Editorial

Foto: SOD/Juri Reetz
Foto: SOD/Juri Reetz

Von Christiane Krajewski, Präsidentin SOD, und Sven Albrecht, Bundesgeschäftsführer

Dieser zu Ende gehende Sommer des Jahres 2020 war für uns in mehrfacher Hinsicht kein gewöhnlicher. Wir alle leben in herausfordernden Zeiten, und wir wollen hier nicht all die Probleme, Einschränkungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie noch einmal aufzählen.

Tatsache ist, dass sie Menschen mit geistiger Behinderung noch härter treffen als andere. Die Corona-Krise sorgt zurzeit dafür, dass die Barrieren für ein inklusives Sporttreiben im Sportverein wieder angestiegen sind. Die deutlichen Rückschritte bei der Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention im Sport und über den Sport hinaus sind bedrohlich.

Positiv ist jetzt die schrittweise Rückkehr in den Alltag, und es gibt auch wieder erste Bewegungsangebote für Menschen mit Behinderung. Hier leisten unsere Mitgliedseinrichtungen und Landesverbände gute Arbeit, um im Rahmen der Möglichkeiten und Hygienevorschriften das Beste zu ermöglichen. Es werden Leitfäden für Veranstaltungen und Wettbewerbe entwickelt, die diesbezüglichen DOSB-Aktivitäten und Empfehlungen mit eingebunden. Zudem wird bei SOD, in den Landesverbänden und beim LOC der Weltspiele 2023 intensiv an der Vorbereitung der großen Veranstaltungen der nächsten Jahre gearbeitet.

Der tägliche Blick auf die Corona-Zahlen zeigt jedoch, wie fragil die Situation und wie groß unsere gemeinsame Verantwortung für die Athletinnen und Athleten ist. Das ist allen bewusst, und wenn dieser besondere Sommer etwas gezeigt hat, dann ist es das Gemeinschaftsgefühl der Special Olympics Familie! Zu keinem Zeitpunkt war Pessimismus zu spüren, wir versuchten, „Gemeinsam stark“, mit neuen Ideen und Initiativen das Beste aus der Situation zu machen.

Bis unsere Zuversicht und Stärke in der Mitte des Sommers auf die härteste Probe gestellt wurde. Die noch immer unfassbare Nachricht vom Tod unseres Kollegen Timo Schädler hat uns geschockt, erschüttert und ganz auf uns selbst zurückgeworfen. Wohl jede und jeder in Timos Umfeld hat sich in diesen Tagen die Frage nach den Werten und Prioritäten im Leben erneut gestellt. Und doch erlebten wir diese erste Zeit der Trauer und Besinnung gemeinsam, nahmen mit seiner Verlobten und seiner Familie in einer berührenden und lebensbejahenden Feier Abschied.

Was wir in den ersten Augusttagen nach Timos Tod an Anteilnahme, Solidarität und Zusammenhalt erlebten, zeigte noch einmal deutlich, welche Werte in unserer Organisation gelebt werden. Die hohe Wertschätzung unseres Kollegen und das Mitgefühl gingen oft einher mit der Bestätigung, im richtigen Verband an der richtigen Sache zu arbeiten - verbunden mit einem unerschütterlichen Wir-Gefühl.

Das nehmen wir mit aus diesem Sommer, und wir brauchen diesen Gemeinschaftsgeist für alles, was an Herausforderungen auf uns zukommt. Nur gemeinsam können wir die Chancen nutzen, die sich für Menschen mit geistiger Behinderung in den nächsten Jahren aus der Vorbereitung der Weltspiele ergeben. Dass diese Chancen groß sind, zeigen momentan viele Gespräche auf Ministerebene in den Bundesländern hinsichtlich des Projekts „170 Nationen – 170 inklusive Kommunen“.

Es zeigt sich ebenso in der Unterstützung durch unserer Partner und Sponsoren, die auch in der Corona-Krise treu zu Special Olympics stehen. Dazu gehören die Lions Deutschland, mit denen uns eine lange Partnerschaft verbindet und die sich – wie im Gastkommentar von Wolfgang Tiersch nachzulesen – bereits jetzt in den Regionen und Landesverbänden für die kommenden Veranstaltungen engagieren.

So sehen wir mit Optimismus und Zuversicht nach vorn, fühlen uns durch die Ereignisse des Sommers 2020 – auf die wir gern verzichtet hätten - bestärkt in unserem Tun und unseren Zielen.

Lasst uns gemeinsam und gemeinschaftlich weiter für diese Ziele arbeiten!



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