Gastkommentar

Von Christina Marx, Leiterin Fachbereich Aufklärung bei der Aktion Mensch

Der Sport als Brückenbauer

Mehr Teilhabe und Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung: Damit wir dieses Ziel erreichen und sich in der Gesellschaft diesbezüglich wirklich etwas ändert, braucht es – neben den entsprechenden gesetzlichen Regelungen wie Bundesteilhabegesetz oder UN BRK – vor allem eins: eine aktive Zivilgesellschaft. Special Olympics Deutschland als Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung setzt sich seit über 25 Jahren dafür ein, dass genau das passiert: mehr Miteinander.

Der Claim "gemeinsam stark" bringt das auf den Punkt. Und inklusive Projekte wie Unified Sports, Tandem-Helfer-Teams oder inklusive Redaktionsteams bei Sportereignissen setzen diesen Gedanken in die Praxis um. Aber mehr noch: der Sport ist dabei ein Brückenbauer in andere Lebensbereiche wie z.B. die Bildung oder die Arbeitswelt.

Auf der Jubiläumsveranstaltung "25 Jahre SOD" im letzten Herbst sagte eine Athletin, wir sehr ihr der Sport geholfen habe, sich auch im Job durchzusetzen. Sie sei viel selbstbewusster geworden und im Kollegenkreis akzeptiert. So nennt sich SOD zurecht eine "Alltagsbewegung". Denn darum geht es ja: selbstverständlich miteinander zu leben, zu arbeiten, zu lernen oder eben Sport zu treiben.

Dass Menschen mit und ohne Behinderung mehr gemeinsam haben, als wir manchmal denken, ist in diesem Jahr das Thema der Aktion Mensch-Kampagne. Unter dem Hashtag #wirgemeinsam zeigen wir Paare, die einen gemeinsamen Beruf ausüben oder dem gleichen Hobby nachgehen. Da ist die querschnittgelähmte Frau, die mit einem "Fußgänger" klettert. Oder eine blinde Filmkritikerin, die wie ihre sehende Kollegin Kinokritiken schreibt – nur eben auf Basis der Hörfassung. Überraschende Gemeinsamkeiten, die uns vor Augen führen, was alles möglich ist.

Auf dem Weg hin zu einer inklusiven Gesellschaft hat sich bereits viel getan – nicht zuletzt durch Menschen mit Behinderung selbst, die ihre Anliegen sehr selbstbewusst vorangetrieben haben. Die SOD Athleten sind dafür das beste Beispiel: sie vertreten den Verband nach außen, wirken mit bei Strategiepapieren oder sind in der Fortbildung für Athleten aktiv.

Nach wie vor aber gibt es in unserem Lebensumfeld viele Barrieren – auch und vor allem in den Köpfen. Aktion Mensch und SOD wollen informieren, sensibilisieren und Begegnungen schaffen, damit diese Hürden abgebaut werden und wir tatsächlich zu einem selbstverständlichen Miteinander kommen. Je früher wir damit anfangen, desto besser.

Die geplanten Aktionstage zum Thema Kinder und Jugend sowie Familie, die es erstmals zu den Special Olympics Kiel 2018 geben wird, sind da genau der richtige Schritt hin zu Inklusion von Anfang an.

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