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Jenifer Sprenger von Special Olympics Deutschland strahlt mit den anderen Teilnehmenden des Projekts für ein Gruppenfoto. Alle halten stolz ihre Urkunde in der Hand.

25.08.2025

Event-Inklusionsmanagerin Jenifer Sprenger: Die Tätigkeit ist eine große Chance für mich

Die 39-Jährige arbeitet seit zwei Jahren im Rahmen eines DOSB-Projektes in der Bundesgeschäftsstelle von Special Olympics Deutschland. Ende September endet es.

Von Hartmut Augustin

„Euch werde ich es zeigen!“ Jenifer Sprenger lacht, wenn sie darüber spricht, was sie im Leben antreibt. Das Motto ist eine Reaktion darauf, was die junge Frau aus Ludwigsfelde in Brandenburg schon alles erlebt hat. Oft wurde sie wegen ihres neurologischen Handicaps unterschätzt und angefeindet. 

„Ich habe genug Mobbing-Erfahrungen gesammelt“, berichtet sie. Aber sie habe immer auch Beschützer gehabt. Früher, in der Schule, haben das ihre Cousins übernommen. „Ich habe leider keinen großen Bruder, der mir helfen konnte. Da mussten meine Cousins ran“, erzählt sie. Gleichzeitig versucht sie, allein klarzukommen. „Meine Oma hat immer gesagt, nimm so viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich in Anspruch“, sagt Jenifer Sprenger.

Mit dieser Einstellung hat sie sich vor rund zwei Jahren erfolgreich auf die Stelle einer Event-Inklusionsmanagerin (EVI) im Sport beworben. Das bundesweite Modellprojekt EVI des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert. Ziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigungen aktiv in den organisierten Sport in Deutschland einzubinden und damit die Zahl inklusiver Sportveranstaltungen zu erhöhen. Zum Programm gehören Kurse der Führungsakademie des DOSB, der Besuch von Sportevents, Workshops sowie persönliche Digital-Coachings.

Jenifer Sprenger brachte für das EVI-Projekt Erfahrungen aus 17 Jahren Arbeit in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen mit, wo sie ihren Gruppenleiter bei organisatorischen Arbeiten unterstützte. Außerdem hatte sie sich am Projekt LIVE (Lokal Inklusive Verein(tes) Engagegement) von Special Olympics Deutschland (SOD) beteiligt. Dort wurde sie zur Teilhabe-Beraterin geschult, die Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung das Sporttreiben in Vereinen erleichtern soll. 

„Die Arbeit als Event-Inklusionsmanagerin macht viel Spaß und ist eine große Chance für mich. Ich kann mich für inklusive Aspekte einsetzen und Menschen mit Beeinträchtigung sichtbarer machen. Früher hatte ich eine Konsumentensicht auf Sportveranstaltungen. Jetzt weiß ich, wie viel Mühe hinter der Organisation eines Events steckt“, sagt die 39-Jährige rückblickend. Vor wenigen Tagen hat sie eine Urkunde für die erfolgreiche Teilnahme am Projekt EVI erhalten. Offiziell endet es für sie am 30. September.  

In den zwei Jahren hat sie gelernt, was wichtig ist, um eine inklusive Sportveranstaltung vorzubereiten. Was wird alles gebraucht? Welche Genehmigungen sind nötig? Welche Infrastruktur für Menschen mit Beeinträchtigungen muss vorhanden sein? Wie wird so ein Event im Detail umgesetzt? Wie wird eine Veranstaltung ausgewertet? Mit diesen und ähnlichen Fragen hat sie sich theoretisch auseinandergesetzt und konnte praktische Erfahrungen bei der Arbeit in der Bundesgeschäftsstelle von Special Olympics Deutschland in Berlin im Team Veranstaltungen sammeln. Kollegin Anna Ballreich hat Jenifer Sprenger von Anfang an begleitet und unterstützt. Seit Februar dieses Jahres hat sie außerdem eine Arbeitsassistenz. 

Lisa Wiedemann trifft sich jeden Montag digital mit Jenifer Sprenger. Dann wird die Woche durchgeplant. Sie besprechen Termine, organisieren die Arbeit und reden darüber, welche praktische Unterstützung Jenifer Sprenger braucht. Die 39-Jährige war als Baby an einem Hydrocephalus, auch Wasserkopf genannt, erkrankt. Deshalb hat sie heute eine Halbseitenlähmung, eine Sehbehinderung und eine Störung des Kurzzeitgedächtnisses. 

„Jenifer empfinde ich immer als super motiviert. Sie zeigt großes Interesse daran, sich in die Strukturen von SOD zu integrieren. Sie bringt eigene Ideen aktiv ein und sie ist sehr kommunikativ. Ich freue mich immer, wenn sie fröhlich ins Büro kommt, zu allen ,Hallo’ sagt und guckt, ob es allen gut geht. Sie schafft dadurch eine tolle Arbeitsatmosphäre, weil sie alle mitdenkt“, berichtet Lisa Wiedemann. 

Kommunikation ist Jenifer Sprenger tatsächlich sehr wichtig - im Kleinen, im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen, und im Großen. Sie liebt es, Texte zu schreiben.  Außerdem war sie Co-Moderatorin bei mehreren Veranstaltungen und ist sehr aktiv auf verschiedenen Social-Media-Kanälen. Sie ist stolz darauf, dass sie mithelfen konnte, die inklusive Redaktion von SOD wieder zu beleben. 

„In den zwei Jahren bin ich erwachsener und realistischer geworden. Ich habe gelernt, strukturiert zu arbeiten und mein Gedächtnis ist heute besser als früher. Für meine Zukunft kann ich mir ganz viel vorstellen. Auf jeden Fall werde ich mich weiter für Teilhabe einsetzen und will Menschen mit Beeinträchtigung eine Stimme geben. Und ich will nicht zurück in die Werkstatt“, erklärt sie freundlich und sehr bestimmt - ganz im Sinne von „Euch werde ich es zeigen!“.