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12.03.2026

Inklusion im Sport und Ehrenamt: Chancen und Herausforderungen für Hessens Vereine

Wie kann das Ehrenamt in hessischen Vereinen inklusiver gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Fachleute aus Sport, Politik und Zivilgesellschaft im Rahmen eines Workshops, der vom Sozialverband VdK Hessen-Thüringen, dem Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband (HBRS) und Special Olympics Hessen organisiert wurde. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam Ansätze zu entwickeln, wie Menschen mit Behinderungen stärker am Vereinsleben und am Ehrenamt teilhaben können.

Zum Auftakt stellte Patricia Schmitt vom Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband (HBRS) Ergebnisse einer Onlineumfrage vor, die der HBRS gemeinsam mit dem Sozialverband VdK Hessen-Thüringen 2026 unter Sportvereinen in Hessen durchgeführt hat. Die Befragung zeigt: Der Begriff Inklusion ist den meisten Vereinen bekannt und wird grundsätzlich als wichtig angesehen. In der Praxis bestehen jedoch weiterhin Hürden. Viele Vereine verfügen bislang über keine speziellen Angebote für Menschen mit Behinderungen. Gründe sind unter anderem fehlende barrierefreie Sportstätten, begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen sowie Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema.

Gerade bei ehrenamtlich Engagierten besteht häufig die Annahme, für inklusive Angebote besonders qualifiziert sein zu müssen. Diese Unsicherheit führt teilweise dazu, dass entsprechende Angebote gar nicht erst entstehen – obwohl im Vereinsalltag häufig bereits Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam Sport treiben. Um die Perspektive der Betroffenen stärker einzubeziehen, planen VdK und HBRS eine weitere Befragung, die sich direkt an sportinteressierte Menschen mit und ohne Behinderungen richten soll.

Ayse Oluk, Referentin des Hessischen Landesbehindertenbeauftragten Andreas Winkel, betonte in ihrem Beitrag die große Bedeutung von Vereinen für Inklusion und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie übermittelte den Dank des Landesbehindertenbeauftragten an alle Engagierten im Vereinswesen und bat die Teilnehmenden, ihre Wünsche und Anregungen mit auf den Weg zu geben. Dabei wurde unter anderem angeregt, das Ehrenamt attraktiver zu gestalten – etwa durch erleichterte Freistellungen für berufstätige Engagierte, eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung oder den Abbau sprachlicher Barrieren in Vereinen.

Ein Praxisbeispiel für gelungene Inklusion stellte Cora Feldmann vom Reitsportverein Rüsselsheim vor. Gemeinsam mit ihrem Verein hat sie ein barrierefreies und inklusives Reitsportangebot aufgebaut. Entscheidend seien vor allem das klare Engagement des Vereins und die Bereitschaft, immer wieder nach Lösungen zu suchen. Der Aufbau solcher Angebote erfordere Zeit, Engagement und auch die Suche nach finanzieller Unterstützung – sei aber zugleich eine große Chance für Vereine.

Auch der 18-jährige Athlet Jonathan Merget berichtete von seinem sportlichen Weg. Er spielt Fußball in der ID-Mannschaft von Darmstadt 98, engagiert sich dort ehrenamtlich und gewann bei den Special Olympics Weltwinterspielen 2025 in Turin die Silbermedaille im Ski Alpin (Riesenslalom). Derzeit absolviert er zudem ein Freiwilliges Soziales Jahr bei Special Olympics Hessen, wo er Sport- und Bildungsveranstaltungen unterstützt und eigene Projekte organisiert.

In anschließenden Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden konkrete Ansätze für mehr Teilhabe im Ehrenamt. Vereine sollten deutlich signalisieren, dass alle Menschen willkommen sind, ihre Angebote aktiv kommunizieren und klare Ansprechpartner benennen. Niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten und verständliche Informationen können den Zugang erleichtern. Gleichzeitig wurden strukturelle Herausforderungen benannt, etwa beim Zugang zu Assistenzleistungen, bei der Barrierefreiheit von Sportstätten oder bei Mobilitätsangeboten.

Der Workshop machte deutlich: Fast zwanzig Jahre nach der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention ist eine umfassende Teilhabe noch nicht überall Realität. Gleichzeitig bietet Inklusion eine große Chance – sowohl für Menschen mit Behinderungen als auch für Vereine selbst. Gerade in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen und zunehmenden Ehrenamtsmangels kann ein offenes und inklusives Vereinsleben neue Perspektiven eröffnen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.