Vorgestellt: Sabine Schmieder, Familienbeauftragte von Special Olympics Bremen

Seit wann sind Sie bei SOD, wie kamen Sie zu Special Olympics?

…seit fast acht Jahren. Darauf angesprochen hatte mich unsere zu der Zeit 1.Vorsitzende Ingelore Rosenkötter, die ich durch den Sport schon lange kenne und der ich dafür heute noch sehr dankbar bin.

Welche Momente haben Sie in Ihrer ehrenamtlichen Arbeit für SOD besonders bewegt?

…viel, aber ganz spontan ein ganz tolles Sirtaki-Tanzprojekt. Eine Mutter hatte dieses ein halbes Jahr lang „jeden Dienstag“ mit den Familien, mir und Athlet*innen geübt. Bei den anschließenden Landesspielen wurde die Arbeit dieser Person nicht wirklich wertgeschätzt. Da habe ich begriffen, dass die Familien doch ziemlich hintenanstehen.

… eine Bewohnerin der Lebenshilfe Bremen hat sich ein knappes Jahr ehrenamtlich darauf vorbereitet, die Prüferinnen-Ausbildung vom LSB Bremen im Bereich Deutsches Sportabzeichen zu absolvieren. Seit vier Jahren nimmt diese Frau für den Stützpunkt Bremen das Deutsche Sportabzeichen ab und ist mittendrin. Diese Sätze - so ihre Betreuerin und Bezugsperson (!) - kann man auch in den Entwicklungsberichten lesen.

…im Februar 2022 werden fünf meiner Boccia-Athlet*innen zu Übungsleiter-Assistent*innen ausgebildet. Ich bin als Trainerin dabei. Ein nächster Schritt. Auch für deren Eltern und Bezugspersonen.

… und als Delegierte für alle Bremer und Bremerhavener Athlet*innen und Familien bei den Nationalen Spielen in Düsseldorf, Hannover und Kiel gewesen zu sein. Es war großartig.

Spielen Emotionen bei Ihnen und den Familien, die Sie betreuen, eine besondere Rolle?

… ja. Ich habe meine/unsere drei Kinder mit 37, 38 und 39 Jahren bekommen. Sie hätten auch eine Beeinträchtigung haben können. Ich denke, ich kann mich ganz gut in die Eltern hineinversetzen. Bis auf die Familienbeauftragte SOD haben alle Familienbeauftragten ein Kind mit Beeinträchtigung.

Als ich das mitbekommen habe, fühlte ich mich anfangs nicht so ganz wohl damit. Hatte auch vor, mein Amt als Familienbeauftragte abzugeben. Die Familienbeauftragte SOD, Andrea Liebich, holte mich da aber schnell wieder von runter: Es ist gut, dass auch Familienbeauftragte ohne ein Kind mit Behinderung dabei sind, damit zwischendurch auch der Blick in beide Richtungen geht…wie wahr.

Wie können Sie Ihre berufliche Tätigkeit mit Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für SOD verbinden?

…sehr gut. Es profitieren jeweils beide Seiten. Ich arbeite bei der Lebenshilfe Bremen. Die Bewohner*innen haben angefangen, sich aus den Wohngruppen/Gemeinschaften heraus sportlich zu bewegen. Mit Unterstützung der jeweiligen Stammbetreuerin*innen. Es wurden Kooperationen gegründet mit Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit. Viele sind durch den Sport Vereinsmitglied geworden. Dieser Verein wiederum Mitglied bei SO. Das bedeutet Teilhabe am sportlichen Leben - immer mit anderen Menschen zusammen!

Als Übungsleiterin seit 36 Jahren und selbst Sportlerin (Marathon/Triathlon/Leichtathletik/ Ballspiele) kenne ich auch fast alle Vereine und Funktionäre. Das ist ein Vorteil.

Ehrenamt SO: Was die „jüngeren“ Athlet*innen mit ihren Familien, die wir für den Nachwuchs SO ja gern auch hätten, angeht, sind diese mittlerweile auch schon ganz gut in den Kindergruppen der Vereine integriert. Zumindest in meinem Verein. Über die Einrichtungen, die wegen Corona lange nicht für Besuche bereit sein durften, können jetzt wieder Gespräche aufgenommen werden, zum Beispiel mit Familienunterstützenden Diensten und Kindergärten. Vielleicht mit einem neuen aktuellen „Familien“-Flyer/Sport bei SO?

Auch erhoffe ich mir durch unsere neue Sportserie, die unsere Bremer Geschäftsstelle ganz toll organisiert hat, „noch mehr“ neue Gesichter und entsprechende Kontakte über Vereine. Auch merke ich immer mehr, dass für die Athlet*innen, die keine Familien/Eltern mehr haben, die Betreuer*innen eine immer größer werdende Rolle spielen. Diese werden aber keine Mitglieder bei SO. Auch verständlich! Ein großes Thema- auch wenn man Beruf und Ehrenamt gut verbinden kann…

Was macht für Sie den besonderen Reiz aus, Familienbeauftragte in Ihrem Landesverband zu sein?

