03.12.2019 11:46 Uhr

Neues Angebot für Menschen mit Schwerstbehinderung

Special Olympics Baden-Württemberg bietet ein neues „Psychomotorisches Bewegungsangebot“ (PBA) für Menschen mit schwerer geistiger und mehrfacher Behinderung an. Es ist eine Weiterentwicklung bisheriger niedrigschwelliger Sportangebote von Special Olympics (MATP und WBFA) und trägt dazu bei, die Gruppe der schwer - und mehrfachbehinderten Menschen in den Sport und damit aus der Anonymität zu holen. Ein wichtiger Schritt, passend zu den Anliegen des heutigen Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung.

Freude an der Bewegung und der Spaß am Miteinander standen beim Auftakt des Programms in der Sportschule Steinbach im Mittelpunkt. Foto: Pixelgrün

Freude an der Bewegung und der Spaß am Miteinander standen beim Auftakt des Programms in der Sportschule Steinbach im Mittelpunkt. Foto: Pixelgrün

50 Frauen und Männer mit Mehrfachbehinderungen kamen zur ersten landesweiten Veranstaltung mit dem Titel „Psychomotorisches Bewegungsangebot“ (PBA) von Special Olympics Baden-Württemberg am 28. November 2019 in der Sportschule Steinbach.

Hinter dem etwas sperrigen Titel verbirgt sich ein bundesweit neues, von SOBW entwickeltes Sport- und Bewegungskonzept für Menschen, die aufgrund der Schwere ihrer Beeinträchtigung bislang kaum an Sportangeboten teilnehmen konnten.

Ein ganzheitlicher Bewegungsparcours mit bis neun Stationen bietet nicht nur eine Menge Spaß, sondern die Möglichkeit, motorische Grundlagen wie Bewegungskoordination, Gleichgewicht, Kraftdosierung und Körperspannung zu trainieren. Die Stationen können variabel auf die jeweiligen Bedürfnisse und Voraussetzungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angepasst werden und auch in den Tagesfördereinrichtungen aufgebaut und eingesetzt werden.

„Wichtig ist, dass jeder gemäß seinen motorischen Möglichkeiten die Anforderungen bewältigen kann und auf jeden Fall spielerisch zu einem Erfolgserlebnis kommt“, betont SOBW-Geschäftsführer Christian Sigg, der das Konzept gemeinsam mit der Motologin Gesine Schlüter entwickelt hat. 

Grundlagen und Weiterentwicklung

Zum Angebot gehört ein Handbuch, in dessen Vorwort Christian Sigg schreibt:
Als Bestandteil der SO-Sportkonzeption hat das MATP (Motor Activities Training Program von SO International) zum Ziel, motorische Grundlagen zu schulen und dabei, ähnlich wie die Trainings und Wettbewerbe in den 26 angebotenen Sportarten, regelmäßig und niederschwellig durchgeführt werden zu können. Fähigkeiten im motorischen Grundlagenbereich sind die Basis für die Teilnahme an Sportangeboten. Angebote im motorischen Grundlagenbereich sind vor allem für schwer und mehrfach behinderte Teilnehmende wichtig, die nicht oder noch nicht fähig sind, an Sportart-Trainings und Wettbewerben teilzunehmen.

Wegen weitestgehend fehlender Grundlagenangebote fallen diese Personen derzeit sowohl in den Trainings in den Heimat-Einrichtungen sowie an Wettbewerben bei Veranstaltungen oftmals durch das Raster. Die einzige Partizipationsmöglichkeit am Sport- und Bewegungsprogramm für schwer und mehrfach behinderte Teilnehmende besteht aktuell in der Teilnahme am Wettbewerbsfreien Angebot (WBFA), das Bestandteil von großen Veranstaltungen auf regionaler und nationaler Ebene ist. Das WBFA ist Teil des SOD-Sportkonzeptes und in seiner Konzeption aus dem MATP-Programm abgeleitet. 

Die WBFA-Angebote bei SOD und in den Landesverbänden finden derzeit nur an einigen wenigen Zeitpunkten im Jahr an zentralen Veranstaltungsorten statt. Sie sind somit teils nur sehr schwer zugänglich und nur für eine sehr begrenzte Zeit wahrnehmbar. Das WBFA eignet sich somit bisher nicht als regelmäßiges Bewegungsangebot für Menschen mit schwerer Behinderung.

Um diese Lücke zu schließen und diese Zielgruppe mit qualifizierter, niederschwellig zugänglicher und regelmäßiger Bewegung zu versorgen, wurde aus dem MATP-Konzept von SOI eine Ableitung erstellt, die für eine Umsetzung bei SOD und seinen Landesverbänden geeignet ist: Das „Psychomotorische Bewegungsangebot“ (PBA).

Bezüge zu weiteren SOD-Angeboten

Inhaltliche Bezüge bestehen beim PBA auch zu den Ansätzen der „sportlichen Werkstatt“ (SOD Akademie) und dem entsprechenden Leitfaden. Dort sind ebenfalls niedrigschwellige Übungen aufgelistet. Weitere  Formate aus dem Gesundheitsprogramm und dem BeuGe-Projekt , die SOD in Werkstätten oder anderen Einrichtungen unterbreitet, gehen ebenfalls in diese Richtung. Viele Angebote, die Special Olympics macht, richten sich immer auch an Menschen mit schwerer Behinderung. Hier sei neben den „psychomotorische Bewegungsangeboten“ auch die Sportart Boccia als Wettbewerbssport von der lokalen bis zur internationalen Ebene genannt.

"Menschen mit schwerer Behinderung sind aber heute vielerorts immer noch unsichtbar, weil sie in parallelen Strukturen leben. Es ist wichtig, dass wir von Special Olympics uns dieser Zielgruppe gezielt widmen und insofern ist die Initiative mit dem neuen Programm von Special Olympics Baden-Württemberg vorbildlich", schätzt Dr. Timo Schädler, stellvertretender Bundesgeschäftsführer und Leiter der SOD Akademie, ein. 

Freude an der Bewegung steht im Vordergrund

Die Co-Autorin von Christian Sigg, Gesine Schlüter, ist gleichzeitig Leiterin des Förder- und Betreuungsbereichs der Hagsfelder Werkstätten aus Karlsruhe, die mit 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern angereist waren. „Wir haben uns in den vergangenen Wochen mit regelmäßigen Bewegungsangeboten aus dem PBA-Konzept auf das Event am 28. November vorbereitet“, erzählt sie.

Dass bei diesem Angebot der Spaß und die Freude an der Bewegung im Vordergrund stehen, konnte man an sämtlichen Stationen beobachten. Ohne jeglichen Leistungsdruck war die Freude groß über jede gelingende Bewegung. Die Größe und Weite der Sporthalle, vor allem aber die Barrierefreiheit der gesamten Räumlichkeiten sorgten für einen entspannten Ablauf für alle Beteiligten.

Mit der Sportschule Steinbach konnte SOBW dabei einen Partner gewinnen, der mit barrierefreien Räumlichkeiten, einem zielgruppengerechten Verpflegungsangebot, vor allem aber mit der notwendigen Offenheit die besten Voraussetzungen für die Durchführung dieser Veranstaltung mitbringt.

Am Ende der Veranstaltung gab es dann - wie bei jedem Special Olympics-Event – eine Siegerehrung mit einer Medaille für alle, die dabei waren.

(Presse SO Baden-Württemberg/SOD)

Foto: Pixelgrün

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