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Tennisspieler freut sich erhobener Faust.

26.06.2026

Spiel, Satz, Sieg: Tennis-Asse schlagen bei den Nationalen Spielen in Merzig auf

Bei den ersten Nationalen Spielen von Special Olympics im Saarland war der Landkreis Merzig-Wadern mit den Tenniswettbewerben unter den insgesamt 27 Sportarten im Programm vertreten. Auf der großzügigen Anlage des TC Schwarz-Weiß Merzig erlebten die 115 Athletinnen und Athleten, deren Familien, Freunde und Besucher bestens organisierte Tennisentscheidungen, die trotz Bullenhitze an den Finaltagen großen Sport, große Emotionen und reichlich Spannung auf der „roten Asche“ in den Hilbringer Saarwiesen anboten.

Tennis-Asse trotzen Hitze: Fest der Inklusion auf Merzigs roter Asche

Die Sonne scheint überall im Saarland vom strahlend blauen Himmel mit ganzer Kraft herab. Auch im „Grünen Kreis“ ist das im Endspurt der ersten Nationalen Spiele von Special Olympics im Saarland nicht anders. Der Landkreis Merzig-Wadern ist mit den Tennis-Wettbewerben unter den 27 Sportarten im offiziellen Programm vertreten. Auf der Anlage des TC Schwarz-Weiß Merzig zählt am vorletzten Wettkampftag einmal mehr die Hitze zu den größten Gegnern der 115 weiblichen und männlichen Tennisspieler bei den Wettkämpfen. Deren Spiele werden von insgesamt 16 Schiedsrichtern geleitet, über den Tag sind 35 „Volunteers“ aus dem Großaufgebot der freiwilligen Helfer bei den Nationalen Spielen 2026 vor Ort im Einsatz. Dazu kommen die Wettkampf-Offiziellen, Vereinsvertreter, Sanitäter und vielen Besucher, darunter Familien und Freunde der Athleten oder einfach nur tennisinteressierte Gäste. Alle geraten bei Temperaturen jenseits der 35 Grad schnell ins Schwitzen, die Tennis-Athletinnen und -Athleten sowieso, während sie sich auf den neun Sandplätzen der Anlage die kleinen gelben Bälle um die Ohren hauen. Am frühen Nachmittag laufen trotz der Hitze an mehreren Schauplätzen die Wettkämpfe auf der „roten Asche“, begleitet von Zuschauern, die unter Schatten spendenden Bäumen und Sonnenschirmen Schutz suchen, um das Geschehen auf dem Areal in den Hilbringer Saarwiesen auf erträgliche Weise verfolgen zu können.

115 Tennis-Specials trotzen Hitze im „Grünen Kreis“ – LSVS-Mitarbeiter Christof Olbrich wird in Merzig zum mehrfachen „Silberchampion“

Viele Gäste halten sich im schattigen Bereich direkt vor dem Clubheim der Merziger Tennisspieler auf, wo im rechten Teil des Gebäudes die Wettbewerbsleitung ansässig ist. Nina Platzer leitet als nationale Koordinatorin Tennis beim Veranstalter Special Olympics Deutschland ein sechsköpfiges Team an, gemeinsam organisieren sie vom Wettkampfbüro aus die vielen Entscheidungen im Einzel und Doppel bei Frauen, Männern oder zusammen. „Es läuft heute trotz der heißen Bedingungen ganz gut, der Zeitplan passt, nachdem wir gestern etwas drüber waren“, sagt Platzer. Im Einzelwettbewerb wurden die Athleten anhand der drei Tage andauernden Klassifizierung in 14 männliche Leistungsgruppen zu je vier Spielern eingeteilt, bei den Damen in vier Gruppen mit je vier Athletinnen. Aktuell sind die Halbfinalmatches in vollem Gang, im Tagesverlauf folgen dann schon erste Endspiele und Siegerehrungen – auch für LSVS-Mitarbeiter Christof Olbrich, der sich beim Heimspiel-Höhepunkt sogar doppelt freuen darf. Sowohl im Einzel als auch im Herrendoppel mit dem Heidelberger Cedric Rüter erreicht er das Finale, am Ende gewinnt der für den Special Olympics Saarland-Sportverein startende Olbrich seine nächsten Silbermedaillen, nachdem er bei den Weltspielen 2023 in Berlin Rang zwei im Herrendoppel belegt hatte.

Gute Entwicklungen auf Vereinsebene – Special Olympics-Großereignisse als Leuchttürme, die anschieben

Da hat sich die Schinderei im Merziger „Glutofen“, auf dem roten Sand beim TC Schwarz-Weiß doch gelohnt. „Viel Arbeit, viel Hitze“, pustet Peter Landisch kurz durch und lächelt. Er ist ein absolutes Urgestein der Special Olympics, hat seit seinem Einstand bei den Nationalen Spielen 2002 in Frankfurt am Main alle bundesdeutschen Großereignisse hautnah miterlebt und im Tennis mitgestaltet. „Seit 25 Jahren trainiere ich Menschen mit geistiger Behinderung im Tennis. Es sind meine zwölften Nationalen Spiele, ich habe alle seit 2002 mitgemacht“, verrät der Vorgänger von Nina Platzer als Tennis-Koordinator beim deutschen SO-Dachverband, der das Amt 2024 nach vielen Jahren abgab. Inzwischen ist er Regionalkoordinator für Special Olympics Bayern, nachdem er den Landesverband im Jahr 2004 selbst mitgegründet hatte. Er unterstützt darüber hinaus die nationale Arbeitsgruppe (AG) Tennis bei der Koordination der Angebote für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. „In Frankfurt haben wir 2002 mit 43 Athleten angefangen, hier sind es 115“, hält er fest und verweist auf das 2023 im Jahr der Weltspiele gefasste Vorhaben, die Athleten mit Behinderung so weit wie möglich „aus ihrer Welt in die Vereinswelt“ zu überführen – was in der jüngeren Vergangenheit erfreulich oft gelungen sei. „Die Weltspiele 2023 in Berlin waren in der Hinsicht ein Leuchtturmprojekt, sie haben dieser Entwicklung einen ungeheuren Schub gegeben“, erklärt Landisch.

