"Schichtwechsel" bei SOD

Am Donnerstag, dem 16. September 2021, fand der Aktionstag „Schichtwechsel“ erneut in Berlin statt. An diesem Tag tauschten Beschäftigte aus Berliner Unternehmen ihren Arbeitsplatz mit Mitarbeitenden aus Werkstattbetrieben. Der Aktionstag Schichtwechsel wurde erstmals 2017 in Berlin durchgeführt. Organisatoren sind die Berliner Werkstatträte und die Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (LAG WfbM). Er schafft Begegnungen und ermöglicht einen Perspektivwechsel, gibt Einblicke in verschiedene Arbeitswelten. Auch Special Olympics Deutschland hat in diesem Jahr wieder an diesem Aktionstag teilgenommen.

In der Bundesgeschäftsstelle von Special Olympics Deutschland und in dem Büro des Lokalen Organisationskomitees (LOC) der Special Olympics World Games Berlin 2023 waren Mitarbeitende aus verschiedenen Werkstattbetrieben aktiv. Das waren Yvonne Weissenberg aus der Mosaik-Berlin gGmbH, Juliane Rößler und Uwe Stiemer aus den Lichtenberger Werkstätten und Nicole Fincke aus den Delphin Werkstätten. Alle vier waren sehr begeistert von ihren Erlebnissen bei Special Olympics und der Möglichkeit, hinter den Kulissen zu schauen.

Special Olympics-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter aus der Bundesgeschäftsstelle sowie aus dem LOC waren an diesem Donnerstag beim Aktionstag Schichtwechsel in unterschiedlichen Werkstätten dabei. Die Eindrücke waren, wie auch schon beim ersten erlebten Schichtwechsel 2019, sehr, sehr positiv.

Hier einige Erlebnisberichte von Mitarbeitenden von Special Olympics:

Fabio Ochsner, Koordinator Finanzen im LOC

Der Titel hielt, was er verspricht - es war ein voller Erfolg. Recht kurzfristig und unverhofft hatte ich einen Platz beim diesjährigen "Schichtwechsel" bekommen. Mir war vorab bewusst, dass die Zeit viel kurz sein würde, um verstehen zu können, was Behinderten-Werkstätten in ganz Deutschland - innerhalb und außerhalb ihrer Strukturen - leisten. Dennoch war es durchaus mein Anspruch an diesem Tag, soweit möglich einen praktischen Eindruck zu bekommen. Und diesen bekam ich auch - einen sehr prägnanten sogar.

Ich wurde herzlichst durch die MitarbeiterInnen der Lichtenberger Werkstatt für Behinderte Menschen (LWB) empfangen und man erklärte mir mit größter Sorgfalt und Geduld das Unternehmen. Die Ruhe und entspannte Arbeitsatmosphäre waren bemerkenswert und sind für jedes andere Unternehmen ein Traum. Leistung ist stets relativ jeder einzelnen Person - Volumen, Effizienz, blabla gibt es nicht.

Zu meiner Überraschung war die Neugierde mir gegenüber ebenbürtig der meinen und so wurde mein Arbeitstag ein großes und tolles Frage und Antwort Ping-Pong. Nach einer Handvoll Stunden, in denen ich tatsächlich gearbeitet habe - qualitativ natürlich in keinem Vergleich zu den dortigen Arbeiter*nnen - wurde ich genauso herzlich verabschiedet und durfte mit ein paar Erinnerungstücken meinen Heimweg antreten.

Es ist vielleicht aufgefallen, dass ich bis hierhin keinerlei Unterschied zwischen Menschen mit oder ohne Behinderungen gemacht habe. Das hat einen einfachen Grund: es ist egal! Egal, weil nicht von Belang. Die allermeisten Menschen mit Beeinträchtigungen hätte ich und werde ich im Alltag nicht erkennen können. Chancengleichheit ist der Schlüssel zum Erfolg.

Dabei macht man allzu häufig leider den Fehler in unserer Gesellschaft, jedem dasselbe anzubieten und nur dasselbe. Dabei bekommt erst dann ein jeder Mensch die gleichen Chancen, wenn man sie/ihn individuell behandelt. Das wurde mir an diesem Tag S(ch)icht-Wechsel vorgelebt und hat mich nachhaltig beeindruckt.

