Vanessa Giesenberg

langjährige Athletensprecherin SO Bremen, Sportart: Radfahren, Arbeit: Kerzenwerkstatt im Martinshof Bremen, Wohnen: allein, selbständig

In der Corona-Zeit habe ich am meisten vermisst, dass man nichts mehr machen konnte, keinen Sport und niemand treffen und sehen konnte. Ich wohne allein und war dann auch die ganze Zeit alleine, das fand ich schlimm.

Wir haben viel telefoniert, auch mit Video, das kannte ich vorher schon und das war okay. Aber sonst fällt mir nichts Gutes dazu ein. Bloß nicht wieder so eine Zeit!

Aber Sport hab‘ ich trotzdem gemacht, für mich alleine. Das mache ich immer, wenn ich frei habe, für die Gesundheit, das ist ja wichtig. Als wir wieder rausgehen durften, bin ich viel gejoggt und gerannt oder war walken, hier in der Umgebung vor meiner Haustür.

Jetzt, im September, arbeite ich wieder ganz normal, und mir gefällt die Arbeit in der Kerzenwerkstatt schon immer. Ist halt alles mit Hygieneregeln und Abstand und so, das ist schon sehr schwierig.

Mit dem Fahrrad trainieren wir draußen, das ist das Training fast normal, da ist es nicht so schwer mit dem Abstandhalten. Ich fahre gern alles – ob lange oder kurze Strecken, Hauptsache: Im Wettbewerb! Noch besser, wenn eine Medaille dabei rauskommt... Und das geht eben alles grade nicht!
Aber wir freuen uns schon auf die Landesspiele nächstes Jahr, darauf bereiten wir uns vor.

Mein anderer Sport ist der Reha-Sport in der Einrichtung, einmal in der Woche. Der ist innen, und da kann halt nur die Hälfte der Gruppe kommen, wegen Abstand, und man sieht die anderen gar nicht mehr. Das ist bisschen blöd.

Sonst gehe ich immer regelmäßig schwimmen, ich soll das auch machen, das ist gut für meine Gelenke. Ich war bestimmt schon sechs Monate nicht mehr schwimmen, das ist total beknackt – ich bin eine Wasserratte… Ich wünsch‘ mir mein altes Schwimmbad wieder, wo ich den ganzen Tag bleiben konnte und abends kaputt zu Hause ankam, weil ich mich ausgepowert habe!

Jetzt muss man online buchen für zwei Stunden, die Adresse und den Namen angeben. Aber was machen die, die keinen PC haben oder sich nicht damit auskennen? Das finde ich sehr schwierig. Und wieso kosten die zwei Stunden jetzt genauso viel wie sonst der ganze Tag?

Ich bekomme sowas mit dem PC nur mit meiner Betreuerin hin. Sie kommt zweimal in der Woche und hilft mir bei solchen Sachen. Aber mit dem Schwimmen nützt es mir nichts: Ich krieg‘ das im Schwimmbad nicht so hin mit den zwei Stunden, mit der Uhr und der Zeit, da kenne ich mich nicht aus, das schaffe ich nicht alleine. Also kann ich nicht schwimmen gehen. Ich finde es gemein, dass wir da nicht mitmachen können, nur weil wir uns nicht so gut auskennen mit diesen Sachen.

Ich konnte auch nicht an der digitalen Ausschuss-Sitzung der Athletensprecher teilnehmen. Ich hatte keine Kamera und keinen Ton und hab‘ das allein nicht hinbekommen. War halt niemand da zu der Zeit, der mir helfen konnte. Oliver, unser anderer Athletensprecher, hat mir dann die Infos von der Sitzung gegeben.

Ich wünsche mir so sehr, dass wir bei Special Olympics wieder gemeinsam Spaß haben und gemeinsam Sport machen können und Wettbewerbe – das vermisse ich alles ganz doll! Und nicht nur ich – es sind ganz viele, die das vermissen. Nur gemeinsam sind wir stark! Das stimmt ja, und wieder was gemeinsam zu machen, das wäre schön! Ich wünsche mir, dass dieses blöde Corona endlich weg geht!

Wir haben letzte Woche hier in Bremen so einen Lauf gemacht, - ich bin gewalkt - das war richtig schön. Wir mussten zwar das alles mit den Unterschriften und so machen, aber es war gut, dass wir zusammen Sport machen konnten. Vielleicht gibt es ja sowas jetzt öfter.

Ich möchte noch zu den anderen Athletinnen und Athleten was sagen: Ich hoffe, dass wir uns alle bald sehen und zusammen Sport und Wettkämpfe machen können! Und dass wir zusammen stark sind und schnell wieder tolle und coole Spiele zusammen haben werden!

(Aufgeschrieben von Sonja Schmeißer)



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