Georg Emmerdinger hat in seinem Leben schon viele Medaillen gewonnen: im Radfahren, im Schwimmen, im Skifahren, im Schneeschuhlauf. Aber diese Goldmedaille bei den Special Olympics Weltwinterspielen war etwas ganz besonderes. Der 40-Jährige machte im Schneeschuhlauf über 200 Meter das Rennen seines Lebens und gewann überraschend Gold. „Das war super. Mit einer Medaille habe ich schon gerechnet“, sagte Emmerdinger, „aber nicht mit Gold.“ Es war sein bisher größter sportlicher Erfolg. Auch Martina Steinhäußer, Headcoach von Special Olympics Deutschland (SOD) war überwältigt. „Das war der Hammer. Da sind bei mir schon ein paar Tränchen geflossen, weil es für mich so eine Überraschung war“, sagte sie, „vorher war er eher so dritter oder vierter, aber dann hat er so einen super Lauf hingelegt.“
Georg Emmerdinger hatte schnell eine Erklärung für seine großartige Leistung parat: „Ich habe dieses Sieger-Gen von Bayern München. Das habe ich mir angeeignet. Das muss man nur verinnerlichen. Die sind ja nicht umsonst so erfolgreich.“ Er weiß, wovon er spricht: Er ist seit zehn Jahren beim FC Bayern München im Team Gebäudemanagement beschäftigt. Und ist natürlich auch leidenschaftlicher Bayern-Fan, vor allem Thomas Müller mit seinem Humor und seinen lustigen Interviews hat es ihm angetan. Gerne erinnert er sich aber auch an die Zeit mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zurück: „Es war eine schöne Zeit, als der Uli und der Kalle da waren. Die haben mich an Weihnachten auch mal zum Würstl-Essen eingeladen.“
Der Verein hat in der App und auf der Webseite gleich über die Erfolge seines Mitarbeiters berichtet. „Wir beim FC Bayern freuen uns sehr über die Erfolge von Georg ‚Schorschi‘ Emmerdinger bei den Special Olympics in Turin. Er macht unserem Verein alle Ehre“, wird Bayern-Präsident Herbert Hainer zitiert. Hainer hatte ihn aber auch schon kurz nach dem Wettbewerb angerufen und ihm herzlich gratuliert. Und genau eine Woche nach dem Erfolg gab es an seinem Arbeitsplatz auch noch einen Empfang.
Die Goldmedaille war noch nicht der einzige Erfolg. Über 100 Meter und mit der Staffel gewann Georg Emmerdinger auch noch jeweils Bronze. Den Staffellauf hat er auch sehr genossen, weil die Stimmung im ganzen Team so hervorragend war. Trainerin Steinhäußer hat sich dann auch ganz besonders über die Staffel-Medaille gefreut. „Wir waren hier so ein tolles Team. Jeder schaut auf jeden, und jeder wird so akzeptiert, wie er ist. Unser Stärkster nimmt die Schwächeren an die Hand und unterstützt sie“, schwärmt sie. Das war dann auch die Grundlage für die insgesamt überraschenden Erfolge des SOD-Teams Schneeschuhlauf und für die Staffelmedaille, die gegen starke Konkurrenz hart erkämpft wurde.
Vor allem die kanadischen Sportler*innen haben in Sestriere, wo das Schneeschuhlaufen stattfand, imponiert. Allein im Staffellauf waren sie mit acht Teams in den verschiedenen Klassen am Start, und das sehr erfolgreich. Außerdem hatten sie, wie auch die US-Amerikaner*innen, eine große Fangemeinde mitgebracht und dadurch für eine grandiose Stimmung gesorgt. So kam es, dass Schneeschuhlaufen einer der stimmungsvollsten Wettbewerbe der Weltspiele wurde. „Die haben richtig Party gemacht“, sagte Georg Emmerdingers Vater Alfred, und Trainerin Steinhäußer stimmte zu: „Das war eine Bombenstimmung.“
Die trug natürlich auch dazu bei, dass viele im Wettbewerb regelrecht über sich hinausgewachsen sind, wie ja auch Georg Emmerdinger. Dabei ist Schneeschuhlaufen recht kräftezehrend und deutlich anstrengender als das Laufen auf der Bahn. Gelaufen werden die gleichen Strecken wie in der Leichtathletik, allerdings mit den großen Schneeschuhen an den Füßen und auf Schnee. „Manche unterschätzen das“, sagte Martina Steinhäußer, „wer 100 oder 200 Meter im Schnee laufen will, sollte im Sommer schon 400 oder 800 Meter gut laufen können. Aber wir empfehlen das Schneeschuhlaufen auch. Dann hat man ganzjähriges Training und kann zwei Sportarten miteinander verbinden.“
Georg Emmerdinger betreibt sogar noch mehr Sportarten, wobei er vor allem das Radfahren und das Schwimmen liebt. Aber natürlich auch das Schneeschuhlaufen, durch das er einigermaßen überraschend doch noch zu einer Weltspiele-Teilnahme gekommen ist. „Wir haben eigentlich nicht damit gerechnet, dass er das nochmal schafft, nachdem er für die verschobenen und dann ausgefallenen Weltspiele von 2021 schon nominiert war“, sagte der Vater. Doch dann hat er im vergangenen Jahr bei den Nationalen Winterspielen in Oberhof zwei Goldmedaillen gewonnen und hat sich für Turin qualifiziert.
Turin soll aber beileibe nicht die Endstation sein. Jetzt geht es aufs Rad und in die Vorbereitung für die Special Olympics Landesspiele Bayern im Juli in Erlangen. Dann möglichst zu den Nationalen Spielen im nächsten Jahr im Saarland. Und Georg Emmerdingers Traum wäre es, auch noch eine Teilnahme an den Weltsommerspielen 2027 in Santiago de Chile zu schaffen. Das Bayern-Gen wird ihm auch dabei sehr nützlich sein.
Text: Ulrike Spitz
