25.11.2020 00:01 Uhr

„Ein unschlagbares Team!“ – unser Athlet Christian und seine Schwester und unsere Helferin Steffi Pohler im Gespräch

An diesem #MitgliederMittwoch beteiligen wir uns an der Aktionswoche „Geschwistern ein Gesicht geben“ der Lebenshilfe NRW. Seit zwei Jahren gibt es das Geschwisterprojekt in NRW. Geschwisterkinder sind nicht nur in der Corona-Zeit echte Held*innen. Auch bei uns gibt es viele Geschwister, die sich aktiv auch in unsere Arbeit mit einbringen und uns und damit auch ihre Geschwister unterstützen. Eine davon ist auch Steffi Pohler. Wir haben mit ihr und ihrem Bruder Christian, einem sehr erfolgreichen Rollerskater und Mitglied in unserem Athletenrat über ihre Beziehung zueinander gesprochen:

Hallo Steffi, hallo Christian. Schön, dass ihr heute etwas Zeit für uns habt. Könnt ihr euch einmal vorstellen?

Christian: „Ich bin Christian Pohler und bin 28 Jahre alt. Ich arbeite in der Werkstatt für angepasste Arbeit in Düsseldorf im Garten- und Landschaftsbau. Meine Sportarten sind Rollerskating und Snowboard. Ich mache beides gleich gerne. Außerdem bin ich im Schützenverein. Da bin ich auch sehr gerne mit meiner Schwester zusammen. Wir sind auch zusammen in einer Kompanie. Und ich gehe sehr gerne ins Fitnessstudio, was aktuell ja leider nicht möglich ist.“

Steffi: „Ich bin Steffi, Christians Schwester. Ich bin 25 Jahre alt und arbeite beim Jugendamt der Stadt Düsseldorf als Kauffrau für Bürokommunikation. In meiner Freizeit bin ich, wie Christian schon gesagt hat, auch im Schützenverein. Außerdem bin ich bei der DLRG tätig und gehe auch gerne ins Fitnessstudio oder treffe mich mit Freunden.“

Und bei Special Olympics unterstützt du auch.

Steffi: „Genau. Die letzten Male war ich immer als Helferin dabei oder zuletzt bei den Landesspielen in Hamm auch im Organisationsteam der Sportart Rollerskating.“

Warum engagierst du dich dafür?

Steffi: „Weil es einfach großen Spaß macht den Athletinnen und Athleten zuzusehen, mit ihnen mit zu fiebern. Die Emotionen bei Special Olympics zu erleben, das ist einfach eine schöne Sache. Und natürlich auch meinen Bruder anzufeuern und ihn zu unterstützen.“

Christian, wie wichtig ist dir das?

Christian: „Es ist ein super Gefühl, dass sie dabei ist und mich unterstützt. Sie greift mir unter die Arme. Das finde ich super klasse.“

Meinst du, du bist bei einem Rennen vielleicht auch mal die eine oder andere Sekunde schneller gefahren, nur weil Steffi dabei war?

Christian: „Nee. Das kommt vom Training und den Fans. Meine Schwester gibt mir aber immer unheimlich viel Kraft. Ich bin sehr dankbar, dass sie immer dabei ist.

Was waren denn eure schönsten Special Olympics-Momente?

Christian (antwortet sofort): „Ich kann mich daran erinnern, dass ich in Amerika war. Bei den Weltspielen 2015 in Los Angeles. Das war mein Highlight. Es war einfach total schön, dass ich dahin mitfahren durfte und ich habe mich schon lange Zeit vorher sehr darauf gefreut. Aber am allermeisten habe ich mich darüber gefreut, dass meine Schwester mitgefahren ist.“

Steffi: „Das war auch mein schönstes Erlebnis. Wir waren auch noch ein paar Tage in Las Vegas und konnten Amerika ein bisschen erkunden. Das waren meine ersten Weltspiele. Das war schon ein ziemlich großes Erlebnis.“

Seid ihr da die ganze Zeit gemeinsam unterwegs gewesen?

