Das SOD-Fieber ist wissenschaftlich bewiesen

Christian Sigg, SOD-Koordinator für das Wettbewerbsfreie Angebot (WBFA)
Christian Sigg, SOD-Koordinator für das Wettbewerbsfreie Angebot (WBFA)

Seit 2011 ist Christian Sigg Nationaler Koordinator für das WBFA. Der 29-Jährige studierte an der Universität Karlsruhe Sportwissenschaften bei Prof. Dr. Klaus Bös. Das Studium schloss mit seiner Abschlussarbeit zum Thema „Entwicklung des Bereichs Volunteers bei Special Olympics National Games Veranstaltungen – Eine Zufriedenheitsstudie“ ab. Schon während des Studiums hatte er sich für Special Olympics engagiert. So absolvierte er im Rahmen der National Games Karlsruhe 2008 ein Praktikum und war bei den Winterspielen 2009 in Inzell Junior-Projektleiter für den Bereich Sport.

Das SOD-Presseteam befragte ihn zu seiner ehrenamtlichen Tätigkeit.


Wie bist Du auf Special Olympics aufmerksam geworden?
Durch ein Seminar im Sommersemester 2007 im Bachelorstudium mit dem Titel "Sport mit Behinderung" an der Uni Karlsruhe.

Meinen ersten Einsatz für SOD hatte ich dann 2008. Ich war ein halbes Jahr Praktikant im National Games Büro Karlsruhe und hatte sehr große Freude an der Arbeit, weil ich schon viel Verantwortung übernehmen durfte und es sehr spannend war, so nah dran zu sein.

Aber es wurde alles noch um ein Vielfaches getoppt, als die Spiele dann tatsächlich begonnen haben! Das war eine Wahnsinnserfahrung, wegen der ich seitdem dabeigeblieben bin.

Du hast Dich von Beginn an auch aus wissenschaftlicher Sicht mit Special Olympics befasst. Welche Erkenntnisse Deiner Arbeiten haben Dich am meisten beeindruckt?
Ich habe mich mit den Helfern bei Nationalen Spielen und deren Zufriedenheit beschäftigt. Im Sport gibt es normalerweise das "formelle" Ehrenamt, wenn man in einem Verein ist und dort mithilft.  

Die Form von Ehrenamt der Helfer bei SOD ist aber speziell und läuft unter "informelles" Ehrenamt. Es gab einfach nirgends irgendwelche Erkenntnisse, warum sich Personen, die eigentlich nicht zum Verein bzw. zu SOD gehören, trotzdem so sehr engagieren und wie man sie langfristig halten oder an SOD binden kann.

Ich habe dabei herausgefunden, dass die Helfer bei SOD eine wirklich sehr große innere Motivation haben zu helfen und praktisch 100 Prozent der Helfer sich eine Wiederholung dieser tollen Erfahrung vorstellen können (und es auch tun, wenn sie zugelassen werden).

In Zeiten, in denen Vereine und Verbände sich über den Schwund von Ehrenamtlern beklagen, haben wir im Gegenteil dazu ansteigende Zahlen. Das SOD-Fieber ist also wissenschaftlich bewiesen.

Kannst Du, was die Inhalte angeht, in Deiner beruflichen und der SOD-Arbeit Zusammenhänge herstellen bzw. wechselseitigen Nutzen ziehen?
Ich arbeite bei der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg und bin Projektleiter für die Kampagne „Bewegte Kommune – Kinder“. Dabei kümmere ich mich gemeinsam mit Bürgermeistern, Ämtern, Schulleitern, KiTas und Vereinen sowie den Partnern der Stiftung in einzelnen Städten darum, dass alle Kinder eine hochwertige motorische Grundlagenausbildung durch Kinderturnen erhalten.

Beide Bereiche – meine berufliche Arbeit und die Arbeit für SOD – drehen sich darum, Zugang zu einer motorischen Grundlagenförderung zu schaffen. Das fachliche und organisatorische Wissen kann ich so in beiden Bereichen sehr gut einbringen. 

Und das geht nicht nur mir so: Auch Lynn Goetzinger, die stellvertretende nationale Koordinatorin, hat einen sehr engen beruflichen Bezug zum Thema, weil sie Motologin (M.A.) ist und dieses Wissen sehr wertvoll ist.

Was ist Deine Motivation, Dich ehrenamtlich zu engagieren? Das ist ja nicht nur schön, sondern auch sehr zeitaufwendig und passt nicht immer in die beruflichen und/oder privaten Planungen?
Das stimmt. Ich habe selber schon sehr früh geturnt und Fußball und Volleyball gespielt. Ich hatte sehr gute Rahmenbedingungen dazu und wurde auch von meinen Eltern sehr unterstützt und gefördert. Bewegung und Sport haben mir immer sehr tolle Erlebnisse und Erfahrungen ermöglicht, und ich bin sicher, dass mir das auch in allen anderen Bereichen des Lebens zugutegekommen ist.

Es fällt mir also überhaupt nicht  schwer, mich dort selbst einzubringen, weil ich es für eine absolut sinnvolle Tätigkeit halte, die ich sehr gerne mache. Und außerdem gibt es da noch die große Special Olympics Deutschland-Familie, auf die ich mich jedes Mal wieder sehr freue.

Was kann getan werden, um das WBFA noch bekannter zu machen?
Da es das WBFA noch nicht so lange als „Koordinator“-Posten gibt, stehen wir mit vielem noch ganz am Anfang. Ich denke, es ist wichtig, dass bekannter wird, dass wir nicht nur ein Spiel- und Spaß-Angebot machen, sondern dass da sehr werthaltige Überlegungen und Erkenntnisse dahinterstecken.

Schließlich können wir nur so das Ziel erreichen, dass dadurch mehr Verantwortliche sehen, dass es eigentlich ganz leicht ist, eine gute Förderung anzubieten, die vielfältig und gar nicht von teuren Materialien abhängig ist.

Probierst Du immer alle Stationen des WBFA auch selbst aus?
Ich versuche es. Aber ich bin bis jetzt ehrlich gesagt nicht immer dazu gekommen. Obwohl ich selbst keine Station betreue, bin ich während der Spiele immer viel in Kontakt mit den Helfern, Besuchern, Kollegen und führe in der Rolle als Koordinator sehr viele Gespräche.  

Können Athleten auch selbst Ideen einbringen, was sie gern machen würden im WBFA?
Sicher, unbedingt! Momentan sammeln wir alle bisherigen Stationsideen und ergänzen die sehr gerne mit weiteren Anregungen.

Werden jeweils lokale (Bewegungs-) Spezialitäten resp. Traditionen in das WBFA mit einbezogen?
Ja, das haben wir uns fest vorgenommen, und wir werden beispielsweise auch für die kommenden Nationalen Spiele in Düsseldorf die „Düsseldorfer Radschläger“ mit ins WBFA einbinden.

Treibst Du auch selber Sport?
Ja, ein bisschen, aber leider viel zu wenig. Durch das tägliche berufliche Pendeln von Karlsruhe nach Stuttgart bleibt viel Zeit auf der Strecke.

Was interessiert Dich noch außer Sport und Bewegung?
Musik. Ich spiele sehr gerne Schlagzeug und Gitarre. Lustigerweise empfinde ich aber das Schlagzeugspielen auch als sehr erfüllendes Bewegungs-Erlebnis, das sich sehr gut mit Sport vergleichen lässt. Nur dass man dabei nicht ins Schwitzen kommt.


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