06.08.2018 10:42 Uhr

Projekt der bundesweit ersten Inklusionskletteranlage in Bad Aibling

Seit rund 10 Jahren ist es beim Stützpunkt Inntal normal, „nicht normal“ zu sein. Die Verschiedenartigkeit und die charakteristischen Eigenschaften der Vereinsmitglieder – ob mit oder ohne Behinderung – stellen die speziellen Zutaten unserer Aktivitäten dar. Die besondere Würze bei all unseren Aktivitäten besteht darin, dass sich jede einzelne Person so einbringt, wie sie kann und wie sie ist.

Über die Jahre durften wir viele Kinder und Jugendliche dabei begleiten erwachsen zu werden. Doch dieser Schritt ist für Menschen mit Behinderung oftmals mit viel Frust und Enttäuschung verbunden. In unserer leistungsorientierten Gesellschaft sind Arbeitsplätze am Ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit einer geistigen, seelischen oder körperlichen Beeinträchtigung Mangelware. Der Stützpunkt Inntal will jungen Menschen mit Behinderung mit der geplanten Kletterhalle eine weitere Alternative zur Behindertenwerkstatt bieten.

Die Vision, die uns antreibt ist so einfach wie einzigartig:
Eine professionelle, nachhaltige Kletterhalle, die Raum für individuelle Besonderheiten bietet, wo sich Menschen mit und ohne Behinderung begegnen, wo wir gemeinsam unsere Freizeit gestalten, miteinander arbeiten und unser Verein ein Zuhause findet.

Es soll eine Kletterhalle, für Menschen mit und ohne Behinderung gebaut werden, die zu 100% barrierefrei ist. Damit dieses Ziel erreicht wird, sollen sämtliche Zugänge, Räumlichkeiten, Sanitäranlagen, Arbeitsplätze, etc. so gebaut werden, dass sich alle Menschen wohlfühlen und barrierefrei bewegen können.
Die Sportstätte ist abgestimmt auf die Bedürfnisse aller Nutzer und das sind Kletterer mit und ohne Behinderung. Barrierefreiheit steht nicht nur auf dem Bauantrag, die Menschen mit Behinderung werden vom ersten Entwurf bis zum letzten Holzbrett in die Planungen mit einbezogen. Es bringen aber auch viele Kletterer, Klettertrainer und Routenschrauber ihre Ideen mit ein, um für die verschiedensten Ansprüche ein attraktives Angebot zu schaffen. Barrierefreiheit: nicht nur räumlich, sondern auch zwischenmenschlich!

Um den Inklusionsgedanken weiter zu stärken, sollen zusätzlich Kletterrouten für Sport- und Freizeitkletterer entstehen. Darüber hinaus wird eine, den Normen entsprechende Kletterwand für Wettkämpfe errichtet. Der Klettersport wird nicht nur bei gesunden Menschen immer beliebter, es gibt mittlerweile sehr viele Menschen mit Behinderung, die den Klettersport aktiv betreiben. Klettern begeistert und schult viele Fähigkeiten! Auch im therapeutischen und pädagogischen Bereich wird die positive Wirkung auf den Körper und die Psyche genutzt. Stück für Stück können so neue Ziele gesetzt und Barrieren überwunden werden.

Unser Ziel ist es, ein sportliches Miteinander zu ermöglichen

  • für Menschen mit und ohne Behinderung,
  • für Breitensport und Spitzensport,
  • für Jung und Alt,
  • für Eltern und Kinder,
  • für Prävention und Reha.

Wir möchten darüber hinaus einen Inklusionsbetrieb gründen, um Menschen mit Behinderung die Möglichkeit anzubieten, bei uns in der Kletterhalle zu arbeiten.

Was für viele selbstverständlich und für unsere Jugend – trotz der unendlichen Möglichkeiten – oft eine Qual ist, stellt für behinderte Menschen eine Zukunftsvision oder gar einen fernen Traum dar: einen Beruf nach Stärken und Interessen zu wählen und dazu einen passenden Arbeitsplatz zu finden. Wir wollen nicht nur eine inklusive Freizeitinsel bleiben, sondern als logische Konsequenz unserer Einstellung eine Lücke im Arbeitsmarkt schließen.

Unser Ziel ist es, ein berufliches Miteinander zu schaffen, insbesondere durch

  • Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung (Beispiele für Arbeitsplätze: Bistro, Shop, Service, Routenbau, Kinderbetreuung, etc.)
  • Einstiegshilfe in den ersten Arbeitsmarkt
  • Schaffung von Praktikumsstellen für Menschen mit Behinderung.

Der dritte Schwerpunkt unseres Projekts liegt in der Nachhaltigkeit in Bau und Betrieb. Holz wird als vorherrschender Baustoff zum Einsatz kommen. Die Heizung / Warmwasserbereitung der gesamten Halle soll über Solarthermie und Betonkernaktivierung als Speichermedium sichergestellt werden. Der hohe Wasserverbrauch (regelmäßiges Reinigen der Klettergriffe) soll durch Regenwasserzisternen deutlich reduziert werden.

Die Kletterhalle wird im Sportpark von Bad Aibling, im Landkreis Rosenheim errichtet. Die Stadt Bad Aibling als Befürworter unseres Projekts hat uns bereits eine feste Grundstückszusage gemacht.

Text: Stützpunkt Inntal e.V./Katja Müller


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