Steffi: „Nein, tatsächlich nicht. Christian war mit der deutschen Delegation unterwegs und wir haben am Familienprogramm teilgenommen. Wir hatten auch gar nicht groß die Möglichkeit, an die Athleten heranzukommen. Es gab Zuschauerbereiche, in denen man dann gucken konnte. Aber ansonsten haben wir die Zeit komplett getrennt verbracht.“

Christian, wie hast du da sportlich abgeschnitten?

Christian: „Ich bin gut gefahren, aber leider bei der Staffel gefallen.“ (Anmerkung: Die Vorstellung von Christian im Rahmen des #MitgliederMittwoch gibt es hier)

Wie würdet ihr euch denn gegenseitig beschreiben?

Christian: „Steffi ist nett und höflich. Sie unternimmt viel, viele Ausflüge. Sie geht auch gerne auf Konzerte, das finde ich sehr schön. Ich war auch schon mit ihr gemeinsam auf einem Konzert.“

Steffi: „Christian ist superfreundlich und zuvorkommend. Er ist immer hilfsbereit und hat eigentlich nie schlecht Laune. Er hat Spaß am Leben und ist meistens sehr redefreudig.“

Gibt es auch etwas, was euch aneinander nervt?

(Beide gleichzeitig) Nee, gar nichts.

Wie würdet ihr euer Verhältnis zueinander beschreiben?

Christian (lacht): „Du darfst.“

Steffi: „Na toll! (lacht ebenfalls). Sehr harmonisch. Wir sind eine sehr harmonische Familie, die zusammenhält und in der sich alle gut miteinander verstehen. Das spiegelt sich auch bei uns beiden wider.“

Gibt es denn auch etwas, was ihr voneinander noch lernen könnt?

Christian: „Puh, weiß ich gerade nicht.“

Steffi: „Ja, den Mut, den er damals nach seinem Unfall bei den Winterspielen 2018 in Willingen hatte, sich wieder auf das Snowboard zu trauen. Dann noch einmal neu anzufangen und sich zu trauen, es nochmal zu machen. Ich weiß nicht, ob ich mich das nach so einem Unfall getraut hätte. Generell im Snowboardfahren ist er mir auf jeden Fall voraus.“

Was vermisst ihr aktuell in der Corona-Zeit am meisten?

Christian: „Die komplette Familie. Aber Gesundheit geht vor. Ich bin momentan ja meistens zuhause, manchmal aber auch bei meiner Schwester.“

Steffi: „Bei mir auch die Familie. Kontakt zu den Eltern und zum Bruder ist da, aber mittlerweile seit dem zweiten Lockdown auch wieder deutlich eingeschränkter. Aber den Kontakt zu den Großeltern, Tante und Onkel und zur weiteren Verwandtschaft, die wir noch haben.“

Macht ihr denn durch die Kontaktreduzierungen noch mehr gemeinsam?

Steffi: „Das war früher eigentlich auch schon so, da hat sich bei uns nichts groß dran geändert.“

Wenn Corona von heute auf morgen Geschichte wäre. Was würdet ihr als erstes wieder machen?

Steffi: „Ganz klar Familientreffen organisieren! Das wäre das erste, was ich tun würde. Wir haben eine große Familie und auch zusammen miteinander irgendwelche Sachen unternehmen, auch z.B. der Schützenverein. Das liegt seit März leider alles lahm.“

Christian: „Ich freue mich am meisten darauf, dass ich wieder zu meinen beiden Omas kommen kann. Natürlich auch die komplette Familie und viele Freunde. Aber auch wieder zum Sport zu gehen, ins Fitnessstudio und dort wieder zu trainieren. Zurzeit trainiere ich ja nur zuhause. Ich war aber bei beiden Online Fitness-Kursen dabei und auch beim Tanzkurs mache ich mit. Das ist eine schöne Abwechslung und da freue ich mich auch drauf.“

Super, wir danken Euch sehr für das Gespräch. Vervollständigt ihr uns zum Abschluss bitte noch die beiden folgenden Sätze: Christian/ Steffi ist für mich…

Steffi: „…der beste Bruder, den man sich wünschen kann.“

Christian: „… eine ganz, ganz liebe Schwester.“

Und: Zusammen mit meinem/er Bruder/Schwester bin ich…

Christian: „… gerne gemeinsam zusammen.“

Steffi: „… ein unschlagbares Team.“

Hier geht es zum Projekt der Lebenshilfe NRW.

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