Gastkommentar

Von Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, Vizepräsidentin Deutscher Olympischer Sportbund

Das ehrenamtliche Engagement ist für den organisierten Sport von zentraler Bedeutung. Sportverbände und -vereine, wie wir sie heute in Deutschland kennen, könnten ohne die Bereitschaft von Menschen, sich in vielfältiger Weise für andere einzusetzen, nicht existieren. Das Ehrenamt und das freiwillige Engagement sind der Kern einer aktiven Zivilgesellschaft und das gilt in besonderer Weise für den Sport.

Aus Befragungen und Studien wissen wir, dass die Motive und die Motivation für ein ehrenamtliches Engagement sehr unterschiedlich sein können und sich im Laufe der Zeit auch ändern. Gründe dafür sind u.a. in der demografischen Entwicklung und in den Veränderungen der Lebenswelten zu suchen. Deshalb sind wir aufgerufen, neue Wege der Engagementförderung zu beschreiten.

Das zeigt sich jetzt sehr stark in den Zeiten der COVID-19-Pandemie, in denen das soziale Miteinander extrem eingeschränkt ist und die vielfältigen Formen der herkömmlichen Kontakte und des sozialen Austausches ersetzt werden durch digitale Formate. Dabei wird es darauf ankommen, dass es uns gelingt, trotz körperlicher Distanz die soziale Nähe zu bewahren.

Ein besonders wichtiger Aspekt des ehrenamtlichen Engagements ist, dafür Sorge zu tragen, dass der Einsatz der Engagierten gewürdigt wird und diese Wertschätzung bei vielen Anlässen zum Ausdruck gebracht wird. Im DOSB und seinen Mitgliedsorganisationen gibt es dazu eine Reihe von Initiativen und Veranstaltungen, bei denen den ehrenamtlich Engagierten öffentlich gedankt wird und dies auch medial verbreitet wird. Das können beispielsweise die Verleihung von Ehrennadeln, Zeugnissen und Zertifikaten sein oder große Wettbewerbe mit Auszeichnung für Sportvereine und ihre Engagierten, z.B. bei den „Sternen des Sports“.

Im kürzlich veröffentlichten „Policy Paper“ des Stifterverbandes wird hervorgehoben, dass sich viele junge Menschen wünschen, durch ihr Engagement Gesellschaft mitzugestalten, sich über ihr Engagement aber auch qualifizieren und hiervon profitieren möchten. Sportvereine sind Lehr- und Lernorte, sie ermöglichen die Mitwirkung und Beteiligung von Menschen unterschiedlicher Generationen und unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Und sie sind Orte, an denen Menschen mit und ohne Behinderung im Sinne der Inklusion aktiv sein können.

Wichtig ist es mir hervorzuheben, dass gerade die Entwicklung von SOD zeigt, wie vielfältig das Engagement im Ehrenamt sein kann, so z. B. als Athletensprecherinnen und -sprecher, als Übungsleiter-Assistentinnen und -Assistenten, als Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter und in verschiedenen Funktionen in den Gremien der Sportorganisation.

Gerade bei SOD zeigt sich, dass und wie es gelingen kann, dass sich Menschen mit geistiger Behinderung in unterschiedlicher Weise freiwillig engagieren können und wie dieses Engagement Wertschätzung erfährt. Das ist sicherlich beispielgebend für andere Organisationen im Sport und in anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Jede und jeder, der sich im Sport ehrenamtlich engagiert, trägt zum sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft bei und verdient unser aller Respekt und Anerkennung.


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