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Fünf Turnerinnen in pinker und schwarzer Sportkleidung sitzen mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden.

02.06.2025

Internationales Deutsches Turnfest 2025 in Leipzig: Gelungene Premiere für Special-Olympics-Wettbewerbe

Zum ersten Mal gab es bei dem Treffen vom 28. Mai bis 1. Juni Wettbewerbe für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Den internationalen Sportlerinnen und Sportlern hat das sehr gut gefallen, genauso wie den Gästen auf den Tribünen.

Von Hartmut Augustin

Anlauf, Absprung, Landung auf der Matte, Blick zu den Kampfrichterinnen. Das Publikum in der vollbesetzten Sporthalle des Marie Curie Gymnasiums Leipzig applaudiert. Trotzdem, Annabelle Tschech-Löffler und ihr Vater Markus sind nicht so recht zufrieden mit dem ersten Sprung. Markus Tschech-Löffler flüstert Annabelle auf dem Weg zum zweiten Versuch etwas zu. Sie läuft wieder los, springt und landet besser. Wieder viel Applaus für die Sportlerin mit Down-Syndrom. Jetzt sind auch Vater und Tochter rundum zufrieden, umarmen sich und klatschen sich ab. Die  Kampfrichterinnen bestätigen das gute Gefühl der beiden mit einer hohen Punktzahl. 

Sprung, Barren, Balken und Boden sind die Disziplinen des internationalen Mehrkampfs im Turnen für Frauen mit geistiger Beeinträchtigung beim Turnfest. Neben Annabelle sind auch Luisa Egersdörfer, Sanna Lotte Fleißner, Amelie Janßen, Bianca Becker, Lea Sofie Cranz und Leonie Schmid am 29. und 30. Mai für Special Olympics Deutschland (SOD) am Start. Hinzu kommen Sportlerinnen aus Finnland, der Schweiz, Litauen und Norwegen. 

Zeitgleich findet der Special-Olympics-Turn-Mehrkampf der Männer - Sprung, Pauschenpferd, Ringe, Sprung, Barren und Reck - in der Sporthalle Brüderstraße statt. Für Deutschland nehmen daran Moritz Alexander und Fabian Gassen teil. Weitere Sportler kommen aus den USA, Norwegen und Litauen. 

Der dritte Wettbewerb für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ist die Rhythmische Sportgymnastik (1. Juni, Messehalle 3), bei der Carolin Anzinger, Anna Maria Martin, Ivana Duric und Melanie Scharff Deutschland vertreten. Außerdem sind Gäste aus den USA, Norwegen und der Slowakei angereist. 

Insgesamt sind 80.000 Sportlerinnen und Sportler zum Internationalen Deutschen Turnfest sowie 750.000 Zuschauerinnen und Zuschauer nach Leipzig gekommen. Die meisten Wettbewerbe finden auf dem Messegelände statt. Doch auch die restliche Stadt hat sich vom 28. Mai bis 1. Juni mit vielen Bühnen, Shows und Mitmachangeboten den Titel „Sportmetropole Nummer eins in Deutschland“ erworben. 

Annabelle Tschech-Löffler ist neben Weltklasse-Rhythmische-Sportgymnastin Margarita Kolosov und Turn-Weltmeister Lukas Dauser als Turnfest-Botschafterin ausgewählt worden. Das unterstreicht den hohen Stellenwert, den Inklusion beim Turnfest besitzt. Die ganz Familie Tschech-Löffler hat sich sehr über diese Ehre gefreut und Annabelle bei einer Reihe von Presse- und anderen Terminen im Vorfeld des Turnfestes unterstützt. 

„Ziel des Turnfestes ist es, ein Event für alle Menschen zu sein – unabhängig von Alter, Hautfarbe, Geschlecht, ethnischer Herkunft, Religion, sexueller Orientierung, Behinderungen und Beeinträchtigungen oder sozioökonomischer Möglichkeiten. Deswegen ist Inklusion ein zentrales Thema, um die gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe aller Menschen am Sport zu fördern. Wir wollen Barrieren abbauen und Unterstützungsmöglichkeiten bieten, damit auch Menschen mit Einschränkungen das Turnfest Leipzig 2025 aktiv erleben können. Dies realisieren wir durch die Teilnahme an Wettkämpfen, Wettbewerben und Mitmachangeboten“, sagt Kati Brenner, OK-Geschäftsführerin des Internationalen Deutschen Turnfestes.

