Uta Deutschländer, Leiterin Fachausschuss Sport und Koordinatorin Reiten bei SOD

Seit einem Jahr ist Uta Deutschländer Leiterin des Fachausschusses Sport bei SOD, spricht im Beirat und dem Nationalen Komitee von SOD also für die Fachausschüsse bzw. Koordinatoren aller Sportarten. Die Koordinatorin der Sportart Reiten, seit mehr als zehn Jahren für Special Olympics tätig, wird von ihren Sport-Kollegen nicht nur wegen ihrer fachlichen Kompetenz, sondern auch wegen ihres Humors geschätzt. Auch das SOD-Presseteam hatte Spaß am Interview mit ihr.

Uta, wie bist Du auf Special Olympics aufmerksam geworden?
Im Franz Sales Haus in Essen hat vor mehr als 10 Jahren, es muss so um 2002 herum gewesen sein, eine Vorstellung stattgefunden. Da wir Alexianer eine Reittherapie hatten, bin ich gebeten worden, unsere Arbeit vorzustellen - und hatte im Anschluss irgendwie den Posten des Sportkoordinators Reiten bei SO NRW.

Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Einsatz für SOD erinnern?
So richtig offiziell waren das die National Games 2004 in Hamburg. Reiten war total weit außerhalb, aber wir sind jeden Abend in die Stadt gefahren, um das Rahmenprogramm zu genießen, es war total toll. Rein sportlich war es für uns sehr gewöhnungsbedürftig, weil wir aus dem Regelsport kommen und auch immer unsere Sportler wie Turnierteilnehmer ohne Behinderung trainiert haben. In Hamburg liefen damals noch alle hinter oder neben den Pferden her, und wir waren das gar nicht gewohnt.

Was hat Dich in dieser Zeit bei SOD besonders beeindruckt?
Reiten ist ja ein sehr elitärer Sport – bei SOD habe ich kennengelernt, dass Reiter sich auch für andere freuen können und nicht nur immer die eigene Leistung zählt. Dieser Teamgeist fehlt oft im Regelsport. Besonders beeindruckt hat mich daher bei den Weltspielen 2007 in Shanghai, dass ein Sportler seine Goldmedaille gegen eine Schleife getauscht hat. Nicht einmal der Coach fand das irgendwie schlimm - das ist ansonsten undenkbar. Außerdem haben wir immer viele Leute kennengelernt und auch immer sehr viel Spaß gehabt.

Was sind aus Deiner Sicht die größten Herausforderungen für die Sportentwicklung bei SOD in den kommenden Jahren?
Momentan sicherlich die möglicherweise anstehende Rhythmusänderung. Dabei ist es gerade in den kleinen Sportarten wichtig, diese zu stärken, damit sie nicht untergehen. Wir brauchen die Sportveranstaltungen, um auf SOD aufmerksam zu machen und weiterhin Sportler und Einrichtungen zu begeistern.

Was sind Deine Aufgaben als Koordinatorin der Sportart Reiten, wann hast Du dieses Amt übernommen?
Das Amt habe ich im vergangenen Jahr übernommen und die Ernennungsurkunde habe ich im April erhalten, das ist irgendwie so richtig offiziell – komisches Gefühl. Ich möchte zunächst einmal im Bereich Reiten weiterkommen, d. h. Reiten nach Reglement veranstalten. Denn da haben wir im Vergleich zu internationalen Wettbewerben noch Nachholbedarf. Dann wäre es natürlich schön, wenn wir z. B. Westernreiten aufbauen könnten. Dazu bedarf es natürlich Fachleute und interessierter Sportler. Voltigieren darf darunter selbstverständlich nicht leiden. Es ist hierzulande sehr populär und häufig auch ein Einstieg in die Sportart - auch wenn das international leider so nicht gesehen wird.

Wie schätzt Du die Entwicklung bzgl. Unified Sport bei SOD ein? Welche Voraussetzungen sind nötig, um diese Angebote weiter auszubauen?
Wenn ich das mal aus der Sicht des Reitens beantworte, sehe ich das als riesige Chance, noch einmal näher an den Regelsport heranzurücken. Wir könnten dann Teamwettbewerbe machen, die natürlich auch für Zuschauer sehr interessant sind. Ich habe da viele Ideen, die wir auch umsetzen können. Natürlich ist das für die Einrichtungen möglicherweise teilweise schwierig, wenn es in den Einrichtungen keinen Regelsportbereich gibt. Aber Unified ist Inklusion und daher total wichtig für uns.

Wie bist Du zum Reiten gekommen? Was fasziniert Dich an dieser Sportart?
Ich reite schon seit meiner Kindheit, wollte das immer machen, gegen den Willen meiner Eltern. Ich sollte eigentlich eine Schwimmkarriere machen. Ich war sicherlich mal so ein typisches Mädchen, und die Pferde an sich haben mich begeistert. Später hat mich die Ausbildung gerade von jungen Pferden fasziniert. Es ist schon ein schönes Gefühl, zu fühlen, was man mit dem tierischen Partner erreichen kann und was der Partner so für einen tut.

