Interview mit Martin Korth und Katja Reimer

Martin Korth, Schleswiger Werkstätten, Sportart: Langstrecke Leichtathletik, Arbeit: Werkstatt, Wohnen: eigene Wohnung mit seiner Frau

Katja Reimer ist die Trainerin von Martin Korth und schildert die Corona-Zeit aus ihrer Sicht

Martin, wie hast du die Corona-Zeit bisher erlebt und was waren deine größten Einschränkungen?

Martin Korth (MK): Im April konnte ich ja nicht arbeiten, also eigentlich von März-April, bis jetzt zum Sommer. Da war ich in einer Notgruppe. Und ich habe einen Umzug gemacht, also ich bin umgezogen mit meiner Frau.

Katja Reimer (KR): Wir haben ganz viel Austausch gehabt über WhatsApp, Martin hat ganz viele Videos geschickt, dass er Laufen war, dass er kreativ gewesen ist, dass er ganz viel gebastelt hat. Es gab trotzdem einen Austausch zwischen Athlet und Trainerin.

Irgendwann hat Martin aber gesagt: „Ich kann nicht mehr, mir fällt zu Hause die Decke auf den Kopf, Katja, kannst du dafür sorgen, dass ich wieder eine Arbeit bekomme und in die Notgruppe komme?“ Das ging dann auch relativ schnell, er hat gleich wieder begonnen zu arbeiten. Sport durften wir zu dem Zeitpunkt noch nicht machen, erst Anfang Juni haben wir wieder angefangen.

MK: Ich bin immer nach Feierabend gelaufen in der Corona-Zeit. Letzte Woche bin ich das erste Mal 38 Kilometer so gelaufen. Mein großer Traum ist ein Marathon. Jetzt trainiere ich etwas weniger. Wenn sie das alles hier erlauben wegen Corona, will ich mich qualifizieren für einen Halbmarathon.

KR: Da müssen wir natürlich gucken, ob das bei Landesspielen im kommenden Jahr geht, wenn sie denn alle so stattfinden können, das würden wir uns natürlich wünschen. Martin, aber was ist dein großes Ziel?

MK: Bei den Special Olympics Weltspielen will ich einmal Gold holen, in Berlin. Ich wäre gerne Weltmeister.

Martin, gab es in der Zeit von April an etwas, was dir besonders gefehlt hat?

MK: Beim Sport waren wir immer nur in den Gruppen, in denen wir auch arbeiten.

KR: Wir dürfen in der Werkstatt pro Arbeitsbereich trainieren, das heißt, mal darf ich die Leute vom Lager trainieren, mal eine Einheit mit den Tischlern machen, die nächste Einheit ist mit den Schlossern oder dann wieder mit den Gärtnern. Jede Gruppe hat seine feste Zeit im Sportplan erhalten. Also die Basketballmannschaft zusammenzubringen oder die Fußballer oder die Leistungsschwimmer in einer Trainingsgruppe geht halt nicht. Zudem müssen es mindestens zwei Personen teilnehmen, wir Trainer dürfen keine Einzeltrainings machen.

Und wenn Martin jetzt für seinen Halbmarathon trainiert, dann macht er das an seinem freien Tag mit meinem BFDler zusammen, weil wir das anders gar nicht umsetzen können und dürfen.

MK: Ja, ich bin ja schon ein bisschen traurig auch hier, es fallen ja viele Läufe aus, auch in Hamburg die Staffel.

KR: Alle Ziele, die man sich gesetzt hat, sind ja irgendwie weggebrochen und das ist halt ein bisschen schade und jetzt versuchen wir, neue Ziele zu stecken und ja, Martin läuft dann einfach mal an seinem freien Tag 38 Kilometer.

Respekt!

MK: Ich werde ja bald 50 und bevor ich 50 bin, mache ich den Marathon. 2 Stunden brauche ich für den Halbmarathon, also brauche ich schon 4 Stunden für den Marathon. Ich mache sogar Opfer für den Marathon, ich esse Banane und ich mag Banane überhaupt nicht. Aber ich halte mir einfach die Nase zu und dann geht das.

Aber diese Trainingsbedingungen sind schon etwas anderes als im regulären Sport. Dort dürfen die Trainingsgruppen alle zusammen trainieren und das ist ja genau da, was ihr leider nicht tun dürft.

