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11.10.2018 09:11 Uhr

Gemeinsam gewinnen beim 6. Unified Cup

Wieder einmal kam ein ganz bunter Trupp an fußballbegeisterten Menschen auf dem Hoffenheimer AOK-Campus, direkt am Dietmar-Hopp-Stadion zusammen, um sich im alljährlichen Unified Cup miteinander zu messen.

Bei strahlendem Wetter zeigten die Teilnehmer ihre Fertigkeiten am runden Leder. Foto: Martin Dudenhöffer

Der Unified Cup vereint Menschen mit unterschiedlichen Hintergrund, Menschen mit und ohne Behinderung spielen im Turniermodus an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Fußball und haben jede Menge Freude, das zeigte sich auch dieses Jahr wieder. Ausgetragen wird der Unified Cup bereits zum fünften Mal in Folge in Hoffenheim, organisiert von der TSG Hoffenheim, den Special Olympics Baden-Württemberg und „Anpfiff ins Leben“.

2018 kamen 16 Teams, 175 Sportlerinnen und Sportler und 37 Trainer zusammen, um ihre Mannschaften aus Vereinen, sozialen Einrichtungen, Lebenshilfen, Werkstätten und Schulen auf dem Fußballplatz zu vertreten. Es wurde nicht nur geackert und gerannt, Tore geschossen und Tore verhindert, es wurde vor allem zusammen mitgefiebert und gewonnen, verloren und (vielleicht kurz) geärgert. Für die Beteiligten, inklusive der vielen Ehrenamtlichen, zu denen auch die erfahrenen Schiedsrichter des Badischen Fußballverbands (BfV) gehörten, war das zweitätige Fußballturnier in jedem Fall ein großes Vergnügen, bei dem sich alle organisatorische Mühen im Vorfeld immer vollends auszahlen. Jubelnde und sich gegenseitig anfeuernde Spielerinnen und Spieler, auf dem Platz wie neben dem Platz, machen das Spiel zu einem wahren inklusiven Erlebnis für alle.

„Fußball ist einfach die verbindende Kraft – wie man hier wieder eindrucksvoll sehen kann“, schwärmt Organisator Charly Mildenberger von Special Olympics Baden-Württemberg (SOBW) am zweiten Turniertag vom integrativen Charakter des Fußballs. "Sport und Spaß sei ein nicht zu unterschätzender Faktor, der Jung und Alt, Menschen mit und ohne Behinderung so bedingungslos einem Spiel wie dem Fußball widmen lasse", erklärt Mildenberger. Er ist besonders dankbar, welche Rolle die veranstaltende TSG Hoffenheim beim Unified Cup spielt: „Wir haben viele Vereine angefragt, ob sie sich vorstellen können, das Turnier auszutragen. Nur hier bei der TSG hat man direkt zugesagt, das ist etwas, was wir sehr schätzen“. Die hohe Akzeptanz des Cups macht sich auch dadurch bemerkbar, dass es breite Unterstützung von Partnern und Sponsoren gibt und dass dieses Mal die U23-Mannschaft der TSG Hoffenheim vorbeigeschaut hat – zur Freude aller Spielerinnen und Spieler. Lange Schlangen bildeten sich an den Tischen, an denen die Hoffenheimer Fußballer Autogramme verteilten und für Fotos zu Verfügung standen.

Mit dabei für die U23 war Co-Trainer Andreas Ibertsberger, früher selbst Bundesligaspieler beim SC Freiburg und der TSG Hoffenheim, wie auch für die österreichische Nationalmannschaft. „Vor einigen Jahren waren wir mit dem ehemaligen Trainer Markus Babbel bei einem solchen Inklusionsprojekt auf dem Platz und hatten wirklich große Freude“, erinnert sich Ibertsberger. Er sieht es als äußerst wichtig an, auch gerade den jüngeren Spielern die Lebenswirklichkeit derer näherzubringen, die es „nicht so einfach haben wie wir“. Es sei „toll zu sehen, was der Sport und speziell der Fußball bewirken kann“ und wie die bunte Fußballgemeinschaft mit so viel „Ehrgeiz“ auch bei der Sache ist. Sogar richtig hohes Niveau konnte der ehemalige Verteidiger erkennen, also hat das Turnier sogar einen fußballerisch-spielerischen Wert für so Manchen. Insgesamt, betont Ibertsberger allerdings auch, „überwiege dieses ehrliche und fröhliche Miteinander aller“. Das können die Organisatoren wie Seweryn Sadowski und Martin Metz vom baden-württembergischen Landesverband der Special Olympics nur bestätigen. „Wir haben Menschen mit kognitiven, psychischen, zerebralen Einschränkungen, die gemeinsam mit völlig Gesunden um Tore wetteifern und das von der Schülermannschaft bis zum über 60-Jährigen“, erzählt Sadowski beeindruckt.

