„Special Olympics ist magisch“
Augen und Herz geöffnet: Marina Müller bekommt durch ihre ehrenamtliche Arbeit einen anderen Blick auf die Welt
Manchmal wird Marina Müller von ihren Freund*innen oder Kolleg*innen für ihr ehrenamtliches Engagement bei Special Olympics (SOD), der Bewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, ganz schön gelobt. „Wie toll, dass du da Gutes tust“, heißt es dann. Oder: „Das ist bestimmt super für die Athlet*innen, was du für sie machst“. Marina Müller schüttelt den Kopf. „Ich denke dann immer bei mir: In Wirklichkeit habt ihr den Kern nicht verstanden.“ Sie selbst hat ein völlig anderes Empfinden: „Ehrlicherweise weiß ich nicht, wer mehr profitiert“, sagt sie, „das, was ich zurückbekomme, ist so unglaublich viel wert. Special Olympics ist magisch. Die wichtigste Erfahrung für mich ist, dass mir die Augen geöffnet wurden, die Augen und das Herz zu einer komplett anderen Welt, zu einer Welt, die noch in Ordnung ist.“
Marina Müller wird im nächsten Juni als Headcoach für das deutsche Judoteam bei den Special Olympics World Games Berlin 2023 dabei sein. Ihr Arbeitgeber, der Sportartikelhersteller adidas, mit dem das Team SOD unlängst einen Sponsorenvertrag als Partner bei den Weltspielen abgeschlossen hat, begrüßt ihr ehrenamtliches Engagement, das seit Jahren weit über den Einsatz bei den Weltspielen hinausgeht. Sie war schon bei den Weltspielen 2019 in Abu Dhabi und bei einigen Nationalen Spielen im Einsatz, natürlich auch in Berlin im vergangenen Juni. Davon zehrt sie heute noch. „Es ist so schön zu sehen, was für eine Bühne die Athleten dort bekommen haben, schon in der Vorbereitung auf die Weltspiele“, sagt sie, „es ist einfach traumhaft, diese unbeschreibliche Freude zu sehen, schon wenn jemand in die Halle hineinkommt, diese Begeisterung.“
Es ist das, was sie auch dann immer mitreißt, wenn sie mit Raya, einer Athletin aus ihrem Verein SV Nittendorf, trainiert hat oder mit den anderen bayerischen Athlet*innen bei Wettkämpfen unterwegs ist. Mit Raya hat alles angefangen. Der Arzt, der sie selbst noch als aktive Judoka betreut hat, fragte an, ob seine Tochter mit Down-Syndrom beim Vereinstraining mitmachen könne. Gefragt, getan: Der Verein hieß sein neues Mitglied herzlich willkommen. Das funktioniert nicht überall, noch immer ist es schwierig für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen, Vereine zu finden, in denen sie Sport treiben können. Der Schlüssel dafür liege, so Marina Müller, bei den Übungsleitenden. Denn die geben den Rahmen vor, für die Übungen und für das soziale Miteinander.
