Porträt. Kein Wunder, dass er sich auch für die Special Olympics Weltwinterspiele in Turin (8. bis 15. März 2025) eine Menge zutraut. Immerhin hat er jetzt zwei Vorbereitungslehrgänge mit dem Team von Special Olympics Deutschland hinter sich, bei denen richtig trainiert wurde; einen in der riesigen Skihalle in Landgraaf/Niederlande und einen in Todtnauberg im Schwarzwald. Dazu war er noch eine Woche im Januar mit seinen Eltern im Skiurlaub. Dort wurde zwar nicht speziell trainiert, aber doch viel Ski gefahren, so dass er für die Weltwinterspiele nun gut gerüstet ist. Beim Lehrgang in Landgraaf sollten die Athlet*innen in einer Art Zielvereinbarung aufschreiben, was sie in Turin erreichen wollen. „Da hab ich reingeschrieben, ich will mein Bestes geben“, sagt Jonathan Merget vergnügt am Telefon, „aber in Wirklichkeit will ich Gold gewinnen. Es fühlt sich vielleicht ein bisschen abgehoben an, aber ich möchte das schon gerne.“
Skifahren ist ohnehin sein Lieblingssport, „wegen der Geschwindigkeit, das ist das beste“. Sein Vater war schon immer ein begeisterter Skifahrer, und so stand der Sohn schon mit vier Jahren das erste Mal auf Ski. Und ist genauso begeistert wie der Vater. Regelmäßig geht es mit der Familie in den Skiurlaub. Darüber hinaus spielt Jonathan Merget auch bei den Darmstädter Lilien im Inklusionsteam Fußball und geht regelmäßig in die Kletterhalle. Im Klettern hatte er sich im Übrigen auch für die Nationalen Spiele im Januar 2024 qualifiziert, aber da man sich bei den Spielen für eine Sportart entscheiden muss, war schnell klar, dass es das Skifahren ist, „weil das so besonders ist“.
Umso größer war seine Begeisterung, als er für die Weltspiele in Turin nominiert wurde. „Ich habe mich schon sehr darüber gefreut“, sagt er, „auch wenn ich nicht so richtig feiern konnte. Ich hatte ein Praktikum gemacht und war am Arbeiten, als ich es erfahren habe.“ Und nun wird die Vorfreude größer und größer. Ein Meilenstein war neben den Vorbereitungslehrgängen die Einkleidung im November, als sich die gesamte deutsche Mannschaft für die Weltspiele auf dem adidas Campus in Herzogenaurach getroffen hat. Jonathan Merget kannte zwar vom Vorbereitungslehrgang in Landgraaf die Skifahrer schon und auch die Snowboarder, aber das ganze Team kennenzulernen fand er ganz besonderes schön. Das Mannschaftsbild von Herzogenaurach gab auch schon mal einen kleinen Vorgeschmack, wie überwältigend es bei der Eröffnungsfeier werden kann, wenn das deutsche Team geschlossen in Mannschaftskleidung ins Stadion einlaufen wird. „Da bin ich sehr gespannt drauf“, sagt Jonathan Merget, der die Eröffnungsfeier in Oberhof noch gut in Erinnerung hat. „Auf die Eröffnung freue ich mich sehr. Das wird bestimmt noch viel schöner und größer in Turin.“
Auch seine Eltern sind in Turin dabei, wissen aber nicht, ob sie ihn während der Winterspiele überhaupt zu Gesicht bekommen werden. Im Teamhotel hat natürlich nur die deutsche Delegation Zutritt. Und ob sie ihn im Trubel an der Skipiste sehen und in den Arm nehmen können, wird sich erst vor Ort zeigen. Dabei steht in der Weltspiele-Woche noch ein ganz besonderer Termin an: Jonathan Merget hat am 14. März, dem vorletzten Tag der Spiele, Geburtstag und wird 18 Jahre alt. Er hat schon anklingen lassen, dass es dort eine Feier geben wird. Die ersten Wettbewerbe liegen dann schon hinter ihm, so dass es vielleicht sogar noch mehr als den Geburtstag zu feiern gibt.
Ein bisschen geht der Blick aber auch schon über Turin hinaus. Jonathan Merget geht derzeit noch auf die Nieder-Ramstädter Wichernschule, die er demnächst verlassen wird. Er möchte gerne eine Berufsausbildung machen, mit der er möglichst auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen kann. Nach der Rückkehr aus Italien beginnt er mit einem vierwöchiges Praktikum. Damit bekommt er die Chance, in Zusammenarbeit mit einem Berufsbildungswerk zu eruieren, ob dort eine Theorie-reduzierte Ausbildung für ihn möglich ist. Sein Wunsch ist, in Zukunft in einem Lager zu arbeiten.
Aber im Mittelpunkt seiner Gedanken stehen jetzt natürlich erst einmal die Weltspiele. Am 6. März fliegt er mit dem deutschen Team nach Turin, zwei Tage später findet die Eröffnungsfeier statt. Am 11. März geht es schließlich mit den alpinen Ski-Wettbewerben im Alpin-Zentrum Sestriere los. Jonathan Merget ist für alle drei Disziplinen Slalom, Riesenslalom und Super G gemeldet. An den beiden Trainingstagen davor kann er sich schon einmal mit den Strecken vertraut machen. Und dann geht das Naturtalent bestens vorbereitet in die Wettbewerbe.
Text: Ulrike Spitz