Metz, der besonders gut über die Zusammensetzung der Teams Bescheid wusste, ergänzte, woher die Teams überall angereist kamen, um am Unified Cup 2018 am Hoffenheimer Dietmar-Hopp-Stadion teilnehmen zu können. „Wir haben sogar Teams aus Bayern und anderen benachbarten Bundesländern, zusätzlich zu den Mannschaften aus Baden-Württemberg, die den Großteil der am Turnier teilnehmenden Teams ausmachen“. Auch für die Verpflegung und Übernachtung war gesorgt. In der angrenzenden Sporthalle übernachteten über 100 Menschen direkt am Standort selbst und wurden sogar mit Frühstück, Abendessen und Lunchpaketen bedacht. Ohnehin, die Rahmenbedingungen auf dem neuen Kunstrasenplatz schienen außerordentlich gut zu sein, zeigen sich Sadowski und Metz hochzufrieden, denn auch das Wetter spielte mit und gerade am letzten Spieltag, den Freitag, schien die Sonne unaufhörlich.

Gespielt wurde in drei Gruppen, sodass jeder mal gegen jeden – je nach Leistungsgruppe – spielte. Am ersten Tag, der sogenannten Klassifizierung wurde nach dem „Schweizer System“, also dem Zufallsprinzip des Computers, gegeneinander gespielt. Am Tag später spielten die Mannschaften dann in ihren Gruppen sieben gegen sieben auf Kleinfeld, begleitet durch die Schiedsrichter des BfV. Auch Klaus Bühner, Verantwortlicher für die Schiedsrichter seitens SOBW, freut die professionelle, ehrgeizige, aber immer faire Einstellung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Unified Cup. Belohnt werden sollten die Fußballer des Unified Cups am Ende alle, egal welche Platzierung sie erreicht haben, denn dabei sein ist alles. Bei der Siegerehrung, bei der auch Verantwortliche der TSG Hoffenheim und mit Dietmar Pfähler auch der 1. Vorsitzende von „Anpfiff ins Leben“ mit Begeisterung antraten, wurden den Athleten Leibchen, Medaillen, Urkunden, Fotos und Bälle überreicht. Bei der Siegerehrung wird sichtbar, mit welchem freundschaftlichen und sportlichen Spirit die Teams die Leistungen der Anderen honorieren, ganz unabhängig von der eigenen Platzierung in der Gruppe.

„Wir sind hellauf begeistert, wie Ihr diese zwei Tage gemeinsam so sportlich verbracht habt, wie zahlreich Ihr überhaupt hierhergekommen seid und welche tollen Leistungen erbracht wurden“, rief Pfähler den zu Ehrenden auf der Tribüne des Dietmar-Hopp-Stadions zu. Es ist genau dieser Geist, den „Anpfiff ins Leben“ so gerne unterstützt und fördert. „Fußball ist die treibende und einende Kraft für Euch alle und das hat man wieder wunderbar gesehen“, fasst Pfähler kurz vor der eigentlichen Ehrung auf dem Rasen zusammen. Letzteres können alle nur von Herzen bestätigen, wenn sie die Freude an Spiel und Sport, am Wettbewerb, an der Anerkennung durch Fußball über die zwei Tage hinweg gesehen haben.

Zum Schluss ergriff Stadionsprecher Horst Heinlein nochmals das Wort und fragte die Sportler auf den Rängen, ob sie auch im nächsten Jahr den Weg nach Hoffenheim machen werden. Wenig überraschend bekräftigen alle Spielerinnen und Spieler lautstark und voller Leidenschaft auch nächstes Jahr wieder Teil des Unified Cups zu sein. Dass es wieder einen großen Andrang geben wird, am Turnier teilzunehmen, können die Veranstalter von der TSG Hoffenheim, von SOBW und „Anpfiff ins Leben“ stolz zur Kenntnis nehmen. Auf ein Neues in 2019!

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