Aktuelles

07.03.2017 19:26 Uhr

Das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes®

Das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes® ist in Willingen mit den Disziplinen Gesund im Mund - Special Smiles, Gesunde Lebensweise - Health Promotion und Psychisches Wohlbefinden - Strong Minds vor Ort.

Marvin Meyer vom Hoisbütteler Sportverein nahm an der Disziplin Strong Minds teil. (Foto: Karina Burger)

Marvin Meyer vom Hoisbütteler Sportverein nahm an der Disziplin Strong Minds teil. (Foto: Karina Burger)

Trubelig geht es zu im Untergeschoss des Café Aufwind an der Mühlenkopfschanze in Willingen. Dr. Imke Kaschke, Leiterin Gesundheit und Medizin bei Special Olympics Deutschland, ruft die nächsten vier Athleten in den „Waschwagen“. Dort wird ihnen gezeigt, wie man richtig Zähne putzt. Anhand eines übergroßen Zahnmodells und einer Zahnbürste wird das Zähneputzen anschaulich erklärt.

Begeistert nehmen die Sportlerinnen und Sportler ihre Bürste in die Hand und folgen den Anweisungen. Danach werden sie an die nächste Station begleitet. Edith Lellig richtet schon die Taschen“ mit Zahnpflegeprodukten her. Jede Sportlerin und jeder Sportler erhält als Anreiz für die Zahnuntersuchung eine Medaille und diese Tasche. Lellig begleitet ihren Mann, Dr. Lellig, Zahnarzt im Ruhestand und Kammerpräsident der Zahnärzte im Saarland. Seit zwei Jahren unterstützen  sie das Healthy Athletes® Programm bei den Nationalen Veranstaltungen. Beide sind begeistert von der besonderen Stimmung, von den Athletinnen und Athleten, die immer dankbar und herzlich sind.
Seit den Special Olympics Hannover 2016 gibt es den Gesundheitspass für jeden Teilnehmer. Dort werden alle Untersuchungsergebnisse eingetragen.

„Welche Zahnbürste darf’s sein, blau oder rosa?“

Christoph Höhl vom Lebenshilfe-Werk Kreis Waldeck-Frankenberg und Teilnehmer an den Skilanglaufwettbewerben ist an der Station von Dr. Lellig. „Wohnst du noch zuhause oder in einer Einrichtung?“, „Benutzt du eine Handzahnbürste oder eine elektrische Zahnbürste?“, „Wie oft gehst du zum Zahnarzt?“ sind die Eingangsfragen an der Zahnarztstation. „Grundsätzlich sind die Sportler in ihrem jeweiligen Umfeld gut versorgt“, sagt Lellig. Dennoch wird das Angebot vor Ort an den Wettbewerbsstätten sehr gerne wahrgenommen. Zum einen, weil so auch Wartezeiten überbrückt werden, zum andern aber geht es auch um die Nachhaltigkeit des Themas Mundhygiene bei den Menschen mit geistiger Behinderung. Sie tragen ein höheres Risiko für zusätzliche gesundheitliche Einschränkungen. Das Programm fängt Defizite auf, wenn beispielsweise im häuslichen Umfeld die Kontrolle fehlt.

Nicht so bei Christoph Höhl, der seine Untersuchung erfolgreich beendet hat und nun seine Medaille erhält. Stolz geht er zu seinem Betreuer. Morgen wollen sie, wenn es die Zeit zwischen den Wettbewerben zulässt , die weiteren Angebote zu den Themen Gesunde Lebensweise – Health Promotion und erstmals Psychisches Wohlbefinden - Strong Minds wahrnehmen. Im Bereich des Gesundheitsprogramms Strong Minds geht es um Bewältigungsstrategien sowie Angebote zum Stressmanagement. Inhaltlich ist das ein Schwerpunkt des Projektes „Gesund durchs Leben“, das in den Jahren 2017/2018 in fünf SO-Landesverbänden durch das Bundesministeriums für Gesundheit gefördert wird. Das Thema ist bereits auf internationaler Ebene bei Special Olympics eingeführt. Dr. Kaschke ist schon sehr gespannt und neugierig auf die ersten Erfahrungen in diesem Bereich. Bis dahin verteilt sie aber weiter fleißig Zahnbürsten. Schon kommt wieder eine Athletin und es heißt mal wieder: „Welche Zahnbürste darf’s sein , blau oder rosa?“

