10.06.2020 12:34 Uhr

"French Open-Sieg wie ein Champions League-Titel"

Am vergangenen Mittwoch (3. Juni) lud unser Tennis-Botschafter Andreas Mies zu einem Online Training ein. Über 15 Teilnehmer*innen nahmen an der inklusiven Einheit teil. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde zeigte Andy Übungen, mit denen man sich auch zuhause fithalten und sein Tennisspiel verbessern kann. Nach den Übungen stand er sehr gerne noch für eine Gesprächsrunde bereit und beantwortete die Fragen unserer Athleten*innen. Andy sprach über seinen French Open-Sieg, genau vor einem Jahr und gab Auskunft über seine sportlichen Ziele in der Zukunft. Er verriet auch, worunter SONRW-Fußball-Botschafter Bastian Oczipka heute noch leidet und gegen wen er hofft, bei den Olympischen Spielen im nächsten Jahr im Doppel spielen zu können.

Andreas Mies im Gespräch mit unseren Athleten

Auszüge aus der Gesprächsrunde mit unserem Tennis-Botschafter und French Open-Doppelsieger Andreas Mies:

Nils: Wie wichtig ist es zu laufen?

Andreas: Ja, ich muss zugeben, ich laufe nicht sehr gerne aber es ist sehr wichtig. Die Grundfitness und die Ausdauer muss man haben. Es bringt ja nichts, wenn man gut Tennis spielen kann aber nach fünf Minuten platt ist und nicht mehr laufen kann. Deswegen gehört das Laufen dazu und da muss auch ich mich manchmal durchquälen.

Nils: Wie viele Kilometer läufst du?

Andreas: Es ist unterschiedlich, je nach Tagesform. Manchmal schon 10 km, aber meistens zwischen 5 und 7 km.

Sophie: Andreas, wie lange spielst du schon Tennis?

Andreas: Ich spiele schon fast 24 Jahre. Ich habe zwei Jahre später als du angefangen. Du hattest ja gesagt, du hast mit vier Jahren angefangen und ich habe mit sechs Jahren angefangen. Ich bin durch meinen älteren Bruder zum Tennis gekommen. Als er mit seinen Kumpels trainiert hat bin ich als sechsjähriger Junge mal mitgegangen, habe es mir angeschaut und wollte natürlich auch mal mitspielen.

Cedric: Wo wohnst du?

Andreas: Ich wohne in Köln. Ich bin in Niederkassel mit meiner Familie aufgewachsen. Dann bin ich mit 18 Jahren nach Amerika gegangen, um dort zu studieren. Da habe ich College-Tennis gespielt und mein International Business-Studium beendet. Als ich mit 22 wiedergekommen bin, bin ich Tennis-Profi geworden und bin nach Köln in die Innenstadt gezogen. Ich wollte nicht so lange Wege haben. Ich stand sonst immer sehr oft im Stau und habe sehr lange gebraucht. Deswegen habe ich gesagt, ich ziehe lieber hier in die Nähe.

Cedric: Ich würde gerne mit dir spielen. Ich komme aus Baden-Württemberg.

Andreas: Ja, wir werden mit Sicherheit in Zukunft nochmal ein paar Trainingseinheiten machen. Wir hatten ja das Training bei Rot-Weiß Köln und auch die Unified Challenge auf Schalke und in Köln. Und zur nächsten Trainingseinheit bist du natürlich auch herzlich eingeladen. Da freue ich mich, wenn ihr alle kommt.

Cedric: Super. Hast du auch Unified Doppel gespielt?

Andreas: Ja, wir haben ja zwei Mal eine Unified Challenge gehabt. Wir hatten Unified Fußball und eine Tennis Unified Challenge. Da haben wir dann auch ein kleines Turnier gemacht, u.a. auch mit Unified Doppel. Das war sehr lustig. Christoph hat am Ende den Matchball verwandelt und dadurch hat die Tennis-Seite den Sieg eingefahren. Für den BVB gegen Schalke. Da war Bastian Oczipka auch nicht so glücklich drüber. Da leidet er heute noch drunter.

Cedric: Habt ihr Spaß gehabt?

Andreas: Ja, das hat sehr viel Spaß gemacht!

Saskia: Wieviel Stunden trainierst du in der Woche?

Andreas: Ich habe mein Training die letzten Jahre immer etwas angepasst. Mit einer gewissen Erfahrung weißt du, wie du effektiv trainieren kannst. Ich stehe nicht mehr ganz so viele Stunden auf dem Tennis-Platz wie früher. Es sind da auch noch ein paar andere Dinge wichtig wie z.B. Fitness. Früher habe ich jeden Tag vier Stunden lang Tennis gespielt und habe noch zwei Stunden Fitness gemacht. Mit 12 Jahren ging das richtig los und bis ich 25 Jahre alt war habe ich meistens zwei Tennis-Einheiten am Tag gemacht. Mein Tagesablauf sah dann so aus: 10-12 Uhr Tennis, dann zwei Stunden Mittagspause, dann 14-16 Uhr nochmal Tennis und 16-17 Uhr Fitness und vor dem ersten Tennis-Training hatte ich auch immer schon ein längeres Aufwärmprogramm. Nach der Fitness-Einheit am Ende bin ich dann jetzt in den letzten Jahren auch noch häufiger zum Physiotherapeuten gegangen. Mit 26 habe ich mich dann auf Doppel umgestellt und habe auch mein Training umgestellt. Ich hatte Knieschmerzen, wurde dann auch am Knie operiert. Jetzt trainiere ich zwei Stunden am Tag. Aktuell in der Corona-Zeit nur 3-4 Mal die Woche.

