Zum Inhalt springen
Eiskunstläuferin Emma Gania lächelt in Sportbekleidung auf einer Holzbank in die Kamera

05.03.2025

Schon mit drei Jahren auf dem Eis

Eiskunstläuferin Emma Gania freut sich auf die Special Olympics Welt-Winterspiele in Turin.

Porträt. Für Emma Gania geht der große Traum verspätet in Erfüllung. Die Eiskunstläuferin aus Geretsried hat sich riesig darüber gefreut, dass sie für Special Olympics Weltwinterspiele in Turin nominiert wurde. Eigentlich stand sie schon vor drei Jahren an diesem Punkt. Denn sie hatte sich bereits 2021 für die Weltspiele im russischen Kasan qualifiziert, die zunächst wegen der Corona-Pandemie auf 2022 verschoben und dann wegen des Krieges endgültig abgesagt wurden. Es hatte schon Termine gegeben, zum Beispiel für das Einkleidungstreffen, aber nach und nach wurde alles wieder gestrichen. Emma Gania war damals schon sehr geknickt, dass das alles nicht zustande kam. Umso größer war dann die Freude, als die Nachricht von Special Olympics Deutschland (SOD) kam, dass jetzt alles klappt.

Mit ihren beiden Goldmedaillen von den Nationalen Winterspielen im vergangenen Jahr in Erfurt, wo das Eiskunstlaufen ausgetragen wurde, hat sie sich die Teilnahme in Turin auch redlich verdient. Emma Gania siegte sowohl im Einzel als auch im Unified Paarlauf mit ihrer Partnerin Lena Vollbrecht. Mit zweimal Gold hatte sie in Erfurt nicht gerechnet, auch wenn sie eine Medaille im Vorfeld durchaus in den Blick genommen hatte. „Die zwei Goldmedaillen kamen schon etwas überraschend“, sagt Vater Thomas, der in Turin im SOD-Betreuerteam dabei ist. „Aber Emma plant das schon sehr gut. Sie ist so selbstbewusst und ehrgeizig, dass sie gut einschätzen kann, dass das funktionieren kann.“

Die 22-Jährige mag beide Wettbewerbe, das Einzel und den Paarlauf. Wobei sie gleich klarstellt, dass im Unified Wettbewerb, in dem eine Läuferin mit und eine ohne Beeinträchtigung gemeinsam starten, beide die Chefinnen sind. Gemeinsam wählen sie die Musik aus, gemeinsam mit ihrer Trainerin Melanie Vollbrecht, der Mutter von Lena, gestalten sie die Choreografie für die Kür und gemeinsam entscheiden sie sich auch für das Outfit. Für Turin ist alles neu aufgelegt: Kür, Musik und Kleider.

Damit das bei den Weltwinterspielen in der zweiten Märzwoche in Italien auf dem Eis auch gut funktioniert, absolviert Emma Gania beim ESC Geretsried ein intensives Trainingsprogramm: Samstags trainiert sie mit der Inklusionsgruppe, da hat sie genügend Zeit und auch Platz, um ihre Kür zu üben. Montagabends hat sie Training mit den anderen Eiskunstläuferinnen, da läuft sie auch ab und zu ihre Kür. Dienstags steht Trockentraining auf dem Programm, und alle zwei Wochen geht sie sonntags nochmal aufs Eis. Darüber hinaus geht es freitags auch noch regelmäßig zum Klettern.

Das klingt nach viel, aber Emma Gania ist seit vielen Jahren ans Sporttreiben gewöhnt und hat viel Spaß dabei. Wie ihr älterer Bruder Paul und ihre jüngere Schwester Lilli begann sie schon mit drei Jahren mit dem Schlittschuhlaufen. Die Geschwister spielen erfolgreich Eishockey, Paul in der Bayernliga für den ESC Geretsried, Lilli in der Bundesliga für den EC Bad Tölz und in der DEB-Auswahl. Emma Gania entschied sich für das Eiskunstlaufen, das sie liebt. „Am meisten mag ich die Pirouetten“, sagt sie, „das Drehen“, das sie so gut beherrscht, dass sie immer wieder schöne Erfolge feiern darf.  

Darauf hofft sie natürlich auch in Turin. Aber erst mal freut sie sich auf die Eröffnungsfeier am 8. März in der großen Inalpi Arena mitten in Turin. Sie erwartet, dass die Feier noch schöner und größer wird als die im vergangenen Jahr in Oberhof und – da sie in der Halle stattfindet – es vielleicht nicht ganz so kalt wie damals werden wird. Einen kleinen Vorgeschmack bekam sie im vergangenen Jahr schon einmal bei den Spielen in Graz/Österreich, als sie mit mehr Teilnehmenden als in Oberhof und insgesamt fünf Nationen ihre ersten internationalen Erfahrungen sammeln durfte und mit einem zweiten Platz nach Hause zurückkehrte. Vater und Tochter werten das als sehr gute Vorbereitung auf Turin.

Ein wichtiger Termin auf dem Weg nach Turin fand im Übrigen bereits im November statt: Die Einkleidung im adidas Campus in Herzogenaurach, an der das komplette SOD-Team für Turin teilgenommen hat. Emma Gania hat dort vor allem die Athlet*innen aus Oberstdorf nochmal näher kennengelernt, die sie schön öfter bei Wettbewerben traf. Und hat sich natürlich über die Teamkleidung gefreut: „Das war schon sehr viel, was wir da bekommen haben.“ Nur die Schuhe passten nicht und mussten später mit dem Vater getauscht werden, aber sonst war alles bestens.  

Mit ihrem Vater möchte sie sich neben den eigenen Auftritten in Turin auch ganz gerne noch andere Wettbewerbe ansehen. „Aber nur drinnen“, sagt sie in Erinnerung ans kalte Oberhof. So wird es wohl zum Shorttrack und zum Floorball gehen, wenn dafür überhaupt Zeit bleibt. Beide Sportarten werden wie das Eiskunstlaufen direkt in Turin ausgetragen. Am 10. und 11. März stehen dann zwei Trainingstage in der Tazzoli Eisarena an, bevor am 12. März die Wettbewerbe  beginnen. Endlich. „Es sollte jetzt schon bald losgehen“, sagt Emma Gania in großer Erwartungsfreude.

Text: Ulrike Spitz