte ich aus sehr vielen anderen Bereichen, u.a. hatte ich im Jahr 2000 das Sportabzeichen für Menschen mit geistiger Behinderung im Auftrag des Deutschen Behindertenverbandes entwickelt. So durfte ich 2007 an den Special Olympics World Games in Shanghai teilnehmen - für mich ein unvergessliches Ereignis.

SOD: Mit welchen Argumenten würden Sie anderen empfehlen, sich an SOD zu beteiligen bzw. Mitglied zu werden?

MW: In meiner universitären Arbeit unterrichte ich viele Studierende in meinen Bereichen Sportpsychologie und Bewegungswissenschaft. Der Aspekt der Behinderung generell und der geistigen Behinderung im Besonderen sind immer wichtige Themenbereiche meiner Lehre.  

Studierende, die z.T. später in der Schule unterrichten sollen oder in den Bereichen der Prävention und Rehabilitation arbeiten werden, lernen bei mir zahlreiche Inhalte und auch Kompetenzen kennen, mit Menschen mit einer Behinderung angemessen und möglichst in einem inklusiven Umfeld umzugehen. Hier ist noch sehr viel weitere Arbeit notwendig.

Aber es ist wichtig, ein Gefühl zu entwickeln, wie miteinander umzugehen ist. Das schafft die Begegnung und besonders die aktive Zusammenarbeit mit Eltern, Trainern und Betreuern, die u.a. im Volunteer-Programm gelebt wird. Auch sollten wir den Unified Sport® noch stärker unterstützen, denn diese Form der Sportorganisation ist einzigartig, um den Gedanken der Inklusion auch praktisch umzusetzen.

SOD: Was sind die Vorhaben der SOD-Akademie in nächser Zeit?
 
MW: Für die SOD-Akademie wird aktuell ein Handbuch aufgelegt, in dem Bausteine für die Fortbildung in den Themenbereichen von Special Olympics vorbereitet werden. Hier sind unsere wissenschaftlichen Partner aus verschiedenen Universitäten, aber auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle an der inhaltlichen Arbeit beteiligt.

Wenn dieses in Modulen organisierte Handbuch fertig sein wird, dann können Inhalte der SO-Programme (z.B. Healthy Athletes®, Unified Sport®, Familienprogramm, etc.) und Vermittlungsstrategien für Fortbildungen besser genutzt werden.

Der Fachausschuss Wissenschaft, der mittlerweile aus sechs Personen besteht, trifft sich regelmäßig, um bspw. die Arbeit der SOD-Akademie zu koordinieren, einen Arbeitskreis beim Hochschultag in Konstanz (2013) vorzubereiten, die nächste Tagung (2014) zu planen oder die Publikationen zu ordnen, aus denen im nächsten Jahr eine Auswahl in einer Überblicksmonografie veröffentlicht werden soll. Auch hier gibt es für die Beteiligten viel zu tun.

Unsere Arbeit wird auch von den Kollegen aus den anderen Wissenschaftsdisziplinen recht positiv rückgemeldet. Erst die Kontinuität der Arbeit erzeugt Nachhaltigkeit, aus der wir es schaffen können, weitere Partner für die Arbeit bei SOD zu gewinnen.

Special Olympics Deutschland, 2013


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