Doch auch abseits des Sports wurde eine Menge geboten: Vereine, Verbände, Kommunen waren als Teil der Kampagne, bei Schul- und Fanprojekten, beim Fackellauf, als Host Town im Gastgeberprogramm oder vielem mehr dabei. In den Landkreisen und im Regionalverband Saarbrücken vermittelten alle voller Leidenschaft: Das Saarland ist ein Ort der offenen Herzen! Wir sprachen mit Landrat Udo Recktenwald über die Nationalen Spiele im Landkreis St. Wendel
Wie haben Sie persönlich die Special Olympics Nationalen Spiele erlebt?
Udo Recktenwald: Schon der Fackellauf mit der Segeltour über den Bostalsee, dann über Tholey und Oberthal zum Stadtfest nach St. Wendel war ein beeindruckendes und prägendes Erlebnis. Aber auch die Eröffnungsfeier, die Wettkämpfe am See und das Integrationsfest haben mich zutiefst bewegt und mein Herz erreicht. Die Mühen haben sich gelohnt, die Besucher aus ganz Deutschland haben sich wohl gefühlt, wir waren gute Gastgeber. Ein Fest der Menschlichkeit!
Was war Ihr schönster Moment?
Udo Recktenwald: Gemeinsam mit einem jungen Sportler Arm in Arm die Fackel zu tragen und die strahlenden Augen, die Freude und Begeisterung der Beteiligten zu sehen.
Was war für Sie das Besondere an den Spielen im Landkreis St. Wendel?
Udo Recktenwald: Dass wir unser Engagement für Inklusion, für das Selbstbestimmungsrecht und das Miteinander der Menschen verbinden konnten mit der wunderschönen Kulisse an unserem Bostalsee als Austragungsort besonderer Wettbewerbe.
Sechs Tage lang stand auch der Landkreis St. Wendel im Zeichen der gelebten Inklusion. In den saarländischen Medien wurde ausführlich über die Spiele berichtet. Was wird davon erhalten bleiben, wenn die letzten Werbeplakate in den Gemeinden verschwunden sind? Wie nachhaltig werden die Nationalen Spiele im Landkreis St. Wendel nachhallen?
Udo Recktenwald: Es ist wichtig, dass die Special Olympics kein einmaliges Feuerwerk der Inklusion bleiben, verpuffen und alle wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern dass die Spiele Startschuss für die nachhaltige Stärkung der Inklusion sind. Viele haben mit Begeisterung, Anerkennung und Respekt wahrgenommen, zu welchen Leistungen die Sportlerinnen und Sportler in der Lage sind und wie wichtig das ist, was sie unserer Gesellschaft geben, nämlich die Erkenntnis, dass am Ende nicht Zeiten, Höhen und Weiten zählen, sondern Gemeinschaft und soziales Miteinander auf Augenhöhe. Das schafft Demut und erdet uns.
Welche Impulse für Inklusion haben die Spiele gesetzt – für Unternehmen, Behörden und die Gesellschaft insgesamt?
Udo Recktenwald: Sehr viele Impulse. Sie haben die Bedeutung der Inklusion und Integration in den Mittelpunkt gerückt und für Aufmerksamkeit gesorgt. Sie haben unsere Herzen erreicht und verdeutlicht, dass Inklusion kein Selbstzweck ist, sondern unverzichtbar für gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am Leben. Das hat nichts mit Wohlwollen zu tun, kein Goodie und keine Belastung, sondern Bereicherung und Mehrwert. Gleiches Recht für alle – das ist Menschenrecht und Wahrung der Menschenwürde.
Was haben die Spiele aus Ihrer Sicht mit den Menschen gemacht? Wurde ein Bewusstseinswandel in Gang gesetzt für mehr Offenheit gegenüber inklusiven Themen und ein Miteinander auf Augenhöhe?
Udo Recktenwald: Ich hoffe es. Wir haben das Glück, mit der Lebenshilfe St. Wendel einen Träger zu haben, der seit 60 Jahren mit viel Herzblut und Empathie Menschen mit Beeinträchtigung nicht nur betreut und begleitet, sondern ihnen einen Platz im Herzen der Gesellschaft ermöglicht. Dadurch besteht in unserer Region bereits eine große Offenheit und Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander. Verständnis, Bewusstsein, Achtsamkeit, Solidarität, Toleranz, Unterstützung, Augenhöhe – all das wird gelebt.
Wie wird das Thema Inklusion nach den Spielen im Landkreis weitergeführt?
Udo Recktenwald: Seit einem Jahr führt der Landkreis St. Wendel gemeinsam mit der Lebenshilfe St. Wendel das vom Sozialministerium und der Aktion Mensch finanzierte Modellprojekt „Inklusion vor Ort“ durch. Es geht darum, Bedarfe zur Verbesserung der Inklusion zu ermitteln und konkrete Umsetzungsschritte zu analysieren und auf den Weg zu bringen. Dazu haben sich ein Netzwerk und Arbeitsgruppen zu den Themen Mobilität, Gesundheit, Wohnen/Freizeit sowie Bildung/Arbeit gebildet, die ohne Schere im Kopf den Finger in die Wunde legen. Mir ist bewusst, dass auch hier der Fortschritt eine Schnecke ist und die Umsetzung von Maßnahmen Zeit und Geld braucht. Aber dahinter dürfen wir uns nicht verstecken. Die Menschen haben einen Anspruch darauf, dass wir ihre Lebensbedingungen verbessern. Es geht um Menschenrechte! Zudem können wir das einbinden in unsere integrierte Sozialplanung für die Region, die wir ebenfalls derzeit erarbeiten mit dem Ziel, die soziale Situation des Landkreises nicht nur besser zu kennen, sondern auch wirksam zu begleiten und zu verbessern.