Saskia: Wie bereitest du dich auf große Turniere vor?

Wenn ich zuhause in Köln bin dann mit meinem Trainer und meinen Teamkameraden. Ich übe dann sehr viel Doppel. Dann treffe ich mich mit meinem Doppel-Partner Kevin Krawietz ein paar Tage vorher am Spielort und dann trainieren wir dort zusammen. So ist der Ablauf eigentlich immer, egal ob das jetzt ein größeres oder ein kleineres Turnier ist.

Louis: Was war dein größtes Tennis-Erlebnis?

Andreas: Ich muss ja wirklich sagen, eines meiner größten Erlebnisse war der Sieg bei der Unified Challenge im Tennis gegen Bastian Oczipka. Noch überraschender war dann noch der Sieg gegen ihn auf Schalke im Fußball. Und dann steht hier oben bei mir auf meinem Podest über dem Fernseher meine French Open-Trophäe, die ich ja gewonnen habe. Die hat bei mir natürlich einen Ehrenplatz und das war für mich wirklich mein absolutes Highlight.

Louis: Das hat bestimmt mega viel Spaß gemacht, oder?

Andreas: Ja, es war ein unglaublicher Moment, wo wir dann am Ende auch zusammen auf den Rücken gefallen sind. Wir konnten es gar nicht glauben. Es ist das Größte, was man im Tennis erreichen kann. Es gibt ja die vier Grand Slams und dazu zählen ja auch die French Open. Es ist vergleichbar wie mit einem Champions League-Titel im Fußball. Das war ein Riesenhighlight. Wir hatten einen großen Pokal, den durften wir aber leider nicht mitnehmen. Dafür haben sie uns dann zwei kleine Minitaturen davon mitgegeben. Das war ein bisschen schade. Aber den sehe ich dann immer wenn ich auf meiner Couch sitze. Es war genau vor 12 Monaten. Es war der erste Titel von einem reinen deutschen Doppel seit 82 Jahren. Das war mein Highlight. Natürlich gab es dann noch mehr, das war ja unser Durchbruch. Danach haben wir es bei den US Open noch bis ins Halbfinale geschafft. Wir haben das erste Mal Davis Cup für Deutschland gespielt. Dann haben bei den ATP Finals in London gespielt, wo nur die acht besten Doppel der Welt mitspielen dürfen. Da waren viele Highlights dabei und ich blicke immer gerne darauf zurück. Ich hoffe, dass die Saison dann bald weitergeht. Aber Louis, was war denn dein größtes Highlight?

Louis: Mein größtes Highlight war die Unified Challenge mit dir zwischen Schalke und Dortmund in Köln. Um mein zweites großes Highlight war ein Turnier in Santa Domingo als Special Olympics 50 Jahre alt wurde. Da waren 500 Athleten mit dabei und wir haben für Deutschland gespielt. Wir haben gegen Chile und gegen Brasilien gespielt und gewonnen, da habe ich mit meinem Bruder Doppel gespielt. Und im Einzel habe ich gegen Mexiko und Brasilien auch gewonnen. Da habe ich im Einzel und im Doppel Gold gewonnen.

Andreas: Wow, nicht schlecht Louis.

Louis: Ja, das war auch mega. Wir haben viel erlebt. Ich würde das sehr gerne wiederholen.

[…]

Timo: Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Andreas: Ich arbeite daran, dass ich irgendwann noch einmal so eine schöne Trophäe in den Händen halten kann. Meine Ziele sind da noch mehr Grand Slams zu gewinnen. Mein Traum ist es, Wimbledon zu gewinnen und auch die US Open und die Australian Open. Ich hätte auch nichts dagegen, den French Open-Sieg nochmal zu wiederholen. Ich hoffe aber, dass ich in erster Linie gesund bleibe und noch so lange wie es geht zu spielen. Ich hoffe noch auf zehn weitere Jahre auf der Profi-Tour und hoffe da dann noch so viele Turniere zu gewinnen wie es geht. Ich möchte auch mal mit Deutschland den Davis Cup gewinnen und bei der Weltmeisterschaft noch weiter als die Gruppenphase kommen. Ich habe noch viel vor und mein großes Ziel ist es, irgendwann die Nummer 1 im Doppel zu werden. Wir waren auf Position 7 und 8 und gehörten zu den drei besten Doppel-Teams und da ist das Ziel, irgendwann die Nummer 1 zu werden.