…da ich seit 36 Jahren auch Prüferin für das sportlich vielseitige Deutsche Sportabzeichen bin, schaue ich genau hin, um zu sehen, in welche sportliche Richtung alle Athlet*innen in Begleitung ihrer Familien/Betreuer*innen/Angehörige/Familienunterstützende Dienste noch gehen könnten. Auch versuche ich gern, die Familien und besonders auch die Familienunterstützenden Dienste mitzunehmen bzw. den Kontakt zu suchen, soweit es erwünscht ist. Das Jahr vor Corona waren tatsächlich auch Familienunterstützende Personen bei der Sportabzeichen-Abnahme dabei. Jetzt fange ich hier wieder von vorne an…d. h. ich mache viel über den Sport.

Die „Begleitung“ für Berlin 2022 für meine Boccia-Gruppe werden auch Familien sein. Und überall, wo wir auftauchen, sind wir gemeinsam mit anderen Sportler*innen zusammen. D. h. die Inklusion ist mir wichtig. Wir machen nichts allein und alle merken, wie toll das ist. Das Selbstbewusstsein steigt bei vielen Athlet*innen! In Bremen kennt man uns schon.

Freuen wir uns bei SOB über die Familien, die zufrieden dabei sind und akzeptieren die Familien, die nicht dabei sein möchten. Wir müssen keine Rekorde aufstellen. Und wer sich als (Einzel) Mitglied im Verein schon immer wohl fühlt, geht nicht immer unbedingt zusätzlich noch als Einzel/Familien - Mitglied zu SO. Im günstigen Fall ist der Verein Mitglied bei SO. Und die Familien…? Die sind auch in dem Verein…oder auch nicht. Auch das bleibt ein großes Thema als Familienbeauftragte.

Wie können Sie am besten abschalten, um Kraft für neue Aufgaben zu tanken?

…am besten etwas machen, wo ich mich wirklich drauf konzentrieren muss, sonst wird das nichts. Zum Beispiel Stand-up-Paddling, Schwertkampf und besser Musik-Noten lernen usw.

Um einen klaren Kopf zu bekommen, muss ich mindestens 15 km Walken oder doppelt so viel Radfahren und immer Stift und Zettel in der Tasche haben. Eventuell pilgere ich 2022 mit der Bremer Domgemeinde durch Italien nach Rom.

Meine Familie erinnert mich auch gern daran, das Smartphone beiseitezulegen und lieber das Buch aufzuschlagen. Das war diesen Sommer mehr als knapp.

Was liegt Ihnen für die Zukunft von SOD besonders am Herzen?

…dass tatsächlich immer „alle“ mitmachen können. Special heißt Special und ist „Breitensport“.

… dass die Familien immer ein Teil von SO bleiben.

Gibt es etwas, was Sie generell einmal anmerken wollen?

…ja, der SO-Eid gefällt mir gar nicht. Pädagogisch nicht wertvoll! Ich würde ihn von hinten anfangen. Ich will mutig mein Bestes geben und wenn ich nicht gewinnen kann…

…Danke an Ina Kirchenwitz (bei SOD für Veranstaltungsmanagement) für uns Familienbeauftragte, die uns alle immer nett im Griff hat!

…Danke Andrea Liebich als Familienbeauftragte SOD für ihre immer sehr engagierte Arbeit auch mit uns.

Ich persönlich verspreche mir und uns ein gutes Weiterkommen, einen guten Austausch, sowie Miteinander durch die jetzt regelmäßigen digitalen Treffen vieler Familienbeauftragten aus den verschiedenen Landesverbänden. Das gefällt mir sehr gut! Einmal im Jahr ist definitiv zu wenig!

Wenn Sie es in einem Satz zusammenfassen müssten: Was ist für Sie Special Olympics?

…eine wirklich großartige absolut nicht wegzudenkende Sportbewegung und Familie (herrlich hier ist die Familie ganz oben!) mit großen Emotionen sowohl in die eine als auch in die andere Richtung.

Was können wir tun, damit noch mehr Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung und Ihrer Familien zu Special Olympics finden?

… für die Verjüngung, die Verbindung mit den Kindergärten/Schulen/Familienunterstützende Dienste unbedingt weiter - oder jetzt nach Corona wieder weiter - aufrechterhalten.

…Durch Corona sind in Bremen dieses Jahr unsere Landesspiele ausgefallen. Mit einer „Sportserie“, d. h. jede Sportart einzeln auszuführen, war das ganze Jahr 2021 in Bremen etwas los. Auch mit den Familien. Und vor allem mit den dadurch kooperierenden Vereinen! So hat es richtig Spaß gemacht, SO überall - auch bei den Familien -, zu zeigen und bekannt zu machen. Unbedingt weiter so.

…nächstes Jahr lade ich als Trainerin mit unserer Boccia-Truppe eine Fachschule/Klasse für Heilerziehungspflege ein. Eine unserer Unified-Spielerin geht dort zur Schule. Darauf freue ich mich sehr.



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