Editorial

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Von Kerstin Tack MdB, Vizepräsidentin Special Olympics Deutschland 

Bewegung tut not, damit lässt sich einiges zur Lage in diesen Tagen Ende April 2021 zusammenfassen. Das trifft aufs große Ganze wie sicher auf fast jede und jeden von uns zu. Langsam sehen wir, was die Pandemie betrifft, Licht am Ende des Tunnels, und ich hoffe sehr, dass durch das Impfen dann im Sommer wieder Begegnungen und auch gemeinsames Sporttreiben möglich sein werden.

Vor allem unsere Athletinnen und Athleten wie überhaupt Menschen mit geistiger Behinderung haben die Pandemie-Auswirkungen extrem getroffen. Ihr so wichtiger geregelter Tagesablauf ist völlig abhandengekommen, sie wurden aufgrund des hohen Risikos einer Infektion noch mehr geschützt als andere Gruppen. Viele von ihnen haben seit über einem Jahr gar keinen Sport mehr gemacht, es fehlen die Freunde, soziale Kontakte. Das ist ganz, ganz bitter.

Wobei ich denke, dass in Zeiten der Lockerung hier und da durch mehr Engagement der Einrichtungen einiges mehr an Bewegung möglich gewesen wäre: Was spricht gegen Spazierengehen oder ein wenig Gymnastik im Freien?

Ich gehe davon aus, dass wir nach der Pandemie viele Rückschläge haben werden, sportlich, aber auch, was das Sozialverhalten angeht. Vieles, was sich Menschen mit Behinderung über Jahre erarbeitet haben, was ihnen ein glückliches und gesundes Leben ermöglicht hat, ist weggebrochen. Hier stehen wir als Sportverband in besonderer Verantwortung, unsere Athletinnen und Athleten wieder in Bewegung zu bringen; aber daran wird ja bereits ganz intensiv gearbeitet.

Aus meiner Sicht hat unser Verband mit der AG Corona in der Pandemie-Zeit ganz hervorragend agiert und ist ein Vorbild für viele! Und ganz großartig, wie die Athletinnen und Athleten sich einbringen, nicht nur mit ihren Sorgen und Nöten, sondern durch Mitgestalten der Prozesse – und gar nicht selten als Aufmunterer für uns alle… Ich habe ja auch nicht gedacht, mal in so eine Lebenssituation zu kommen, in der alles infrage gestellt wird, was man gut und richtig findet. Man ist versucht, ein bisschen zu klagen, da kommen die Athleten und sagen: Ja schon, aber komm‘, es wird auch wieder besser, machen wir das Beste draus!

Das ist ja ohnehin eine große Stärke von uns, dass die Athletinnen und Athleten wirklich einbezogen sind, das erlebe ich im Vergleich auch oft durch meine Abgeordnetentätigkeit. Einerseits ist es natürlich nicht gut und zeitgemäß, dass wir diesbezüglich noch immer eher eine Ausnahme sind. Anderseits dürfen wir stolz darauf sein, wie selbstverständlich dieses Miteinander schon geworden ist.

Und da weiß man doch immer wieder, auch in diesen Zeiten, wofür man sich wirklich gern engagiert!

Seit einigen Monaten arbeiten wir in der AG Strategie zusammen. Wir sind eine bunte Truppe, zusammengesetzt aus Haupt- und Ehrenamt, haben uns kennen- und schätzen gelernt, und es macht richtig Spaß, miteinander zu arbeiten. Das hat etwas mit dem Klima in der AG zu tun, mit Wertschätzung, Respekt vor der Meinung der anderen und mit Offenheit.

Wir erarbeiten die Vorlage für den Strategieplan von SOD für die kommenden Jahre, der dann auf vielen verschiedenen Ebenen diskutiert wird. In diesem Newsletter weisen wir ja auf das Beteiligungsforum im Mai hin und ich freue mich, dass die Anmeldungen so gut angelaufen sind. Wenn es uns gelingt, über die Hauptamtlichkeit hinaus viele Athletinnen und Athleten, Familien, Betreuende aus Einrichtungen, auch externe Interessenten einzubeziehen, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Nach dem Beteiligungsforum werden die Ergebnisse eingearbeitet, dann wird der Strategieplan im Nationalen Komitee im September vorgestellt mit dem Ziel, dass die Mitgliederversammlung im November darüber befindet.

Wir haben also bis zum Herbst noch zu tun in unserer AG – und ehrlich gesagt, haben wir auch gar keine Lust, nicht weiterzuarbeiten … Ich nutze die Gelegenheit, meinen Mitstreitern für diese bereichernde Zusammenarbeit zu danken!

Also, schauen wir nach vorn, auf einen Sommer mit mehr Bewegung. Und allen, die jetzt doch den Mut und die Zuversicht ein wenig verloren haben: Man braucht immer Ziele, auf die man sich freuen kann. Und auch kleine Momente können große Freude bringen, um sich zu motivieren und zu wissen, dass es auch wieder besser wird.

Und wir haben ja sogar noch die großen Ziele im Sommer 2022 und 2023…! Dann sehen wir uns und sind wieder gemeinsam in Bewegung. Ich freu‘ mich drauf!

Eure Kerstin Tack



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