Mitbestimmung wird bei SOD nicht nur groß, sondern auch leicht verständlich geschrieben

„Wir reden mit bei SOD“

… das sagt Mark Solomeyer, SOD-Vizepräsident und Athletensprecher in einem Interview. Die Meinungen der Athletinnen und Athleten einzuholen und sie einzubinden, ist bei Special Olympics Deutschland (SOD) und vor allem in der SOD Akademie schon seit 10 Jahren Schwerpunkt. Das SOD-Athletensprecherprogramm – strukturell der SOD Akademie zugehörig - bietet gute Möglichkeiten, ehrenamtliches Engagement bei SOD zu leben und teilhaben zu können. Vor 10 Jahren tagte der erste - jetzt Fachausschuss Athletensprecher genannte – Ausschuss. Zu dem Zeitpunkt waren Athletenvertreterinnen und Athletenvertreter aus jedem Landesverband eingeladen. Es kamen 12 Athletinnen und Athleten zusammen.

Seit 2020 hat sich in jedem Landesverband ein Athletenrat gegründet. Die Athletenräte bestehen aus zwei bis sieben Athletensprecherinnen und Athletensprechern. Sie sind das Sprachrohr der Athletinnen und Athleten im Landesverband. Der bzw. die Vorsitzende des Athletenrates gehört dem Präsidium des Landesverbandes an. Die Mitglieder des Athletenrates vertreten Special Olympics und ihren Landesverband in der Öffentlichkeit und werden als Expertinnen und Experten in eigener Sache zu Sitzungen im Landesverband, aber auch zu externen Veranstaltungen hinzugebeten.

Bei Special Olympics Deutschland treffen sich die Vorsitzenden der Athletenräte zweimal im Jahr im Fachausschuss Athletensprecher. Ab 2021 werden sie vier Mal im Jahr tagen. Es gibt eine Menge zu besprechen. SOD wünscht sich zu vielen Themen die Meinungen und Stimmen der Athletinnen und Athleten. Im Fachausschuss diskutieren die Vorsitzenden der Athletenräte über ihre und über SOD-Themen. So hat beim jüngsten Fachausschuss die Wahl einer Athletenvertretung in das SOD-Schiedsgericht stattgefunden. Verbandsthemen wie aktuell die Regelung zur Nominierung für die Nationalen Spiele 2022, der Startpass oder die Begrifflichkeit „geistige Behinderung“, werden leicht verständlich aufbereitet und rege diskutiert.

Athletensprecherinnen und Athletensprecher gehen online

Vielen Athletinnen und Athleten fehlen die Bedingungen, um am digitalen Austausch teilnehmen zu können. Dies stellt eine große Herausforderung für den gesamten Verband dar. Dennoch: Auch wenn es zu Anfang eine technische Herausforderung war, schaffen es derzeit zumindest zwei Drittel der Vorsitzenden Athletensprecherinnen und Athletensprecher online zu gehen. Ermöglicht wird das durch die Unterstützung von assistierenden Personen im Umfeld oder im Landesverband und auch durch die Hilfe von SOD- Mitarbeitenden. Bei einigen Meetings wählen sich die Athletensprecherinnen und Athletensprecher mit ihren Handys ein, soweit es WLAN gibt und genug Datenvolumen vorhanden ist. Wenn nicht, ist auch hier eine Teilhabe sehr erschwert. So haben einige Athletensprecherinnen und Athletensprecher weiterhin nicht die Möglichkeit teilzunehmen, weil es an Assistenzleistungen mangelt, die Hardware nicht gegeben ist oder das Wissen fehlt, damit umzugehen.

Die größte Herausforderung zu Zeiten der Pandemie ist somit zum einen, die Voraussetzungen - wie etwa Hardware - für einen digitalen Zugang zu schaffen, zum anderen, die Athletinnen und Athleten zu befähigen, online zu gehen.