Diese - man muss es leider fast schon und noch so bezeichnen- Utopie erleben zu dürfen, wenn auch nur für einen Tag, ist ein wunderbarer Grund, sich für die Special Olympics einzusetzen. Es gibt so viele Menschen, die wir nicht sehen, die inkludiert werden müssen!

Jenny Wolf, Koordinatorin Bildung & Wissenschaft / Senior Manager Education & Science von SOD 

Im Rahmen des Projekts S(ch)ichtwechsel hatte ich die Gelegenheit, in den Lichtenberger Werkstätten in der Faltbootreparatur und –nachfertigung einen Arbeitstag zu verbringen.

Nach einer gemeinsamen Informationsrunde mit anderen Schichtwechslern wurde ich in die Werkstatt begleitet und ich konnte die dort Mitarbeitenden kennenlernen. Nachdem ich erst einmal nur zugeschaut habe und viele Fragen stellen konnte, durfte ich auch selber Hand anlegen und erste Nähversuche an der Maschine machen.

Neben dem fachlichen Austausch über Faltboottypen, Reparaturmöglichkeiten und dem richtigen Umgang mit Stoffen und Nähmaschinen fand sich in den Pausen auch Gelegenheit zu Gesprächen über private Interessen und Lebenssituationen. Auch der Austausch zum Sport kam natürlich nicht zu kurz.

Für mich war es ein informativer und in vielerlei Hinsicht lehrreicher Tag und ich kann jedem nur empfehlen, bei Gelegenheit auch einen S(ch)ichtwechsel zu machen.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle, die diesen Tag möglich gemacht haben, vor allem an das Team der Faltbootreparatur - für den offenen Empfang und den Einblick in die Arbeit der Werkstatt!

Zita Klimmt, Koordinatorin Marketing im LOC

Ich war im Inklusiven Pferdesport- und Reittherapiezentrum Berlin der Lichtenberger Werkstätten.

Sie haben mir die ganze Anlage und Prozesse bei dem Reiterhof gezeigt und zwei Beschäftigte haben mir die tägliche Arbeit vorgestellt und eingebracht: Stall- und Pferdepflege, Fütterung, Misten und Pferde-Streicheln :-)

Es war wunderschön zu sehen, wie glücklich da die Mitarbeiter*innen sind, wie viel ihnen die Nähe zu Pferden bringt.

Margherita Pogatschnigg, Referentin Sport Internationale Entsendungen von SOD

In der Betriebsstätte Kreuzberg der Mosaik-Berlin gGmbh arbeiten fast 200 Menschen mit Behinderung und unterstützen zahlreiche Start-ups im Kiez, bewirtschaften eine Kantine und stellen kunsthandwerkliche Produkte her.

Nach einem Rundgang durch das Gebäude habe ich am Vormittag in der Kreativwerkstatt im Bereich Papeterie mitgearbeitet, in der 12 Arbeiterinnen und Arbeiter, begleitet von zwei Betreuenden, angestellt sind. Die Arbeitenden des Bereichs haben mir gezeigt, wie ich eine Schale aus Altpapier herstelle und wir haben uns alle, jeder auf seinem eigenen Arbeitsplatz, den Morgen damit beschäftigt.

Abgesehen von der Arbeit, die Abwechslung und Kreativität sowie der Bildschirmpause, war es eine besondere Erfahrung: Die Aufmerksamkeit und das Interesse von den Angestellten mir gegenüber. Sie arbeiten hauptsächlich immer in den gleichen Gruppen, sind jedoch gewohnt immer wieder neue Mitarbeitende sowie Praktikanten zu haben. Insofern waren sie neugierig und wollten viel von mir wissen (Alter, Herkunft, Hobbys etc.). Trotz dieser „Ablenkung“ hat sie dies nicht aus ihrer Arbeitsroutine gebracht.

Sehr interessant war auch der Austausch mit den Betreuenden, von deren Erfahrung und Alltag zuhören. Special Olympics war ihnen und manchen Athletinnen und Athleten für das Gesundheitsprogramm bekannt, aber nicht für die sportlichen Veranstaltungen.

 

 


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