Während Annabelle und die anderen Sportlerinnen mit geistiger Beeinträchtigung in der großen Sporthalle des Marie Curie Gymnasiums ihre Übungen absolvieren, findet dort gleichzeitig ein weiterer  Mehrkampf-Wettbewerb für deutsche Turnerinnen ohne Beeinträchtigung statt. 

Während der Wettkämpfe beobachten sich die Turnerinnen gegenseitig respektvoll bei ihren Übungen und applaudieren für die Leistungen der anderen. Auf den vollbesetzten Tribünen der Sporthalle schauen mehrere  hundert Gäste zu und sparen ebenfalls nicht mit Applaus für die Sportlerinnen mit und ohne Beeinträchtigung. Hallensprecher Uwe Zeller hat schon zu Beginn der Turn-Wettkämpfe die Athletinnen mit Beeinträchtigung ganz besonders herzlich begrüßt, ihre Leistungen gewürdigt und für riesengroßen Beifall gesorgt. 

Annabelle und ihre internationalen Sportkameradinnen fühlen sich wie kleine Stars. Sie genießen den Applaus und die Aufmerksamkeit der anderen Sportlerinnen und des Publikums. „Diese Wertschätzung ist ganz toll“, sagt Carolin Janßen, die ihre 12-jährige Tochter Amelie nach Leipzig begleitet hat. Sie findet, dass die neuen Wettbewerbe in Leipzig ein schöner Anfang sind.

Mikko Rummukainen stimmt ihr zu. „Das ist hier alles sehr gut organisiert. Für meine Tochter Sara ist es der erste Wettkampf im Ausland und sie mag das sehr“, sagt der Finne, der mit der ganzen Familie und mit Saras Trainerin Laura Kaipanen nach Leipzig gekommen ist. 

Nach viereinhalb Stunden ist der zweitägige Turn-Mehrkampf dann beendet. Während die Siegerehrung vorbereitet wird, tanzen die internationalen Sportlerinnen gemeinsam in der Mitte der Halle, umarmen sich und verteilen untereinander Pins. 

Die Trainerinnen und Eltern schauen ihnen vom Rand der Bodenmatte aus sehr zufrieden zu. Sie sind sich einig, dass dieser Wettbewerb etwas sehr Schönes für ihre Kinder und Schützlinge gewesen ist. Lediglich die Länge des Wettkampfes und der hohe Geräuschpegel in der Halle am zweiten Tag hat manche Sportlerin zusätzlich herausgefordert.

Annabelle Tschech-Löffler und ihre Familie können sich über einen zweiten Platz im Mehrkampf freuen. Jede Sportlerin erhält bei der Siegerehrung eine Medaille zur Erinnerung an das Turnfest und eine Urkunde mit der jeweiligen Platzierung.

„Das war ein guter Anfang“, resümiert Markus Tschech-Löffler die Zeit beim Turnfest. Die Sportlerinnen seien sichtbar gewesen und haben viel Applaus erhalten. „Diese Anerkennung ist ganz wichtig für sie“, sagt er.

Der SOD-Bundestrainer Einzelsportarten Sommer, Tim Fuhse, zieht ebenfalls ein sehr positives Fazit für alle Special-Olympics-Wettbewerbe in Leipzig. „Es ist ganz toll, dass Special Olympics bei dem riesigen Turnfest eine große Bühne geboten wurde. Wir sind sehr zufrieden. Besonders die Anerkennung und die Wertschätzung vom Publikum für unsere Sportlerinnen und Sportler war bemerkenswert“, sagt er und lobt abschließend die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Turner-Bund.

Alle Ergebnisse unter: https://ergebnisse.dtb-gymnet.de