Deine Sportart hat ja als einzige bei SOD die Besonderheit, dass Tiere im Spiel sind. Für alle Nicht-Reiter: Was bewirkt die besondere Beziehung bei diesem Sport für Menschen mit geistiger Behinderung?
Aus meiner Sicht ist das auch eine besondere Herausforderung für die Sportler, denn Pferde sind ja auch nur Menschen und man weiß manchmal nicht, was sie zu tun im Stande sind. Allerdings geben sie auch Sicherheit, denn man muss seine Prüfung nicht alleine absolvieren. Hinzu kommt natürlich auch immer noch der therapeutische Aspekt, denn sie bringen auch vielen körperlichen Einschränkungen, wie z. B. Spastiken, auch Wärme und Entspannung. Außerdem muss ich mich als Reiter auch immer selber im „Griff“ haben.

Eine häufige Journalisten-Frage bei Nationalen Spielen: Ist es für die Athleten nicht schwierig, mit „fremden“ Pferden in die Wettbewerbe zu gehen?

Natürlich ist das schwierig – sicherlich ist das eine große Herausforderung und häufig auch mit Ängsten verbunden, da ist man als Coach so richtig gefragt. Vor allem, wenn es sich um Pferde handelt, die nicht so gut ausgebildet sind, wie wir das hier in Deutschland gewohnt sind. Ich habe bislang zwei Weltspiele erleben dürfen, und in China war es schon nicht so leicht. Aber es wird ja immer zum Wohle des Athleten entschieden, denn er soll ja sein Bestes geben können.

Was wünschst Du Dir für die Special Olympics Düsseldorf 2014?
Schwierige Frage, denn ich habe an mich selber immer die höchsten Ansprüche. Ich wünsche mir eine gute Organisation, die Anwendung unseres internationalen Regelwerkes – vor allem aber Spaß für alle Athleten, Coaches und Angehörige. Außerdem möchte ich am liebsten allen die Möglichkeit geben, am Rahmenprogramm teilzunehmen, Healthy Athlets sowie andere Sportarten besuchen zu können.

Was machst Du beruflich, was sind Deine Aufgaben?
Ich arbeite bei der Alexianer GmbH und wir betreiben weitestgehend Einrichtungen im Gesundheitswesen und in der Behindertenhilfe. In der Dachgesellschaft bin ich Referentin der Geschäftsführung und mein Schwerpunktthema ist Arbeitsrecht und Personalentwicklung. Im Rahmen dieser Tätigkeit bin ich Deutschlandweit tätig und häufig mit dem Aufbau neuer Unternehmen bzw. neu erworbener Unternehmen betraut. Zudem bin ich Geschäftsführerin unserer Integrationsunternehmen in Münster, das sind z. Z. zwei Gesellschaften mit vier Betriebsstätten: Eine Großwäscherei, ein Waschsalon mit Eventcafé sowie ein Restaurant und Tagungshaus. Um den Bereich Logistik kümmert sich weitestgehend ein Kollege.

Kannst Du, was die Inhalte angeht, in Deiner beruflichen und der SOD-Arbeit Zusammenhänge herstellen bzw. wechselseitigen Nutzen ziehen?
Am Standort Münster unterhalten wir ein Reitzentrum. Dafür war ich einmal zuständig, jetzt eigentlich nur übergeordnet. Unsere Reiter mit geistiger Behinderung nehmen regelmäßig an Special Olympics Veranstaltungen teil und die Gemeinnützigen Werkstätten Köln -  ebenfalls eine unserer Einrichtungen - hat ebenfalls Sportler, die in unterschiedlichen Sportarten nach SO-Regeln trainieren. Zudem konnte ich in Münster einen Kollegen begeistern, ein Fußballteam zu gründen.

Ausgehend von Deinen Erfahrungen - was können Menschen ohne Behinderung von Menschen mit geistiger Behinderung lernen?
Spaß am Wettbewerb, Zufriedenheit mit den eigenen Leistungen, auch wenn es einmal nicht so gut funktioniert.

Was ist Deine Motivation, Dich ehrenamtlich zu engagieren?
Es macht mir sehr viel Spaß mit meinen Athleten zu trainieren, mit Ihnen zu Veranstaltungen zu fahren und auch immer ein lustiges Rahmenprogramm zu erleben. Außerdem halte ich so noch den Kontakt zu dem Sport, den ich leider selber nicht mehr ausüben darf.

Treibst Du dennoch auch selber Sport?
Bis vor zwei Jahren habe ich noch Dressur in der schweren Klasse geritten. Auf Grund einer Knie OP darf ich nun leider nicht mehr reiten. Jetzt tauche ich regelmäßig und mache starte dort gerade meine „Profitauchkarriere“, möchte also Ausbilden. Und wenn mein Knie das zulässt, dann schwimme ich oder versuche mich im Fitness-Studio.

Was interessiert Dich noch außerhalb des Sports?
Leider habe ich nicht so viele Zeitfenster, aber ich interessiere mich für Kunst, liebe Spanien und seine Kultur, fahre außerdem noch gerne schnell Auto (regelmäßige Fahrtrainings auf den F1 Strecken unseres Landes) und langsam Motorrad, gehe gerne tanzen und auf Konzerte. Und Karneval ist immer ein Highlight für mich!


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