Von Athleten für Athleten - Expertise gefragt

Sportdirektor Yihuan Chang (XY), Athletensprecher Dennis Mellentin (33) und Sportstätten-Manager Robert Fischer (33) bei der Ortsbefahrung in Grünau.

Es sollen Weltspiele von Athleten für Athleten werden - das ist Konsens auch schon in der Vorbereitung der Special Olympics World Games Berlin 2023. Und so ist der Rat von Athletinnen und Athleten beispielsweise bei der finalen Auswahl der Sportstätten gefragt. Rad-Athlet Dennis Mellentin hat mit den LOC-Fachleuten schonmal die Radstrecken getestet:

Drei Männer stehen mit ihren Fahrrädern auf einer Straße früh morgens in Grünau. Hier zwischen einem Stückchen Wald und dem Fluss Dahme im Südosten Berlins ist die trubelige Großstadt ganz weit weg. Der Asphalt ist noch etwas feucht von der Nacht. Kritische Blicke von links nach rechts, von oben nach unten. Jeder kleine Riss im Asphalt wird begutachtet, die drei Männer machen Fotos und messen mit den Händen Abstände in der Luft, diskutieren. Einer von ihnen, Dennis Mellentin, nickt zustimmend, die Breite der Straße sollte gerade ausreichend sein. Dann erblickt er den Parkplatz voller Schotter. „Wenn die Athleten hier drehen müssen“, sagt er, „dann haben wir ein Problem.“

Mellentin muss es wissen. Der Radfahrer aus Berlin hat so ziemlich alles abgeräumt, was man bei den Special Olympics gewinnen kann: Das komplette Medaillen-Set bei Nationalen Spielen, mehrfacher Sieger bei Landesspielen und natürlich das Highlight seiner Karriere – zwei Bronzemedaillen bei den Special Olympics World Games 2019 in Abu Dhabi. „Bei der Siegerehrung habe ich sofort losgeheult“, sagt Mellentin und klopft einmal auf den Lenker: „Das war mit dem Fahrrad, auf dem ich gerade sitze“

Doch heute in Grünau ist nicht sein Rad, sondern sein Rat gefragt. LOC-Sportdirektor Yihuan Chang und Sportstätten-Manager Robert Fischer sind auf der Suche nach der passenden Radstrecke für die Nationalen Spiele 2022 und für die Special Olympics World Games 2023 in Berlin. Triathlon, Rad-Sprint und längere Distanzen – die Anforderungen an einen möglichen Austragungsort sind komplex. Aktuell kommen dafür noch mehrere Bereiche in Berlin in Frage. Gerade deshalb ist Mellentins Einschätzung aus Sicht der Athletinnen und Athleten so wichtig für das LOC-Team.

„Die Sicherheit ist immer das Wichtigste“, sagt Sportdirektor Chang. Das fängt bei der Breite der Strecke an, umfasst den Abstand zur parallel zur Straße verlaufenden Tramlinie und geht bis zur Beschaffenheit des Asphalts auf dem Parkplatz – dem möglichen Umkehrpunkt für längere Distanzen. Sportstätten-Manager Fischer sagt mit Blick auf den unebenen Untergrund: „Wir könnten fest verschraubte Platten drüberlegen, dann sollte es sicher sein.“ Athlet Mellentin überlegt –und nickt. Das sollte passen.

Das Team bespricht noch Details, wertet Grünaus Vorteile (z.B. keine Steigung, Nähe zu den Kajak-Wettbewerben) und Nachteile (z.B. Breite der Strecke für Dreiräder, Nähe zur Tramlinie) aus – und schon schwingen die drei sich wieder aufs Rad. Nächster Halt: Messe Berlin, ganz im Westen der Stadt.

Hier könnte der Startpunkt für die Radwettbewerbe sein. Von der Messe geht es etwa fünf Kilometer bis zum Teufelsberg, der legendären Abhörstation der US-Amerikaner während des Kalten Kriegs. Aber heute geht es ja nicht um Geschichte, sondern um die Zukunft. „Der Asphalt ist phantastisch“, sagt Mellentin und haut in die Pedale. „Da bekomme ich gleich Lust auf ein Rennen.“ Am Teufelsberg gibt es eher andere Probleme: Die Straße hat teilweise eine leichte Neigung und an dessen Ende kommen die Athletinnen und Athleten mit ordentlich Geschwindigkeit an. Zu riskant? „Die Stelle müssen wir entschärfen, damit es nicht zu Unfällen kommt“, sagt Sportdirektor Chang nachdem er sich Mellentins Einschätzung angehört hat.

Denn egal, welche Radstrecke es am Ende wird, gerade in der frühen Organisation der Special Olympics World Games gilt das Motto: von Athleten, für Athleten.

LOC Berlin 2023 



© Special Olympics Deutschland e.V.   |   Website von Kombinat Berlin