Nico: Besteht denn auch eine Möglichkeit, dass ihr bei den Olympischen Spielen teilnehmt?

Andreas: Das wäre auch dieses Jahr passiert. Kevin und ich wären dieses Jahr qualifiziert gewesen. Sie wurden ja auf das nächste Jahr verlegt und da werden wir auf jeden Fall am Ball bleiben. Es ist ein Traum für jeden Sportler, daran teilnehmen zu dürfen. Jetzt wurde es auf das nächste Jahr verschoben und wir sollten es schon hinkriegen, dass wir es nächstes Jahr hinkriegen.

Saskia: Wo wären die Spiele gewesen?

Andreas: Die wären in Tokio gewesen, da sind sie dann auch im nächsten Jahr.

Saskia: Das wäre bestimmt spannend geworden. Ich hätte es mir auch angeschaut.

Andreas: Ja, das gibt es ja nur alle vier Jahre und es läuft dann im Fernsehen rauf und runter. Ich freue mich drauf, wenn es nächstes Jahr stattfindet.

Saskia: Ich drücke dir da auf jeden Fall die Daumen.

Christoph: Mein persönliches Highlight war, als ich 2011 Europameister in Polen geworden bin. Als wir bei deinem Spiel in Düsseldorf waren, das war Spitzentennis. Da hatte ich Freudetränen. Du hast zwar erst Samstag gespielt und wir waren Freitag da. Aber als ich dann gesehen habe, dass du dein Doppel gewonnen hast, das hat mich vom Hocker gerissen.

Andreas: Ja, vielen Dank, Christoph. Mich hat es sehr gefreut, dass du da warst. Da war ein geiles Wochenende. Freut mich auch von deinen Highlights zu hören. Wie ist denn deine Form aktuell?

Christoph: Die Tennis-Plätze waren ja lange geschlossen. Auch bei uns in Neuss im Stadtwald. Seit dem 11. Mai trainiere ich aber wieder fleißig. Von den Erfahrungen mit dir habe ich sehr viel gelernt. Bei dem Training oder der Challenge in Köln, es waren schöne Erlebnisse mit dir. Es war unfassbar und sensationell. Ich hoffe, dass wir nochmal trainieren. Ende November hast du in Madrid ja dein nächstes großes Highlight. Das wirst du ja wohl ohne mich schaffen.

Andreas: (lacht) Ja, Christoph da gebe ich natürlich mein Bestes. In Köln haben wir ja zusammen gespielt und die Blauen fertig gemacht. Wie du da am Ende den Schmetterball gebracht hast zum Sieg, das war sensationell. Da freue ich mich auch auf die nächste Trainingseinheit mit euch. Da geben wir wieder Gas.

Cedric: Kommst du denn 2023 auch zu den Weltspielen nach Berlin?

Andreas: Das ist natürlich jetzt noch schwer zu sagen. Ich weiß selbst nicht, wie mein Turnierplan aussieht. Aber wenn es irgendwie zeitlich möglich ist, dann würde ich sehr gerne zuschauen. Christoph, was ist denn dein größtes nächstes Turnier?

Christoph: Ja, wenn du das jetzt raten möchtest, dann solltest du mal schnell wieder dein gelbes Trikot anziehen.

Andreas: Unsere nächste Unified Challenge?

Christoph: Es hat was damit zu tun. Wir haben am 3. und 4. Oktober unser Special Olympics NRW-Turnier in Dortmund. Wenn du da Zeit hättest, können wir beiden die anderen im Doppel da vom Platz fegen.

Andreas: Du hast in Köln ja noch so groß getönt, dass ich meinen Doppelpartner in Köln eigentlich sofort feuern sollte und du einspringst. Wärst du denn bereit, wenn Kevin in Madrid verletzt ist?

Christoph: Ja klar. Dann wärst du der große Boss auf dem Tennisplatz.

[…]

Gina: Wenn du dir einen Einzelgegner aussuchen könntest, gegen wen würdest du spielen wollen?

Andreas: Ich würde am liebsten gegen Roger Federer spielen. Das wäre sehr schwierig, aber es war immer mein Traum, weil er mein Idol war. Immer wenn ich im Fernsehen Tennis geschaut habe, habe ich sehr gerne Spiele von Roger Federer gesehen. Das wäre ein Traum gewesen mal gegen ihn anzutreten. Das wird aber wahrscheinlich in diesem Leben nicht mehr passieren, dass wir im Einzel gegeneinander spielen. Aber vielleicht bei den Olympischen Spielen im Doppel.

Paula: Und gegen wen noch?

Andreas: Mein zweitliebster Gegner wäre Rafael Nadal. Wir haben ja eins gemeinsam: Wir sind beide French Open-Sieger. Nur in anderen Disziplinen. Im Doppel würde ich es mir zutrauen, im Einzel aber gar keine Chance. Wenn, dann lieber auf Rasen. Auf Sand hat niemand eine Chance gegen ihn. Aber mit Christoph zusammen im Doppel traue ich es mir zu.

 

 

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