„Wir treffen uns hier gleich in der Mitte“, ruft Magnus Kalaß langsam, klar und deutlich in die Sporthalle des BC Eintracht Südring in Kreuzberg. Es ist Sonntag, 10 Uhr, in wenigen Minuten startet das Badminton-Spiel für alle. Seit zwei Jahren gibt es das Angebot vom Badminton-Verband Berlin-Brandenburg (BVBB). Jedes Mal sind rund 20 Sportler*innen mit und ohne Beeinträchtigung beim Training dabei.
Lioba ist mit ihrer Mutter Karen nach Kreuzberg gekommen. „Das ist immer so schön hier“, schwärmt Lioba, die das Down-Syndrom hat. Sie mag die Übungen zum Aufwärmen und anschließend das Badminton-Spielen. Damit alle alles verstehen und mitmachen können, nutzt Magnus Kalaß Leichte Sprache. Das bedeutet, langsam reden und die andere Person ansehen. Auf Fremdwörter verzichtet er, genauso wie auf lange Sätze. Und, er erklärt mit Händen und Füßen und in Bildern.
Deshalb gibt es im Training die Stinke-Socke. Magnus Kalaß stellt sich ans Badminton-Netz. In der linken Hand hält er einen Badminton-Ball. Er streckt den linken Arm so weit es geht von sich. „Ihr haltet den Ball wie eine Stinke-Socke“, sagt er. Lioba lacht. „Ja, Stinke-Socke. Will niemand riechen“, sagt sie. Und dann schlägt Magnus Kalaß mit dem Badminton-Schläger in der rechten Hand den Ball über das Netz. Lioba findet das gut. Jetzt trainiert sie mit ihrer Mutter nach dem Vorbild Stinke-Socke: mit dem linken Arm den Ball vom Körper fern halten und mit dem rechten Arm den Ball über das Netz schlagen. Geschafft. Lioba freut sich. Anschließend folgen immer wieder neue Übungen. Dabei werden die Partner*innen für die verschiedenen Aufgaben ständig gewechselt.
Magnus Kalaß gelingt es so, dass alle Sportler*innen während des zweistündigen Trainings miteinander ins Gespräch kommen: Jüngere und Ältere, Männer und Frauen, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Und alle haben viel Spaß dabei.
Trainer Kalaß hat früher einmal ein soziales Jahr bei der Lebenshilfe absolviert und später im betreuten Wohnen sowie in der Einzelfallbetreuung gearbeitet. Er ist den Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung gewohnt. Der Badminton-Verband Berlin-Brandenburg (BVBB) will das Thema Inklusion beim Sport aber nicht dem Zufall überlassen.
Sophie Reimers ist seit 2024 Inklusionsreferentin des BVBB. „Es ist mein Herzenswunsch, dass Menschen mit Beeinträchtigung unseren Sport erleben können und dabei ein positives Gefühl haben“, beschreibt sie ihre Motivation für das Ehrenamt. Sie sagt, dass ihr Verband künftig in der Ausbildung von Trainer*innen das Thema Inklusion mit aufnehmen wird. Deshalb sei die Nutzung von Leichter Sprache „ein großes Thema“, für das sich ihr Verband noch professionelle Unterstützung holen will. Auf der Website des BVBB gibt es bereits Informationen in Leichter Sprache.
Das Interesse am Badminton für alle ist in den zurückliegenden zwei Jahren immer größer geworden. Magnus Kalaß fragt am Ende des zweistündigen Trainings, ob die Teilnehmer*innen auch jeden Sonntag kommen würden. Die Hälfte kann sich dafür begeistern und hebt die Hand. Lioba und ihre Mutter Karen wären dann auch gern mit dabei.
SOD-Angebote und Verlinkungen in Leichter Sprache
Website SOD
Gesundheitsprogramm – Gesundheit leicht verstehen
Interview: „Wir brauchen Leichte Sprache überall“
Badminton-Verband Berlin-Brandenburg