Strong Minds – Ganz neu bei Healthy Athletes®

In Olympic Town geht es ab heute mehr um die Psyche der Athletinnen und Athleten. Eine der ersten Fragen an einen teilnehmenden Sportler im Strong Minds Zelt beim Check-In geht direkt rein ins Thema: „Wie gehst du mit Stress um?“ Dabei empfindet jeder Stress natürlich anders. Die Leiterin dieses Programms, Dr. Daniela Schwarz von der TU Münchenschaut sich im Zelt um und zeigt sich sichtlich zufrieden mit der Beteiligung an den sieben Stationen, die das Strong Minds Programm umfasst. Die Kernaussage ist dabei, den Athletinnen und Athleten zu vermitteln, dass Stress eine Schutzempfindung des Körpers ist und auch positiv sein kann. In unangenehmen Situationen soll das Programm Möglichkeiten aufzeigen, wie man im Alltag damit umgehen kann.
Die aufgebauten Stationen setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte , um den Athleten leichte Hilfestellungen bei Stressempfindungen zu geben.

„Rot werden? Das mag ich nicht!“

Wie zeigt sich Stress? Auslöser können starke Angst oder große Freude sein. Körperlich spürt man zum Beispiel Herzklopfen, schwitzen, man wird rot oder blass. Ein Anti-Stress Ball hilft im Gespräch eine erste Anspannung zu nehmen, in dem sich der Sportler auf das Drücken des Balles fokussiert und dadurch abgelenkt wird.  An der zweiten Station sitzt gerade Marvin Meyer vom Höisbütteler Sportverein, der hier als Athlet im Floorball antritt. Er pustet  in die ihm überreichte bunte Windmühle, zunächst langsam, dann immer intensiver. Laut Schwarz hilft diese Atemsensibilisierung den Sportlern z.B.  vor konkreten Wettbewerben ruhiger zu werden. An der nächsten Station liegen Fotos auf denen schöne Landschaften, Sonnenuntergänge oder ähnliche Motive zu sehen sind. „Das Bild mit der Sonne, an was denkst du dabei?“, fragt Elke Langbein, Mitarbeiterin bei Strong Minds und ebenfalls von der TU München, einen der teilnehmenden Athleten. „Da wird mir warm, das ist schön.“ Diese ausdrucksstarken Botschaften werden auf eine Notizkarte geschrieben, die der Sportler mit nach Hause nimmt.

Weiter geht es zur „Stretching Station“. Hier wird geschaut, wie sich der Athlet körperlich fühlt und es werden Übungen gezeigt, die bei Anspannung ebenfalls beruhigend auf den Körper wirken. An der Station „Strong Support“ wird im Gespräch herausgefunden, wer den Sportler im Alltag bei schwierigen Situationen unterstützt. „Such dir diese Hilfe, es ist schön, wenn dich jemand unterstützt und du jemanden um Rat fragen kannst“, so lautet der Tipp von Schwarz. An der letzten Station wird ein gemeinsamer Plan erstellt, was der Sportler in einzelnen Situationen tun kann, um am Ende weniger aufgeregt zu sein. Zukünftig werden die Ergebnisse im Gesundheitspass festgehalten. Noch hat der dieses Programm nicht aufgenommen, weil es erst seit kurzem existiert und praktiziert wird.
Inzwischen hat Schwarz bereits fünf weitere regionale Koordinatoren geschult. Ein weiterer Schritt, um dieses Programm nicht nur bei Nationalen Veranstaltungen anbieten zu können. Gesucht wird auch noch ein neuer leicht verständlicher Name des Programms in Leichter Sprache. Dabei setzt Schwarz auf die Kreativität der teilnehmenden Athleten. Momentan steht „Innere Stärke“ ganz oben als einer der Favoriten, denn „rot“ sollen die Sportler zukünftig nur noch vor Anstrengung werden.

SOD-Presseteam/Iris Wilke-Frank

© Special Olympics Deutschland e.V.   |   Website von Kombinat Berlin