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08.03.2017 11:52 Uhr

Medienschaffende mit und ohne Behinderung tauschen Erfahrungen aus

Groß ist die Runde im Pressezentrum der Special Olympics Willingen 2017: Medienschaffende mit und ohne Behinderung haben sich um den Tisch versammelt, um ihre Erfahrungen miteinander auszutauschen und um voneinander zu lernen.

Isabell Zimmer und Andreas Sauer, Redakteure vom antonius Netzwerk Mensch in Fulda, holen sich beim Erfahrungsaustausch Tipps vom langjährigen Sportchef des Bayerischen Rundfunks, Werner Rabe. (Foto: Louisa Leise)

Isabell Zimmer und Andreas Sauer, Redakteure vom antonius Netzwerk Mensch in Fulda, holen sich beim Erfahrungsaustausch Tipps vom langjährigen Sportchef des Bayerischen Rundfunks, Werner Rabe. (Foto: Louisa Leise)

Isabel Zimmer und Andreas Sauer schreiben für das Magazin „SeitenWechsel“ des Antonius-Netzwerks Mensch in Fulda. Sie werden von Arnulf Müller begleitet, dessen Schreibtisch daheim als „zentraler Umschlagplatz für Texte und Bilder“ gilt. Auch Heilerziehungspfleger Christian Auth ist mit dabei. Die Heftredaktion konzentriert sich auf regionale Themen in Osthessen. Andreas Sauer verfügt bereits über einige journalistische Erfahrung, und das merkt man ihm auch an. Ganz unbefangen richtet er seine Frage an Werner Rabe, den langjährigen Sportchef des Bayerischen Rundfunks. Und er ist dabei durchaus nicht unkritisch: „Gibt es eigentlich auch Inklusionsleute in Fernsehredaktionen?“ Der gestandene Journalist lässt erkennen, das ihn die Frage durchaus herausfordert: „Allgemein werden in den Medien zurzeit Stellen abgebaut“, tastet er sich zu einer Antwort vor. Und dann erinnert er sich an zwei Mitarbeiterinnen beim Bayerischen Rundfunk, die ein Handicap hatten. Rabe nimmt seinem jungen Kollegen die Herausforderung nicht übel, im Gegenteil. Ganz offensiv geht er damit um: „Eigentlich bin ich ja als Experte eingeladen. Aber hin und wieder bekomme ich doch einen Riesenschreck, weil ich noch etwas von Euch lernen kann“. Doch natürlich weiß auch er einige Tipps mit auf den Weg zu geben, und die Inklusionsjournalisten nehmen sie gerne an: „Wichtig ist immer, dass man sich auf Interviews gut vorbereitet und Fragen auf Augenhöhe stellt. Man sollte vermitteln, dass man Ahnung hat, aber man darf nie überheblich oder verletzend sein“.

Daniel Sträßer, Athletensprecher aus dem Saarland, ist eigentlich schon ein Medienprofi. Aber er weiß die Mithilfe seiner journalistischen Gesprächspartner durchaus zu schätzen: „Ich hatte mal ein Interview im Radio. Da bin ich in einem Vorgespräch auf die Fragen vorbereitet worden. Das hat mir sehr geholfen“, schildert Sträßer die Atmosphäre beim Rundfunk. Sein Vater Jürgen unterstreicht dies: „Das Vorgespräch war für Daniel sehr nützlich. Der Radiomann hat ihn auf die einzelnen Themen hingewiesen. Ein guter Journalist macht einen Unterschied, ob er mit einem Bayern-Spieler spricht oder mit einem Special-Olympics-Athleten“.

Beim Stichwort „Bayern-Spieler“ wird Wolfgang Gunzelmann hellhörig. Der Münchner möchte wissen, was das für ein Gefühl ist, einen der großen Stars zu befragen. Werner Rabe plaudert aus dem Nähkästchen: „Früher fuhr man mit im Mannschaftsbus und konnte Paul Breitner einfach mal beiläufig ansprechen. Heute muss man über Mediensprecher Termine anfragen und Interviews autorisieren lassen. Oft wird auch verlangt, dass Fragen vorher eingereicht werden“.

Ganz so weit ist man auf lokaler Ebene zum Glück noch nicht: Bei Dirk Schäfer, dem Leiter der Sportredaktion bei der Waldeckischen Landeszeitung, freuen sich die örtlichen Sportgrößen noch, wenn sie in die Medien kommen. Aber auch da gilt es natürlich, ein paar Regeln zu beachten: „Man sollte seine Fragen nicht einfach nur herunterrasseln, sondern ein Gespräch wirklich lenken“, gibt Schäfer seine Erfahrungen wider. „Und nie vergessen darf man auch, dass man einen anderen immer nur einmal alt aussehen lässt. Beim zweiten Mal kriegt man dann einfach kein Interview mehr. Das kann auch nicht Sinn der Sache sein“.

Brigitte Lehnert, Vizepräsidentin von Special Olympics Deutschland, greift den Gedanken auf: „Man muss darauf vorbereitet sein, dass eine völlig andere Antwort kommt, als man erwartet. Ich habe einmal einen Athleten auf offener Bühne gefragt, was er sich von den Nationalen Spielen erhofft. Dass er endlich eine Freundin findet, kam von ihm zurück. Da muss man dann natürlich spontan genug sein, um darauf einzugehen“.

In dieser Runde zumindest ist Spontanität allgegenwärtig: Und so wird die eingeplante Zeit für die Medienrunde deutlich überschritten. Am Ende haben alle voneinander gelernt, und jeder nimmt für seine Arbeit etwas mit nach Hause.

SOD-Presseteam/Georg Alfes

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