"Es ist wichtig, über den Tellerrand zu schauen"

Seit wann engagierst du dich für Special Olympics?
 
Seit ca. 15 Jahren engagiere ich mich für Special Olympics. Zuerst als Turnierausrichter Württemberg-Süd, dann als regionaler Fußballkoordinator Württemberg-Süd und seit einigen Jahren mache ich auch die SOBW Fußball Landeskoordination in Baden Württemberg .
 
Wie bist du zu SO gekommen?
 
Ich bin über die Behindertensportabteilung der TSG  Wilhelmsdorf zu SO gekommen. Der Abteilungsleiter Michael Stäbler hatte angefragt ob ich nicht Lust hätte, eine Fußballmannschaft zu betreuen. Dann folgte die erste Turnierteilnahme und spätestens ab da war die Begeisterung geweckt.
 
Welchen Beruf übst du aus und hast du hier auch mit Menschen mit Behinderung zu tun?
 
Ich arbeite im Sportbereich der Zieglerschen Behindertenhilfe und in der Behindertensportabteilung der TSG Wilhelmsdorf, wo ich unter anderem als „Teamleiter“ fünf Fußballteams in verschiedenen Leistungsstärken betreue, darunter eine Unified Mannschaft.
 
Gibt es eine besondere Anekdote oder ein spezielles Erlebnis, das du erlebt hast und an das du dich gern zurück erinnerst?
 
Bei einem Ausflug unserer VFB Stuttgart und Bayern München Fanclubs zu einem Bundesligaspiel der beiden Mannschaften hatte ein Teilnehmer seine Kickschuhe eingepackt und war der festen Überzeugung mitspielen zu dürfen.
 
 
Was treibt dich an/was ist deine Motivation, dich für SO ehrenamtlich zu engagieren?
 
Zum Einen macht es mir einfach Spaß zu organisieren und  in diesem Bereich bei Entwicklungen mitzuwirken und Dinge vorwärts zubringen, zum Anderen finde ich es wichtig „über den Tellerrand hinaus“ zu schauen.
Da es Menschen mit geistiger Behinderung in der Regel schwer haben, ihre Anliegen  zu vertreten und durchzusetzen, sind sie auch im Sport darauf angewiesen, dass sich ein Verband speziell um ihre Interessen kümmert. Dies wird auch weiterhin erforderlich sein.
Gleichzeitig sehe ich  den aktuellen Inklusionsbemühungen von Sportlern mit Behinderung eine große Herausforderung für alle Sportverbände und insbesondere auch für SO, verbandsübergreifend neue Wege zu gehen. Hier gibt es in Baden-Württemberg sehr gute Ansätze und ich hoffe, dass diese positive Entwicklung weitergeht. Vor allem müssen die wirklichen Interessen, Möglichkeiten und Grenzen der Sportler mit Behinderung für alle  im Mittelpunkt stehen, sonst kann letztendlich auch ehrenamtliches Engagement frustrierend werden.
 
Was wünschst du dir und SO für die Zukunft?

Für die weitere langfristige Entwicklung bei SO wünsche ich mir weniger Groß-Events (z.B. nur noch alle 4 Jahre Nationale Spiele) und eine stärkere Förderung  von regionalen Strukturen.
Im Fußball erlebe ich bei uns eine ständig wachsende Nachfrage von Kickern mit Behinderung, bei einer Mannschaft mit zu trainieren und an Wettbewerben teilzunehmen. Wirkliche Teilhabe würde für mich bedeuten, dass hier langfristig regionale Strukturen geschaffen werden, die es den Kickern ermöglichen, auf ihrem Leistungsniveau gefördert zu werden und wohnortnah ihre Spiele auf dem örtlichen Fußballplatz auszutragen. Der erforderliche Aufwand dafür  kann nicht alleine von Ehrenamtlichen geleistet werden und dies kann  nur gelingen, wenn Vereine und Einrichtungen kooperieren und auch finanzielle Mittel oder Personal zur Verfügung stellen.

(SOD, Juni 2013)


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