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Jugendliche beim Hula Hoop

04.09.2026

Kabinettsentwurf zur Kinder- und Jugendhilfestrukturreform: Inklusion darf nicht vom Wohnort abhängen

Special Olympics Deutschland (SOD) kritisiert den vorliegenden Kabinettsentwurf zum Kinder- und Jugendhilfestrukturreformgesetz (1. KJHSRG) aus dem August. Aus Sicht von SOD bleibt der Entwurf deutlich hinter den Erwartungen an eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe zurück. Insbesondere die ursprünglich vorgesehene verbindliche Zusammenführung der Zuständigkeiten für junge Menschen mit und ohne Behinderung ist im Kabinettsentwurf nicht mehr enthalten. Stattdessen soll eine Experimentierklausel Kommunen ermöglichen, eine Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe zunächst zu erproben. SOD fordert, die verbindliche inklusive Ausrichtung im weiteren parlamentarischen Verfahren wieder zu stärken.

„Eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe darf nicht zur Frage des Wohnorts werden. Wenn Zuständigkeiten und Zugänge zu Leistungen davon abhängen, in welcher Kommune ein junger Mensch lebt, ist gleichberechtigte Teilhabe nicht gewährleistet. Wir stellen uns deshalb gegen den vorliegenden Kabinettsentwurf und fordern eine bundesweit verlässliche Lösung, die Kindern, Jugendlichen und ihren Familien Orientierung und Sicherheit gibt“, sagt Christiane Krajewski, Präsidentin von Special Olympics Deutschland.

Verbindliche Zuständigkeiten statt kommunaler Experimente

Mit dem Referatsentwurf vom März 2026 war noch vorgesehen, die Hilfen für alle jungen Menschen und ihre Familien unabhängig von einer Behinderung ab 2028 im Sozialgesetzbuch VIII zusammenzuführen. Der nun vorliegende Kabinettsentwurf sieht stattdessen eine Erprobung der Gesamtzuständigkeit in ausgewählten Kommunen vor. Aus Sicht von SOD ist dies kein gleichwertiger Ersatz für eine bundesweit verbindliche inklusive Lösung. Die geplante Regelung birgt vielmehr die Gefahr, bestehende Unterschiede bei Zuständigkeiten und Zugängen zu Leistungen fortzuschreiben oder sogar zu verstärken.

Die geplante Reform betrifft nicht nur junge Menschen mit und ohne Behinderung und ihre Familien. Auch Jugendämter und Leistungserbringer sind auf klare Zuständigkeiten und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Unterschiedliche Zuständigkeiten und Modelle schaffen zusätzliche Unsicherheit.

„Aus Sicht der Jugendorganisation von Special Olympics Deutschland ist es von großer Wichtigkeit, dass alle die gleichen Chancen bekommen und selbstbestimmt über ihr Leben entscheiden können. Dafür brauchen wir eine Kinder- und Jugendhilfe, die überall in Deutschland inklusiv und verlässlich funktioniert“, sagt Louis Kleemeyer, Athlet und Vorstandstandem der SOD Jugend.

Gleichberechtigte Teilhabe braucht auch Bewegung und Sport

SOD begrüßt grundsätzlich das Ziel der Bundesregierung, die Kinder- und Jugendhilfe inklusiver zu gestalten und Zugänge zu Hilfen zu verbessern. Positiv bewertet SOD unter anderem die geplante Weiterentwicklung des Behinderungsbegriffs im SGB VIII im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention sowie die Entfristung der Verfahrenslots*innen. Diese Schritte können dazu beitragen, die Kinder- und Jugendhilfe inklusiver und zugänglicher zu gestalten.

Für SOD ist dabei entscheidend, die Lebenswelt junger Menschen ganzheitlich in den Blick zu nehmen. Inklusion findet nicht nur in Bildung und Familie statt, sondern auch in Freizeit, Bewegung und Sport. Sportvereine und inklusive Bewegungsangebote schaffen wichtige Räume für Begegnung, Selbstwirksamkeit, Freundschaften und gesellschaftliche Zugehörigkeit. Sport und Bewegung müssen deshalb bei der Umsetzung der Reform als wichtige Bereiche sozialer Teilhabe mitgedacht und ausdrücklich berücksichtigt werden.

Im weiteren parlamentarischen Verfahren müssen die Voraussetzungen für eine bundesweit verbindliche inklusive Kinder- und Jugendhilfe geschaffen werden. SOD fordert, die Zusammenführung der Zuständigkeiten wieder verbindlich in den Blick zu nehmen und die Perspektive junger Menschen mit Behinderung und ihrer Familien konsequent einzubeziehen. Inklusion darf kein kommunales Experiment sein. Sie muss für alle jungen Menschen selbstverständlich, verlässlich und mit echter Mitbestimmung gestaltet werden.

Kontakt

Florian König
Geschäftsleitung Verbands- und Länderentwicklung
florian.koenig(at)specialolympics.de