03.07.2020 14:04 Uhr

Nachgefragt: Bei Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender LandesSportBund Niedersachsen e.V.

In der Reihe #Nachgefragt kommt heute Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes Niedersachsen, zu Wort.

Reinhard Rawe, LSB-Vorstandsvorsitzender. Foto: LandesSportBund Niedersachsen

Special Olympics Deutschland in Niedersachsen e.V. wurde 2009 als außerordentliches Mitglied in den Landessportbund Niedersachsen aufgenommen. Wo sehen Sie Special Olympics Niedersachsen in der niedersächsischen Sportlandschaft verortet?

Ordentliche Mitglieder im LandesSportBund Niedersachsen (LSB) können gemeinnützige Sportvereine und Landesfachverbände werden, wobei der LSB für jede Sportart nur einen Landesfachverband aufnimmt. Special Olympics Niedersachsen hat bei uns aktuell den Status eines außerordentlichen Mitglieds. Die Satzungserfordernis, hierfür an der Förderung des Sports interessiert zu sein, wird zweifelsohne erfüllt. SONDS gehört also in der niedersächsischen Sportlandschaft mit dazu, ist aber noch kein Mitglied mit allen Rechten und Pflichten im LSB. Wir arbeiten gerade an einem neuen Mitgliedschaftsmodell, um den Zugang zum LSB zu erleichtern. Bis zur Verabschiedung einer neuen Satzung wird es aber noch dauern.

Welche Maßnahmen ergreift der LSB, um die Inklusionsbewegung im niedersächsischen Sport voranzutreiben?

Die Förderung des Behindertensports ist ein Satzungszweck des LSB und darüber hinaus für die Verantwortlichen in Präsidium und Vorstand eine Herzensangelegenheit. Seit Jahrzehnten gibt es spezielle Förderprogramme und konkrete Aktivitäten, wie zum Beispiel die Einbeziehung von behinderten Nachwuchssportlerinnen und-sportlern in das Internat und ein taktiles Leitsystem in der Akademie des Sports. Seit Jahren haben wir eine hauptberufliche Referentenstelle in der Geschäftsstelle, um die gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im niedersächsischen Sport zu fördern. Zudem haben wir im vergangenen Jahr das Projekt „Teilhabe am Vereinssport“ ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, Menschen aus Einrichtungen, Institutionen und Diensten der Behindertenhilfe den Zugang zum wohnortnahen Vereins-Sport zu erleichtern.

SONDS ist einer vor mehreren Akteuren und Unterzeichnern am „Masterplan Inklusion“ beteiligt. Welche Zielsetzung steckt dahinter?


Der Behindertensportverband Niedersachsen und der Gehörlosensportverband Niedersachsen sind als ordentliche Mitgliedsverbände innerhalb des LSB mit uns und weiteren Partnern auf dem Weg, Menschen mit Behinderungen den Weg zum eigenen Sport treiben und auch zur Übernahme von Führungsaufgaben zu erleichtern. Hierfür müssen personelle, finanzielle und auch strukturelle Rahmenbedingungen geändert und die Ressourcen gebündelt werden. Der Masterplan Inklusion beschreibt eine eindeutige politische Zielrichtung und 30 spezifische Projekte, die in ihrer Projektstruktur exakt beschrieben und mit präzisen finanziellen Bedarfen benannt sind. In den kommenden vier Jahren wollen wir diesen Masterplan umsetzen und konkrete Verbesserungen erreichen.

Wie kann die Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung langfristig im niedersächsischen Sport etabliert werden?

Bei der Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung hat der Behindertensportverband bereits sehr viel geleistet. SONDS ist vor einigen Jahren als neuer Sportverband dazugekommen und hat eine neue Dynamik entfacht. Inhaltlich haben alle Beteiligten eine große gemeinsame Schnittmenge festgestellt. Jetzt machen wir uns alle mit großer Motivation an die Arbeit, um unsere gemeinsame Zielstellung zu erreichen.

Nun treten erste Lockerungen ein und der Sportbetrieb nimmt wieder Fahrt auf. Wie bereitet sich der LSB auf die nächste Phase vor? Wie sehen die Perspektiven aus?


Die Auswirkungen der Corona Pandemie sind heute noch nicht abschließend festzustellen und zu kommentieren. Die Wiederaufnahme des Sportbetriebs in den Vereinen fordert uns hinsichtlich der konkreten Sportmöglichkeiten, der notwendigen Hygienemaßnahmen und den weiterhin geltenden Abstandsregelungen sowie der Beschränkungen im Wettkampfsport erheblich. Dazu kommen erhebliche finanzielle Auswirkungen durch die Einnahmeverluste durch die Absage von Veranstaltungen und der Einstellung des kompletten Sportbetriebes. Der Lehr-und Schulungsbetrieb, ein wichtiger Faktor in unserem Sportsystem, unterliegt ebenfalls weiterhin erheblichen Beschränkungen und wird frühestens im nächsten Jahr den alten Status wieder erreicht haben. Finanziell setzen wir auf die Stetigkeit und Beständigkeit unserer Mitglieder in den Vereinen, dass sie dem Sport und ihrem Verein die Treue halten. Auf Landesebene erwarten wir ein Sonderförderprogramm für den Sport, wie es in nahezu allen anderen Bundesländern bereits besteht.

In der Krise liegt aber auch eine Chance: die Menschen sehnen sich nach Begegnung und gemeinsamen Aktivitäten. Die Sportvereine bieten beides. Wenn alle Beschränkungen aufgehoben sind und die finanziellen Rahmenbedingungen geklärt sind, sollten wir alle optimistisch in die Zukunft schauen.

Wir planen im Juni 2021 die Niedersächsischen Landesspiele von Special Olympics in Hannover durchzuführen. Welche Bedeutung können die Landesspiele in der niedersächsischen Sportlandschaft haben?


Zunächst hoffe ich, dass in einem Jahr alle heute geplanten sportlichen Großveranstaltungen auch tatsächlich stattfinden können. Die 60 Landesfachverbände im LSB führen in den unterschiedlichen Sportarten und Disziplinen Landesmeisterschaften durch. Die Landesspiele von SONDS reihen sich in diesen Kanon ein und sind für die öffentliche Wahrnehmung des Sports und für jeden Teilnehmenden von besonderer Bedeutung. Sich nach langer Vorbereitung für Landesspiele oder Landesmeisterschaften qualifiziert zu haben, ist ein Highlight in jedem Sportlerleben.

In 2023 finden die Special Olympics World Games 2023 in Berlin statt. Wie kann auch der Sport in Niedersachsen von dieser weltweiten Großveranstaltung profitieren?

Großveranstaltungen im Sport mit der damit verbundenen Medienpräsenz sind unverzichtbar für eine Verbreitung und Vermittlung der Werte des Sports in die gesamte Bevölkerung. Die World Games 2023 werden auch in Niedersachsen ihre Wirkung entfalten.

Zusammen mit den konkreten Projekten unseres Masterplans haben wir nach 2023 hoffentlich eine deutliche Verbesserung der Gesamtsituation festzustellen. Dafür werde ich mich jedenfalls weiterhin mit ganzer Kraft einsetzen!

Weitere Interviews aus der Reihe #Nachgefragt finden Sie hier:

Dr. Isabell Pott, Inklusionsbeauftragte Segler-Verein Braunschweig e.V.

André Bock, MdL, sportpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion

Dunja Kreiser, sportpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen

Boris Pistorius, Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport

Website LandesSportBund Niedersachsen e.V.


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