27.02.2020 12:46 Uhr

Nachgefragt: Bei Boris Pistorius, Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport

In unserer neuen Serie "Nachgefragt" lassen wir Prominente aus Politik und Gesellschaft zu Themen wie Sport, Inklusion und Special Olympics zu Wort kommen. Den Anfang macht der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius.

Boris Pistorius, Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport.

Was war für Sie die Motivation, Special Olympics Niedersachsen beim Aufbau von Strukturen zu unterstützen?
Menschen mit Behinderungen gehören in die Mitte der Gesellschaft – und der Sport leistet hier einen ganz entscheidenden Beitrag. Denn, und das gilt schließlich für uns alle: Sport verbindet, fördert das Selbstvertrauen sowie das Selbstwertgefühl und kann Brücken bauen.

Das Ziel von Special Olympics Niedersachsen (SON) ist es, Menschen mit geistiger Behinderung durch den Sport zu mehr Anerkennung, Selbstbewusstsein und letztlich zu mehr Teilhabe an der Gesellschaft zu verhelfen. Für mich war es deshalb selbstverständlich, SON hierbei zu unterstützen.  
 
Was erhoffen Sie sich durch die Förderung durch das Land Niedersachsen?
Durch die Unterstützung des Landes wollen wir SON helfen, nachhaltige Strukturen aufzubauen und interessante Sportveranstaltungen anzubieten, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen konkret zu leben. Denn SON ist ein wichtiger Partner für das Land und den Sport beim Thema Inklusion, vor allem auch mit Blick auf die gesellschaftlichen Diskussionen und die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.  
 
Wo verorten Sie Special Olympics nun in der niedersächsischen Sportlandschaft?
SON wurde 2006 gegründet, drei Jahre später erfolgte die Aufnahme als außerordentliches Mitglied in den Landessportbund Niedersachsen. Heute gehört SON flächenmäßig zu den größten Landesverbänden in Deutschland. In den letzten Jahren konnten vor allem durch die Einrichtung der Geschäftsstelle vielversprechende neue Ansätze in den Blick genommen werden. Wenn ich dann höre, dass die Mitgliedschaften, Teilnehmerzahlen und die Breite des Sportangebotes steigen, freut mich das natürlich umso mehr!

Darüber hinaus gibt es eine Zusammenarbeit von SON u.a. mit dem Behindertensportverband Niedersachsen im „Forum Artikel 30“. Das grundlegende Ziel der Arbeit des „Forum Artikel 30“ ist die deutliche Erhöhung der Anzahl der Menschen mit Behinderungen in den Bereichen Kultur, Freizeit und Sport durch Vernetzung, gesellschaftliche Partizipation und den Abbau von Barrieren. Diese Art der Zusammenarbeit und Einbindung verschiedener Partner und Akteure, die wir auch an vielen anderen Stellen sehen, ist für mich ganz besonders wichtig.
 
Kennen Sie Veranstaltungen von Special Olympics und wie haben Sie diese bislang wahrgenommen?
Natürlich! Ein besonderes Highlight waren für mich die Nationalen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung im Jahr 2016 in Hannover– damit wurde ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt! Denn schon damals hat sich die Landesregierung mit 100.000 Euro und zahlreichen Helferinnen und Helfern beteiligt. Eine Woche lang konnten wir sehen und erleben, was Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Behinderung leisten und wie ein Miteinander von Menschen mit und ohne geistige Behinderung aussieht. Dies war ein wichtiger Schritt in eine inklusive Gesellschaft! Auch die Folgeveranstaltungen verfolge ich deshalb mit großem Interesse.
 
Wir planen in 2021 die Special Olympics Landesspiele für Menschen mit geistiger Behinderung in Hannover durchzuführen. Welche Bedeutung können die Landesspiele in der niedersächsischen Sportlandschaft haben?
Die Landesspiele werden die niedersächsische Sportlandschaft bereichern. Ich habe den Eindruck, dass in der Gesellschaft – nicht nur im Sport – oft noch zu wenig über den Alltag von Menschen mit Behinderungen bekannt ist. Dass diese Menschen zum Beispiel ein um bis zu 40 Prozent höheres Risiko für zusätzliche gesundheitliche Einschränkungen haben, wissen viele nicht.

Veranstaltungen wie die Landesspiele wecken das gegenseitige Interesse und Verständnis füreinander und bringen die Menschen einander näher. Auch deshalb freue ich  mich schon sehr auf die Landesspiele! Mit der Landeshauptstadt Hannover haben wir zudem einen tollen  Gastgeber – das haben wir bereits bei den Nationalen Spielen 2016 erleben dürfen.

Im Januar 2020 wurde der Vertrag für die World Games 2023 in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner unterzeichnet. Was können die Weltspiele gesamtgesellschaftlich und langfristig für den Sport in Niedersachsen bringen?
Deutschland hat schon mehrfach gezeigt, dass es ein toller Gastgeber mit einer sportbegeisterten Bevölkerung ist. Ein Großereignis wie die World Games gibt uns aber auch die Chance zu zeigen, wie schön und wichtig Inklusion ist. Der Athletensprecher von Special Olympics Deutschland, Mark Solomeyer, hat sehr treffend gesagt: „Wir [die Athletinnen und Athleten] wollen Unified leben, im Sport und in der Gesellschaft. Dazu gehört es, selbstverständlicher Teil der Gesellschaft zu sein und selbstverständlich in Sportvereinen mittrainieren zu können. Mit dem Geist des Sports wollen wir bei den Weltspielen in Berlin ein großes faszinierendes Fest der Inklusion feiern. Gemeinsam können und werden wir die Welt verändern.“ Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.
 
Wie könnte sich auch Niedersachsen bei den World Games einbringen? Beispielsweise im Rahmen des Gastgeber-Programms „Inklusive Kommunen“, bei Athleten-Delegationen aus der ganzen Welt auch in niedersächsischen Gemeinden und Städten aufgenommen werden können. Wo sehen Sie hier einen Gewinn fürs Land Niedersachsen?
Die Special Olympics World Games sollen natürlich in ganz Deutschland ein besseres Bewusstsein für die Belange von Menschen mit geistiger Behinderung, für kulturelle Vielfalt und Inklusion bewirken. Aktuell ist in der Tat angedacht, mit einem sogenannten Host Town-Programm die Delegationen aus aller Welt bundesweit zu verteilen. Noch fehlen uns dazu konkretere Informationen, aber wir werden schauen, was wir als Land und auch mit den niedersächsischen Kommunen hierzu beitragen können.
 
Zu guter Letzt: Vom 2. – 6. März 2020 werden auch niedersächsische Athleten bei den Nationalen Winterspielen 2020 in Berchtesgaden antreten und um Medaillen kämpfen. Was wünschen Sie den Athleten?

Ich wünsche den Athletinnen und Athleten einfach eine tolle Zeit in Berchtesgaden mit fairem Sport, ganz viel Spaß und guten Begegnungen! Das Motto lautet „Gemeinsam stark“ – das gemeinsame und verbindende Miteinander steht im Mittelpunkt. Natürlich freue ich mich auch, wenn ein paar Medaillen mit nach Hause gebracht werden.


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