Editorial

Foto: SOD/Juri Reetz
Foto: SOD/Juri Reetz

Von Christiane Krajewski, Präsidentin Special Olympics Deutschland

Der Rückblick auf dieses besondere Jahr 2020 gliedert sich in zwei Teile: Die Zeit vor Corona und die Zeit mit Corona. Diese Sichtweise teilen wir mit der gesamten Gesellschaft. Wir alle befinden uns in einer Ausnahmesituation, die uns ganz explizit erleben lässt, wie wichtig und existenziell die Werte der Special Olympics Bewegung für unser Zusammenleben und den gemeinsamen Sport sind.

Rückblickend können wir für Special Olympics Deutschland - den Bundesverband sowie die Landesverbände und das Organisationskomitee der Weltspiele 2023 - sagen: Wir haben beide Etappen mit großem Einsatz, mit Kompetenz, Teamgeist und einem noch gewachsenen „Wir“-Gefühl gemeistert, unterstützt von verlässlichen Förderern, Partnern und einem großen gesellschaftlichen Netzwerk.

Das Jahr 2020 begann für uns mit einem ganz großen Highlight - mit der Vertragsunterzeichnung für die Weltspiele in Berlin und einem dreitägigen Programm mit den höchsten SOI-Repräsentanten. Wesentlich mitgestaltet vom Team der Athletensprecherinnen und Athletensprecher gab es eine Reihe wichtiger Gespräche, Workshops und Meetings. Höhepunkt war die Unterzeichnung im Schloss Bellevue mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seiner Gattin Elke Büdenbender – ein würdiger offizieller Auftakt der Vorbereitungen auf die weltweit größte inklusive Sportveranstaltung 2023 in Berlin.

Die Nationalen Winterspiele in Berchtesgaden Anfang März 2020 waren sehr gut organisiert, die Stimmung war großartig. Aber mit jedem Tag nahmen die Schatten der nahenden Corona-Epidemie zu. Es gab ein insgesamt gutes Krisenmanagement und eine sehr gute Kooperation mit den örtlichen Behörden sowie Verständnis und Rückhalt durch die teilnehmenden Delegationen. Wir haben jeden Tag abgewogen, und wir haben Glück gehabt. Im Oktober 2020 zeigten sich bei der abschließenden Kuratoriumssitzung in Berchtesgaden alle Beteiligten überaus zufrieden, denn die Winterspiele waren für alle Beteiligten ein großartiges Erlebnis und die angestrebte Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen wird funktionieren.

Seitdem leben wir mit Corona: Lockdown im Frühjahr, keine Veranstaltungen, kein Sport, kaum Kontakte - dennoch sind wir als Verband vergleichsweise gut durch diese Zeit gekommen, sind noch immer einer der wenigen Verbände ohne Kurzarbeit. Das BMI unterstützt uns mit Projektmitteln, um die herausfordernde Zeit zu meistern. Unsere Partner und Unterstützer wie die Premium Partner ABB und Würth sind bei uns geblieben, es konnten sogar neue, wie z.B. Toyota, gewonnen werden. Auch die KKH bleibt uns als Partner erhalten.

Tatsache ist jedoch, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie Menschen mit geistiger Behinderung noch härter treffen als andere. Die Corona-Krise sorgt dafür, dass die Barrieren für ein inklusives Sporttreiben im Sportverein wieder angestiegen sind. Die deutlichen Rückschritte bei der Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention im Sport und über den Sport hinaus sind bedrohlich. Es ist und bleibt unsere Verantwortung, darauf aufmerksam zu machen, denn dieses Thema spielt nach wie vor eine viel zu geringe Rolle in der öffentlichen Debatte.

Für immer wird dieses Jahr für uns alle mit einem schmerzlichen Verlust verbunden bleiben: Der Tod unseres Kollegen Dr. Timo Schädler hat jeder und jedem von uns noch einmal vor Augen geführt, welche Werte wichtig sind im Leben und was Gemeinschaft und Zusammenhalt bedeuten. Timo bleibt unvergessen und wir tun gut daran, die Arbeit in seinem Sinne fortzuführen. Jetzt sind wir dabei, seine Aufgaben bestmöglich zu verteilen, haben die Bundesgeschäftsstelle im September neu aufgestellt.

Am Ende dieses Jahres können wir sagen: Die berühmte Chance, die jede Krise bietet, haben wir genutzt. Neue Kommunikationsformen, der Ausbau der Netzwerke, die hohe Motivation durch die großen Highlights Weltspiele 2023 oder auch das Projekt „170 Nationen - 170 inklusive Kommunen“ bringen uns als Verband und in den Regionen voran. Es wurde trotz – zum Teil auch aufgrund – Corona sehr intensiv gearbeitet. Es gibt neue Projekte, viele Landesverbände arbeiten an der Vorbereitung ihrer Landesspiele 2021 und haben dabei mit großen Corona bedingten Herausforderungen zu kämpfen.

Denn angesichts der Zahlen und Maßnahmen der Corona-Epidemie stehen wir jetzt, Ende November 2020, vor einer ungewissen Zukunft hinsichtlich des inklusiven Sports, unserer Veranstaltungen und Wettbewerbe und ganz allgemein der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Wir sehen dennoch guten Mutes nach vorn, getragen vom Optimismus unserer Athletinnen und Athleten! Denn wir haben in diesem Jahr auch erfahren dürfen, dass die große Special Olympics Familie für viele ein großer Halt in schwierigen Zeiten ist und dass der Ausblick auf die Highlights der nächsten Jahre jetzt vielen das Durchhalten erleichtert. Also lasst uns gerade jetzt „Gemeinsam stark“ sein und weiter an unseren Zielen arbeiten!

Unser Dank - da spreche ich im Namen des gesamten SOD-Präsidiums - für die großartige Arbeit in diesem für alle schwierigen und ungewöhnlichen Jahr geht an unsere Athletinnen, Athleten und Unified Partnerinnen und Partner, an die Präsidenten der Landesverbände und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an die vielen Ehrenamtlichen, an die Trainerinnen und Trainer vor Ort, an die Nationalen Koordinatoren, an die Clinical Directors, Beiratsvorsitzenden und Mitglieder der Fachausschüsse und Arbeitsgruppen sowie an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle und des Organisationskomitees der Weltspiele 2023.

Ihnen allen wünsche ich eine schöne Adventszeit. Bleiben Sie gesund und optimistisch –

Ihre Christiane Krajewski

 

 

 


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