Ein neuerlicher Schub für die Inklusion und nachhaltige Effekte sollen auch von den ersten Nationalen Spielen im Saarland ausgehen. Für Theis Glane aus Osnabrück in Niedersachsen sind es die allerersten. Seit drei Jahren spielt der 14-Jährige Tennis, in Merzig kann er auf großer Bühne zeigen, was er in dieser Zeit im Training alles erarbeitet und gelernt hat. Die ersten Tage im Saarland hätten ihm gut gefallen, sagt Theis. Natürlich habe er sich gefreut für Alexander Zverev, als der deutsche Tennisstar und eines seiner Vorbilder mit dem Sieg bei den French Open in Paris kürzlich den ersehnten ersten Grand Slam-Titel gewinnen konnte. Er selbst feierte mit der Bronzemedaille bei den Landesspielen in Niedersachsen im September 2025 einen schönen Erfolg, der ihm auch die Qualifikation für Merzig beschert hat. Dort kommt auf der Anlage des TC Schwarz-Weiß kein weiteres „Edelmetall“ hinzu, aber allein die Teilnahme sei schon ein Erfolg für ihn, meint Theis. Der Olympische Gedanke stehe bei ihrem Sohn generell hoch im Kurs, bestätigt Mutter Dorothe: „Er möchte einfach nur mit anderen Tennis spielen, einfach nur dabei sein“, sagt sie und lobt das Turnier als „super organisiert“, während Volker Glane, der eher vom Fußball kommt, es genießt, seinen Sohn beim Tennis zu sehen. „Er ist happy, das ist das Wichtigste. Und er findet hier schnell Anschluss und Kontakte“, sagt der stolze Papa. In der Heimat spielt Theis Glane beim TC Oesede, der inklusive Aktionstage für Kinder und Erwachsene mit Handicap durchführt. Neben Tennis für geistig Beeinträchtigte zählen Rollstuhltennis, Blinden- und Sehbehindertentennis sowie Gehörlosentennis zum Angebot des Vereins aus Georgsmarienhütte.

Gewinnen fühlt sich gut an, doch zuallererst zählt der Olympische Gedanke

Nik Müller spielt seit fünf Jahren Tennis beim TC Weiss-Rot 1897 Speyer und damit bei einem weiteren Verein, der es als selbstverständlich ansieht, allen Mitgliedern unserer Gesellschaft Teilhabe, einen Zugang zum Sport zu ermöglichen. Inklusive Tennistage in Kooperation mit dem Special Olympics-Landesverband Rheinland-Pfalz finden beim TC Weiss-Rot seit 2015 statt. Claus Majolk ist seit jeher hauptverantwortlich für die Organisation des Ganzen. Der selbstständige Tennistrainer ist bei SO Rheinland-Pfalz Tennis-Landeskoordinator und Vizepräsident für „Unified Sports“, der Menschen mit und ohne Behinderung im Wettbewerb vereint. Er ist zudem Referent für Inklusion beim Tennisverband Rheinland-Pfalz, Vorstand für Inklusion beim BASF Tennisclub Ludwigshafen und war Headcoach des deutschen Tennisteams bei den Weltspielen 2023 in Berlin. Majolk hat viele Menschen mit Beeinträchtigung überhaupt erst zum Sport gebracht. So auch Mehtap Özgül, die noch während ihrer Schulzeit an der Pestalozzi-Schule Speyer mit mehreren Mitschülern zum Tennistraining eingeladen wurde und jetzt, mit 29 Jahren „schon ein alter Hase“ ist, wie die ehemalige Athletensprecherin von SO Rheinland-Pfalz lächelnd über sich sagt. Als Tennisspielerin mag sie vor allem „das Gefühl zu gewinnen, aber auch, dass man einfach nur Spaß zusammen hat. Und den gegenseitigen Respekt“, erklärt Mehtap Özgül. Athletensprecherin sei sie geworden, „weil es mir ein Anliegen ist, dass ich mich für unsere Sportler einsetze und sie unterstütze.“ Das tut in Speyer mit dem RC Vorwärts ein weiterer Verein, der wöchentlich eine inklusive Laufgruppe für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung und ein Para-Boccia-Training anbietet. Zwei Trainer seien gerade als „Volunteers“ bei den Boccia-Wettbewerben der Nationalen Spiele in Saarbrücken im dem französischen Boule nahen Sport im Einsatz, berichtet Sabine Müller. „Wir sind in Speyer gut aufgestellt, was inklusive Angebote angeht“, betont die Mutter von Tennis-Teilnehmer Nik. Gut aufgestellt sind auch die Wettkämpfe in Merzig, wo die große Hitze allen Beteiligten zeitweise zwar zu schaffen macht – wo das große Fest der Inklusion in den Hilbringer Saarwiesen dennoch an allen sechs Tagen für tollen Sport, fairen Sportsgeist, große Emotionen und beste Stimmung sorgte.  

Text: David Benedyczuk.