Cornelia Eichlinger, Nationale Koordinatorin Eiskunstlauf

Wir stellen vor: Conny Eichlinger, 50 Jahre, Nationale Koordinatorin Eiskunstlauf von SOD, Diplom-Sozialpädagogin, ein Sohn (15).

Wie kamen Sie zu Special Olympics?

Das war 2001, ich nahm mit Sportlern aus der Einrichtung, in der ich tätig bin, an einer Veranstaltung teil.

Wäre es nicht einfacher, in einem Sportverein Jugendliche zu trainieren?

Das habe ich früher gemacht und ist schon auch nett, aber mir persönlich macht es mehr Spaß, mit Menschen mit einer geistigen Behinderung zu sporteln, da es ehrlicher und aufrichtiger ist und der persönliche Erfolg anders gesehen wird. Sie freuen sich über kleine Fortschritte und der Konkurrenzgedanke ist nicht so präsent.

Spielen Emotionen bei Ihnen und Ihren Athleten eine besondere Rolle?

Ja, denn die Sportler zeigen zum Großteil Ihre Emotionen sehr direkt und dann fällt es einem auch leichter direkt darauf einzugehen.

Welcher Moment hat Sie in Ihrer ehrenamtlichen Arbeit für SOD besonders bewegt?

Das sind jedes mal die Siegerehrungen, denn diese Momente sind für die Sportler fantastisch und werden auch sehr schön zelebriert, egal welche Platzierung erreicht wurde.

Wie können Sie Ihre berufliche Tätigkeit mit Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für SOD verbinden?

Das funktioniert ganz gut, da ich in einer Einrichtung für Menschen mit geistigen Einschränkungen arbeite und der Arbeitgeber somit viel Verständnis dafür hat.

Was macht für Sie den besonderen Reiz Ihrer Sportart aus?

Ich über diese Sportart selbst seit meinem 6. Lebensjahr aus und finde die Bewegung zur Musik auf dem Eis einfach schön.

Welche Sportarten interessieren Sie noch – aktiv oder als Zuschauer?

Zwangsläufig Fußball, da mein Sohn leider nicht die Leidenschaft zum Eiskunstlauf geerbt hat und sich bei uns zu Hause alles um Fußball dreht. Ich gehe auch gerne Skifahren, oder zum Langlauf.

Verändern sich Ihre Athleten durch den Sport und die Wettbewerbe?

Sie werden auf alle Fälle etwas selbstbewusster und achten mehr auf sich, z.B.in punkto Ernährung oder Rauchen.

Was liegt Ihnen für die Zukunft von SOD besonders am Herzen?

Dass man weiterhin den Sportler/die Sportlerin im Blick hat und auf die Bedürfnisse von Menschen mit geistigen Einschränkungen aufmerksam macht, denn dieser Personenkreis kann sich selbst nicht so gut zu Wort melden. Sie sind auf Unterstützung angewiesen, um eine gleichwertige Anerkennung wie alle anderen in der Gesellschaft zu erfahren. Dann könnten wir der Inklusion ein Stück näher kommen.

Wenn sie es in einem Satz zusammenfassen müssten: Was ist für Sie Special Olympics?

Special Olympics ist Wertschätzung!

Was können wir tun, damit noch mehr Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung zu Special Olympics finden?

Man sollte sich darum bemühen, dass die Vorstellung von Special Olympics ein Bestandteil in den pädagogischen Ausbildungsberufen wird, ebenso wie in den Ausbildungen zu Übungsleitern…

Welche Gedanken bewegen Sie in diesen Corona-Zeiten? Sehen Sie in der Krise auch die sprichwörtliche Chance – für Ihren Sport, für sich, für die Gesellschaft?

Für meinen Sport sehe ich hier keine besondere Chance, allgemein ist es vielleicht eine Möglichkeit, sich wieder auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Was mir durchaus Sorge macht, ist die Tatsache, dass Menschen mit geistigen Einschränkungen im Falle einer Ansteckung mit Corona, die einen Aufenthalt in einer Klinik mit sich bringt, sehr auf sich alleine gestellt sind. Denn der Umgang mit diesem Personenkreis in Kliniken ist noch immer nicht normal, und in dieser Zeit kann auch die Unterstützung durch Eltern, Assistenten oder Betreuer nicht gegeben werden. Das beschäftigt mich sehr stark.


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