27.01.2022 09:01 Uhr

Gedenktag: Im deutschen Sport erinnern wir gemeinsam

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Die Deutsche Behindertensportjugend, die Deutsche Gehörlosen Sportjugend, Special Olympics Deutschland und die Deutsche Sportjugend gedenken der Opfer, der Überlebenden und ihrer Familien.

Foto: picture alliance

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» Gemeinsames Video zum Gedenktag

„Nie wieder solche Gräueltaten“, das ist der Auftrag und die Verpflichtung der Überlebenden. 2004 wurde der Gedenktag durch die Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ geschaffen, um die Botschaft der Überlebenden mit Leben zu füllen. Gemeinsam wollen wir dieses Jahr wieder als Sportfamilie erinnern. Denn zwischen 1933 und 1945 wurden Menschen durch die Nationalsozialist*innen verfolgt und systematisch ermordet, darunter fast sechs Millionen Menschen jüdischer Herkunft genauso wie Sinti*zze und Rom*nja oder politisch Andersdenkende. Nur wenige überlebten Konzentrations- und Vernichtungslager in ganz Europa.

Damals

Auch Menschen mit Behinderungen waren in besonderem Maße betroffen, weil sie nicht in das Weltbild der Nazis vom sogenannten „gesunden Volkskörper“ passten. In geschlossenen Anstalten untergebracht und teils zwangssterilisiert, wurden über 200.000 Menschen ermordet, darunter mindestens 5.000 Kinder. Dies war die „Vorbereitung“ für den späteren systematischen Massenmord in den Gaskammern der Vernichtungslager. Vorausgegangen war das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ 1934, dem später der Beschluss zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ folgte, von den Nationalsozialisten beschönigend als „guter Tod“ – Euthanasie – bezeichnet. Unzählige Ärzt*innen und Pflegepersonal waren an der sogenannten T4-Aktion beteiligt, die nach 1945 juristisch dafür zumeist nicht belangt wurden. Die „T4-Aktion“ ist nach dem Sitz der eigens für die Mordaktionen aufgebaute Verwaltungszentrale in der Berliner „Tiergartenstraße 4“ benannt. Die Opfer dieses Massenmordes und der Zwangssterilisationen wurden nach dem Krieg nicht als Verfolgte des NS-Regimes anerkannt. Erst in den 1980er Jahren begann der Prozess der Wiedergutmachung, der unter anderem im Jahr 2007 die Aufhebung des Gesetzes von 1934 durch den Deutschen Bundestag nach sich zog.

Heute

Auch wenn wir heute in einer demokratischen Gesellschaft leben, gibt es weiterhin Vorbehalte und Unsicherheiten gegenüber Menschen, die eine psychische, geistige, körperliche oder Sinnesbehinderung haben. Beispielsweise sind sie dadurch, im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt, stärker von sexualisierter Gewalt betroffen und auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Auch werden die unterschiedlichen Lebenswelten von Menschen mit Behinderungen in der Pandemiebekämpfung noch zu wenig berücksichtigt. So stehen wir nach dreizehn Jahren UN-Behindertenrechtskonvention weiterhin vor vielen Aufgaben auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft. Die Voraussetzungen dafür können nicht einseitig geschaffen werden, wir alle sind in der Verantwortung und können mit unserem Handeln positiv dazu beitragen.

Christiane Krajewski, Präsidentin von Special Olympics Deutschland, sagt: „Die Special Olympics Bewegung setzt sich weltweit für gleichberechtigte Teilhabe, Selbstbestimmung und Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung ein und vereint unter diesen Zielen mehr als 5 Millionen Menschen in mehr als 170 Nationen. Als deutsche Organisation dieser weltweiten Bewegung sind wir uns der besonderen historischen Verantwortung bewusst: Wir wollen das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und der Euthanasie-Politik wachhalten und vor allem aktiv und mit unserer täglichen Arbeit dazu beitragen, dass sich derartige Verbrechen niemals wiederholen können. Ganz in diesem Sinne werden wir im Sommer 2023 die mehr als 7.000 Athletinnen und Athleten aus aller Welt zu ihren Special Olympics World Games in Berlin begrüßen!“

Die Behindertensportjugend, die Gehörlosen Sportjugend, Special Olympics Deutschland, die Deutsche Sportjugend und die Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ stehen für eine Kultur des Verstehens und Miteinanders und für ein demokratisches Gemeinwesen, in dem die Würde jedes Menschen geachtet und verteidigt wird.

In einem Video kommen Repräsentanten der vier beteiligten Verbände zu Wort. Für Special Olympics Deutschland sprechen u.a. die Athlet*innensprecher Dennis Mellentin und Stefanie Wiegel.

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»Pressemitteilung in Leichter Sprache



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