Gastkommentar

Foto: J. Konrad Schmidt / BMAS
Foto: J. Konrad Schmidt / BMAS

Von Dr. Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales 

Die Inklusion von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung im und durch den Sport ist eine große Aufgabe unserer gesamten Gesellschaft. Sie geht alle an.

Special Olympics Deutschland ist die deutsche Organisation der weltweit größten, vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannten, Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Sie ist für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ein wichtiger und verlässlicher Partner zur Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. SOD leistet durch das hohe und beständige Engagement seiner haupt- und ehrenamtlich Tätigen sowie der Unterstützung seiner Mitglieder und Förderer wertvolle Arbeit für das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen. Mit seinem breiten Leistungsspektrum trägt SOD über den Sport hinaus dazu bei, dass die Vorgaben der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in unserem Land erfüllt und gelebt werden.

In dem Eid von Special Olympics „Ich will gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, so will ich mutig mein Bestes geben!“ werden die Motivation und das Einfühlungsvermögen von Sportlerinnen und Sportlern mit und ohne Behinderungen wunderbar zum Ausdruck gebracht.

Unter dem Programmnamen „Special Olympics Unified Sports“ bietet SOD in verschiedenen Sportarten für Menschen mit und ohne Behinderung oder - wie SOD sie besser nennt - als Athletinnen und Athleten und Partnerinnen und Partnern Möglichkeiten an, gemeinsam Sport zu treiben, regelmäßig zu trainieren und an Wettkämpfen teilzunehmen. Im sportlichen Miteinander insbesondere im Mannschafts- oder Wettkampfsport sollen Menschen mit und ohne Behinderungen alle Formen von Bewegung, Freude, Sieg und Niederlage gemeinsam erleben können. Für diese Sportangebote von SOD gilt das alte olympische Motto „Dabei sein ist alles“.

SOD möchte mit dem Projekt „LIVE - Lokal Inklusiv Verein(tes) Engagement“ das Bewusstsein für Menschen mit geistiger Behinderung schärfen und die Achtung ihrer Rechte und ihre Würde fördern. Ziel des Projektes ist es, Kommunen im Aufbau von inklusiven Sportangeboten und bei der Entwicklung von nachhaltigen Sportstrukturen vor Ort zu begleiten.

In dem Projekt LIVE bringen sich Menschen mit Behinderungen selbst in die Arbeit vor Ort ein, um bessere Zugänge zu inklusiven Sportangeboten und Veranstaltungsformaten vor Ort zu erhalten. In fünf Modellregionen mit je fünf Standorten soll eine nachhaltige und bundesweite Anwendung sowie Nutzung der Projektergebnisse sichergestellt werden. SOD hat nun im Februar 2021 die Modellregionen festgelegt: Baden-Württemberg gemeinsam mit Hessen, Brandenburg, Hamburg gemeinsam mit Bremerhaven, Niedersachsen und Sachsen gemeinsam mit Sachsen-Anhalt. Mit dem Vorhaben werden mindestens 50 Menschen mit geistiger Behinderung als Teilhabe-Managerinnen und - Manager geschult. 

Ich hoffe sehr, dass trotz der anhaltenden Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen beim privaten Sporttreiben - auch in Einrichtungen der Behindertenhilfe - und dem Vereinssport das Projekt LIVE weiter durchstarten kann. Wenn eine Rückkehr zu einem Leben mit keinen oder nur wenigen Einschränkungen aufgrund des Corana-Virus wieder möglich ist, wird sich dies auch auf das Projekt LIVE positiv auswirken.

Die Projektlaufzeit dauert vom 1. Oktober 2020 bis 31. Dezember 2023. Die Fördersumme für das Projekt beträgt ca. 1,4 Mio. Euro und wird aus dem Haushalt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert.

Das Projekt begleitet inhaltlich und öffentlichkeitswirksam in Städten und Gemeinden die Vorbereitungen und Durchführung der Sportgroßveranstaltung „Special Olympics World Games (SOWG) 2023“ in Berlin. Mit dem Projekt sollen Klischees, Vorurteile und Stigmata gegenüber Menschen mit Behinderungen abgebaut und Zugänge zu (inklusiven) Sportangeboten erleichtert werden.

Die erfolgreiche Bewerbung für die Organisation der SOWG 2023 in Berlin ist ein Ergebnis der Inklusionskompetenz und vertrauensvollen Zusammenarbeit von SOD mit seinen Partnern, den Sport- und Behindertenverbänden sowie Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Für diese Bewerbung haben alle, die an den umfangreichen Vorbereitungen und der Erarbeitung der detaillierten und komplizierten Bewerbungsunterlagen beteiligt waren, großes Lob und Anerkennung verdient.

Vom 17. bis 24. Juni 2023 treten in Berlin 7000 Athletinnen und Athleten aus mehr als 170 Nationen in 26 Sommersportarten an. Im September 2020 startete das Volunteer-Programm für die weltweit größte inklusive Sportveranstaltung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Bis zu 20.000 Helfende sollen im Sommer 2023 zu einem unvergesslichen Erlebnis in Berlin beitragen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird die Vorbereitungen und das Rahmenprogramm für diese große internationale Sportveranstaltung im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen und begleiten. Bundesminister Hubertus Heil ist Mitglied im Weltspielekomitee der SOWG 2023. Sport und Inklusion sollen im Sinne der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen die Teilhabe von Menschen mit Behinderung und die öffentliche Bewusstseinsbildung weiter voranbringen. Besonders hervorzuheben ist das Host-Town-Programm. Drei Tage vor Beginn der SOWG 2023 werden 170 Nationen 170 Kommunen in Deutschland besuchen, um sich auf die Wettkämpfe vorzubereiten und Deutschland kennenzulernen.

Ein erster Testlauf wird bei den Nationalen Sommerspielen 2022 in Berlin stattfinden.

Nelson Mandela hat anlässlich des ersten Laureus World Sports Awards in Monaco im Jahr 2000 die bedeutungsvollen Worte: „Sport hat die Kraft die Welt zu verändern“ gesprochen. Ich erlaube mir zu ergänzen: „SOD und die gesamte Sportfamilie sind wichtige Wegbereiter in eine inklusive Gesellschaft“.


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