KR: Ja, also in den Vereinen geht das, aber in der Einrichtung nicht und wir versuchen die Leute mit Workouts und individuellen Trainings zu motivieren, um Sport zu machen. Was aber auch ganz spannend ist! Man bekommt auch andere Leute motiviert zum Sport und nicht nur jene, die sowieso zum Sport gehen, sondern auch eine andere Zielgruppe. Die erreichen wir, weil wir nicht sportartspezifische Trainingseinheiten machen.

Also weil ihr einfache Aktivierungsangebote macht?

KR: Genau, also wir machen etwas mit dem Stepper, oder mit dem Theraband, aber individuell angepasst und meistens auch vor Ort in der jeweiligen Betriebsstätte. Da kannst du auch mehr Leute mitziehen, als wenn du ein Fußballtraining machst, wo nur die Entsprechenden kommen und die anderen nicht. Also es hat auch was Positives.

Andererseits: Sonst triffst du im Sport wieder andere Leute. Jetzt machst du mit denen, die du auf der Arbeit sowieso schon acht Stunden siehst, auch noch Sport. Das geht manchmal, aber nicht immer.

Martin, gab es in der Corona-Zeit für dich auch etwas Gutes?

MK: Ich bin damals, wo es noch richtig schlimm war, einfach viel gelaufen. Den Bus vermeide ich ja. Deshalb kann ich noch mehr laufen. Ich kann laufen gehen, Hauptsache Bewegung. Und wir, meine Frau und ich, wir gehen jetzt sonntags Laufen. Sie geht immer walken und ich gehe immer Laufen.

KR: Wir haben einen Heimlauf gemacht. Erst haben wir eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet und haben allen gesagt, wir laufen Sonntagmorgen um zehn Uhr los. Und ich hätte nicht gedacht, dass alle pünktlich in diesem WhatsApp Chat erscheinen und jeder läuft sozusagen seine Heimstrecke. Aber dann waren alle pünktlich und haben nacheinander geschrieben, dass sie jetzt loslaufen. Dann haben sie Fotos geschickt vom Laufen, nach dem Laufen, und von der Strecke, die sie gelaufen sind. Und das hat Martin motiviert, weiter die Strecke am Sonntagmorgen mit seiner Frau zu laufen.

Du warst ja schon bei Special Olympics Wettbewerben, gibt es was, worauf du dich bei den nächsten Special Olympics Wettkämpfen besonders freust?

MK: Ich freue mich wieder auf die Leute und auf den Spaß. Man sieht ja auch andere Leute, aber da müssen wir in der Corona-Zeit ein bisschen aufpassen.

Katja und Martin, gibt es etwas, wo ihr sagt, das wäre schön, wenn Special Olympics in der Corona-Zeit die und die Angebote macht? So wie zum Beispiel Trainingsvideos?

KR: Also ich glaube, dass das Miteinander einfach fehlt. Das Sportliche bekommen wir ja hier als Trainer alles hin, das ist auch gut so, aber dieses Miteinander fehlt halt einfach.

Für uns ist es in der jetzigen Situation schwierig, die Videos abzuspielen, dass die Leute überhaupt den Zugang zum Internet haben, um das nachzumachen. Wir haben nachher immer Fotos gemacht, was auch geholfen hat, sich abzulenken. Aber es ist ganz klar, das Miteinander am Spielfeld oder auf der Laufbahn ist das, was fehlt.

MK: Das habe ich auch gemerkt, wenn man nur so alleine läuft, dann ist es O.K. Aber wenn man dann mit anderen Leuten noch zusammen läuft oder so und schnell ins Ziel kommt, das ist super!

KR: Man könnte mit einer Online Challenge die Athleten zusammen bringen. Dass wir zum Beispiel Zeiten nehmen und Videos aufnehmen und auch Zeiten melden, dass man sich daran irgendwie messen kann.

Das stimmt, Laufen ist eine super Sportart, weil man da ja eigentlich nicht viel braucht. Schuhe und dann geht’s los. Wir überlegen uns natürlich was.

KR: Martin hat auch aus Jux gesagt, wenn die Landesspiele coronabedingt nicht stattfinden, dann läuft er von Schleswig bis nach Berlin, um Werbung für die Weltspiele zu machen. Wir haben auch schon überlegt eine Staffel zu initiieren, dass ein Bundesland oder eine Einrichtung eine bestimmte Strecke läuft und das dann an einen anderen übergibt. Dann kann man die Strecke, die gelaufen wurde, auf der Deutschlandkarte nachsehen.

Danke euch für eure Zeit und ich hoffe, wir sehen uns spätestens bei den Landesspielen!

(Das Interview führte Jan Neubert)



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