Gemeinsames Arbeiten: Vor- und Nachbereitung sind das A und O

Im Zuge der Vorbereitungen für die Weltspiele und in der Verbandsarbeit von SOD nehmen mehr und mehr Athletinnen und Athleten an Sitzungen von SOD und in Arbeitsgruppen des Organisationsbüros der Weltspiele Berlin 2023 (LOC) teil.

Hierbei sind die leicht verständliche Vor- und Nachbereitung der Inhalte dieser Sitzungen sehr wichtig, damit die Athletinnen und Athleten folgen und sich einbringen können. Während der Sitzungen wird über Assistenzen versucht, das Verständnis zu sichern.

„Wir brauchen Leichte Sprache, wenn wir mitreden wollen“, so Mark Solomeyer. „SOD hat schon einiges gemacht wie eine Internetseite oder Regelwerke in Leichter Sprache. Aber es muss noch mehr werden.“ Mittlerweile wurden 17 Regelwerke in Leichter Sprache erarbeitet. Leichte Sprache hält auch immer mehr Einzug in die internen Arbeitsabläufe und gewinnt immer mehr an Wichtigkeit. Je mehr Athletinnen und Athleten ehrenamtlich oder auch im Hauptamt bei SOD tätig werden, umso mehr müssen die Voraussetzungen zur Teilhabe geschaffen werden. Leichte Sprache ist ein wichtiges Instrument der Teilhabe und stellt für die Athletinnen und Athleten sicher, in ihrem Verband mitsprechen zu können.

Natürlich bieten die Sitzungen auch die Möglichkeit eines Austausches. Da Sport zurzeit nicht stattfinden kann, die sozialen Kontakte minimiert sind, bietet auch ein digitales Arbeitsmeeting im Ehrenamt die Möglichkeit, sich zu sehen und zu sprechen. Das bedeutet allen sehr viel. Auch wenn sich natürlich alle auf die Zeit freuen, in der man sich wiedersehen gemeinsam Sport machen kann.

Weiterbildung für Athletinnen und Athleten, aber auch für Mitarbeitende

Durch Fortbildungen für Athletensprecherinnen und Athletensprechern ermöglicht die SOD Akademie die Ehrenamtsarbeit zu erlernen und zu verbessern. Es werden Fortbildungen zum Beispiel zu den Themen Selbstvertretung/Mitbestimmung und Öffentlichkeitsarbeit angeboten. In diesen Fortbildungen erhalten sie das Handwerkzeug, um sich selbst, aber auch Special Olympics gut repräsentieren zu können.

Fortbildungen gibt es auch in den Bereichen
• Übungsleiter-Assistenz
• Gesundheit
• Sportbeauftragte in Einrichtungen

Einige Themen werden jetzt nach und nach auch online angeboten. Hier ist der Überblick über die für 2021 bisher geplanten Schulungen in Leichter Sprache zu finden: Bildungsangebote 2021 in Leichter Sprache

Darüber hinaus steht bei der SOD Akademie die Sensibilisierung von Mitarbeitenden auf dem Programm, um ein inklusives Arbeiten bei SOD und im LOC sicherstellen zu können. Interne Schulungen, Leitfäden und Expertenaustausch helfen beim gemeinsamen Arbeiten.

“Mitarbeitende und Athletinnen und Athleten lernen voneinander und erproben in der Praxis, wie eine Zusammenarbeit am besten gelingen kann“, sagt Sven Albrecht, SOD-Bundesgeschäftsführer und CEO der Weltspiele 2023. „In den kommenden Jahren haben wir mit den Nationalen Spielen 2022 und den Weltspielen 2023 in Berlin ganz neue Chancen und Möglichkeiten der Beteiligung und Teilhabe von Athletinnen und Athleten. ‚Spiele von und für Athletinnen und Athleten‘ – das bedeutet für uns, die Sportlerinnen und Sportler kontinuierlich in die Vorbereitung dieser Großereignisse einzubeziehen und die inklusive Zusammenarbeit stetig weiterzuentwickeln.“



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