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Eiskunstläuferin Emma Gania lächelt in Sportbekleidung auf einer Holzbank in die Kamera

26.03.2025

Wenn Träume in Erfüllung gehen

Turin ist für Goldmedaillengewinnerin Emma Gania das schönste sportliche Erlebnis.

Am vorletzten Tag der Special Olympics Weltwinterspiele in Turin war es endlich so weit: Emma Gania bekam bei der Siegerehrung für den Eiskunstlauf im Stadion die so ersehnte und verdiente Goldmedaille überreicht. Große Freude mischte sich mit purer Erleichterung, dass das Edelmetall nun endlich um ihren Hals hing. Zwei Tage hatte sie auf diese Siegerehrung warten müssen, während andere, zum Beispiel die Short Tracker, gleich am Tag ihres Wettbewerbs geehrt wurden.

Andererseits kam bei der Siegerehrung die Freude über den gelungenen Auftritt auch zwei Tage später noch einmal so richtig hoch. Schon direkt nach der Kür der Eiskunstläuferin aus Geretsried brach der Jubel aus. Vater Thomas Gania, der als Betreuer mit an der Bande war, und Trainerin Cornalia Eichlinger fielen der strahlenden Sportlerin um den Hals. „Es ist so schön. Ich hab`s nicht erwartet, dass ich hier gewinne“, sagte die 22-Jährige, die  eine wunderbare, fehlerfreie Kür aufs Eis gezaubert und ihr Können auf den Punkt abgerufen hatte.  „Das ist genau ihre Stärke“, sagte ihr Vater. „Sie macht dann das, was sie machen muss und was sie so lange trainiert hat.“

Dabei war sie dieses Mal vor dem Wettbewerb extrem angespannt gewesen. Kein Wunder, bei ihren ersten Weltspielen, in einer großen, modernen Eishalle und vor großem Publikum. Und bei überaus starker Konkurrenz. „Das hat man beim Einlaufen gemerkt“, sagte ihr Vater, „sie war sich schon bewusst, was da vom Wettkampfniveau ansteht.“ Vor allem die Südafrikanerin Bianca Basson zeigte eine ebenfalls hervorragende Kür und landete am Ende hauchdünn hinter Gania auf Platz zwei. „Das war so knapp“, sagte sie.

Dabei begeisterte sie die Zuschauer mit ihrer mitreißenden Ausstrahlung, zum Beispiel beim Storch, einer Figur auf einem Bein mit den Händen oben. „Es war ein total tolles Publikum“, schwärmte sie, „die Stimmung war so super. Sie haben mich so gut  angefeuert.“ Unter den Zuschauern in der Turiner Eishalle saßen übrigens auch ihre Mutter und ihre Tante – und der Rest der Familie verfolgte zu Hause, nicht weniger begeistert, vor dem Fernseher ihren Auftritt bei Sky.

Irgendwie musste die Zeit bis zur Siegerehrung dann gefüllt werden: Tags drauf ging es mit der Mutter und der Tante zum Shoppen in die Stadt. Eine Hose und zwei T-Shirts waren das Ergebnis und gleichzeitig eine erste Belohnung für den schönen Erfolg auf dem Eis. Der richtige Lohn in Form der Medaille wurde dann nach der stimmungsvollen Siegerehrung noch abgerundet mit einem gemeinsamen Abendessen der beiden Teams Eiskunstlauf und Short Track und dem anwesenden Teil der Familie in Turin.  

Aber das Wichtigste bleibt, dass sich für Emma Gania in Turin endlich ihr großer Traum von der Teilnahme an Weltspielen erfüllte, der ihr bislang durch die Corona- und Kriegsbedingten Verschiebungen in den vergangenen Jahren verwahrt blieb. Und sie hat ihn durch ihre starke Leistung zu ihrem bisher schönsten sportlichen Erlebnis gemacht.

Text: Ulrike Spitz