Editorial

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Von Brigitte Lehnert, Erste Vizepräsidentin SOD

 

Warum ist es so gut, ein Ehrenamt zu übernehmen?

Jede und jeder von uns wird diese Frage etwas anders beantworten. Und doch eint uns Ehrenamtliche bei Special Olympics eines: Die Begeisterung für den Sport und der Respekt für die Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung.

Ehrenämter werden manchmal aus Zufall, manchmal aus persönlicher Betroffenheit, manchmal aus Begeisterung für eine Sache übernommen. Meistens kommt man wohl dazu aus der Überzeugung heraus, dass ehrenamtliches Engagement zu einem funktionierenden Gemeinwesen unabdingbar dazugehört. Der Staat kann und soll nicht alles richten, das Zusammenspiel von öffentlicher Hand, Wirtschaft und privat organisierten Initiativen machen eine gesunde Zivilgesellschaft erst aus. Deshalb ist das Ehrenamt so wichtig! Und deshalb tut es so gut, eines auszuüben.

In diesem Newsletter werden u.a. die neu berufenen Sportkoordinatoren der Sommersportarten vorgestellt. Sie bilden eine der wesentlichen Säulen unseres Verbandes, der zu einem großen Anteil durch ehrenamtliche Arbeit getragen wird. Gerade im Sport erfüllt das Ehrenamt seine große soziale Funktion; Aber noch mehr Bedeutung hat es im Sport für Menschen mit Behinderung und bei den vielen inklusiven Initiativen wie zum Beispiel Unified Sports. Jetzt, in der Zeit der Corona-Pandemie, vermissen wir sie schmerzlich - die sozialen Strukturen des Sports, die gemeinsamen Veranstaltung und die emotionalen Special Olympics Momente, die regelmäßigen Bewegungsangebote und den Austausch und die Begegnungen mit anderen.

Auch mir persönlich fehlt all das sehr! Ich bin seit 20 Jahren ehrenamtlich für Special Olympics tätig und für mich ist daraus ein wichtiger Teil meines Lebens geworden, an dem auch mein gesamtes privates Umfeld Anteil hat.

Das Wunderbare an diesem Ehrenamt ist, dass so unmittelbar erlebbar ist, wie viel zurückgegeben wird von unseren Special Olympics Athletinnen und Athleten, von Menschen, die durch und mit dem Sport aktiv teilhaben am gesellschaftlichen Leben, die ihre Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein entwickeln, die wachsen durch die Anerkennung, die sie bekommen.

Menschen wie mein Präsidiumskollege und SOD Athletensprecher Mark Solomeyer, mit dem mich mittlerweile auch eine persönliche Freundschaft verbindet. Menschen wie Daniela Huhn, Dennis Mellentin, Roman Eichler, Stefanie Wiegel, Albin Hofmayer, Jörg Trute oder Christoph Schmitz und all die Athletinnen und Athleten von Special Olympics, die ich hier leider nicht alle nennen kann, die ich aber ebenso wertschätzen gelernt habe. Sie sind meine Motivation. Von ihnen lerne ich. Durch sie erlebe ich, was mein Engagement bewirken kann.

Die namentlich Genannten stehen selbst beispielhalft für ehrenamtliches Engagement. Sie sind Athletensprecherinnen und Athletensprecher und – um im Bild zu bleiben – ebenfalls eine tragende Säule unseres Verbandes. Als Partner waren und sind wir gemeinsam stark bei Präsidiums- und Gremiensitzungen, bei Mitgliederversammlungen, bei Pressekonferenzen und Podiumsdiskussionen.

Kaum etwas kann das Ergebnis unserer ehrenamtlichen Arbeit besser zeigen als die lebendigen, emotionalen Präsentationen unserer selbstbewussten Athletinnen und Athleten, die mit Sachkenntnis, Charme und Witz agierten. Ich denke, das ist ein guter Weg, Barrieren abzubauen und Einstellungen in der Gesellschaft zu verändern.

Dass sich in den letzten Jahren der Kreis von Menschen mit geistiger Behinderung, die sich bei Special Olympics ehrenamtlich engagieren, immer weiter vergrößert, ist nicht nur folgerichtig, sondern auch in jeder Hinsicht überzeugend. Übungsleiterassistenten, Sportbeauftragte oder Bewegungs- und Gesundheitsexpertinnen und –experten bewähren sich in einigen Landesverbänden bereits in der Praxis. Wieder ein großer Schritt hin zu Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe!

Ich möchte an dieser Stelle aber auch ein generelles Statement geben. Ein Ehrenamt bedeutet nicht nur Ehre, sondern auch Amt, das heißt Verantwortung, Pflichtgefühl, Bereitschaft, manchmal auch Frust, oft harte Arbeit. Und gerade bei SOD mit einem sehr schmalen hauptamtlichen Bereich geht es auch für die Ehrenamtler um konkrete Arbeit, die erledigt werden muss.

Gegenseitige Wertschätzung und Respekt sind dabei von großer Bedeutung: Ohne Frage tun öffentliche Anerkennung und auch Ehrungen allen Ehrenamtlichen gut, aber noch wichtiger ist die Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit im Alltag. Und die kann sich durchaus mal im Verständnis dafür äußern, dass es gelegentlich noch andere Prioritäten im Leben auch der engagiertesten Ehrenamtler gibt …

Daher ist es wichtig, nicht allein zu sein mit den oft umfangreichen Aufgaben: Denn ein ehrenamtliches Engagement ist niemals ein Alleingang, sondern alle, die sich ehrenamtlich engagieren, haben und brauchen Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die denselben Weg gehen. Gemeinsam stark!

Und, das sollten wir niemals vergessen: Hinter jeder und jedem Ehrenamtlichen steht meist eine Partnerin, ein Partner, eine Familie, die nicht selten zurückstecken müssen, um uns den Freiraum zu schaffen, das zu tun, was wir tun wollen. Insofern ist die Übernahme eines Ehrenamts meist auch eine Familienangelegenheit.

Deshalb gilt meine Wertschätzung und Anerkennung der gesamten großen Special Olympics Familie: Allen, die den Ehrenamtlichen im Präsidium, in den Landesverbänden und in all den Arbeitsgremien auf Bundes- und Länderebene zur Seite stehen sowie den Familien, die das jeweilige Amt mittragen. Sie alle haben einen großen Anteil daran, dass die ehrenamtliche Arbeit bei Special Olympics erfolgreich und in hohem Maße befriedigend ist!


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